Film der Woche
Little Miss Sunshine *******
Der Überraschungserfolg beim Sundance Film Festival 2006, wo er mit Standing Ovations gefeiert wurde, lief anfangs Gefahr, dem großen Publikum vorenthalten zu bleiben – die US-amerikanischen Filmverleihe bezweifelten seine kommerziellen Chancen. Letztendlich wurde die satirische Tragikomödie, die der amerikanischen Gesellschaft schamlos den Spiegel vorhält, einer der weltweit erfolgreichsten Filme von 2006. Und er ist ein absolutes Must See! Nicht verpassen!
Der Film kommt am am Donnerstag, 9. Juli, 23:30 Uhr auf ARD.
Internet Movie Database: Little Miss Sunshine (US, 2006)
YouTube: Little Miss Sunshine – Trailer (2:29 Min)
Weitere TV-Tipps
"Saint Ralph" (CA, 2004) am Dienstag, 7. Juli auf Pro7 [IMDb] [Trailer] ***
"Ein Zuhause am Ende der Welt" (US, 2005) am Freitag, 10. Juli, 10:10 Uhr auf Pro7 [IMDb] [Trailer] ******
"Thumbsucker" (US, 2005) am Sonntag, 12. Juli, 23:55 Uhr auf ARD] [IMDb] [Trailer]
Die Rubrik "Film der Woche" gibt jeden Montag ein kurzes Spotlight zu einem sehenswerten Film (der nicht unbedingt immer dem Coming-of-Age-Genre entsprechen muss) – häufig verbunden mit einem TV-Tipp. Alle bisherigen Filme der Woche gibt es im Archiv.
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Montag, 6. Juli 2009
Mittwoch, 29. April 2009
Private Lessons – Elève Libre

Originaltitel: „Elève libre“
Belgien, Frankreich, 2008
Regisseur: Joachim Lafosse
Hauptdarsteller: Jonas Bloquet, Jonathan Zaccaï, Claire Bodson, Yannick Renier, Pauline Etienne
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Bewertung:
*******
(gut)
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Mit „Elève libre“ ist dem belgischen Regisseur Joachim Lafosse ein ebenso außergewöhnliches wie verstörendes Drama gelungen. Ein Drama über die naiv-neugierige Unbedarftheit eines Teenagers, über die Verunsicherung und Desorientierung in der Pubertät und über enttäuschtes und ausgenutztes Vertrauen. Ein Film, der letztendlich unangenehme Fragen aufwirft: Wann wird sexuelle Aufklärung peinlich und beschämend? Wie weit darf Vertrauen gehen? Wo liegt die Grenze zwischen Aufklärung und Verführung? Und wann wird aus Verführung Missbrauch?
Der 16-jährige Jonas lebt in Brüssel in einer WG zusammen mit zwei Mittdreißigern, Didier und Nathalie – Freunde seiner Mutter, die in einer anderen Stadt wohnt. Es ist keine leichte Zeit für Jonas, der nicht nur wegen zu schlechter Leistungen Gefahr läuft, die Schule verlassen zu müssen, sondern zudem erkennen muss, dass es auch für seine Traumkarriere als Tennisprofi nicht reichen wird. Ein weiterer Bekannter seiner Mutter, Pierre, der quasi auch schon zur WG gehört, bietet ihm an, mit ihm zu lernen. Doch Jonas’ schulische Leistungen sind nicht das einzige, um was sich seine Mitbewohner intensiv kümmern. Auch seine sexuelle Entfaltung liegt ihnen sehr am Herzen. Denn Pierre paukt mit Jonas weit mehr als nur Algebra, Chemie und Literatur. Doch so uneigennützig, wie es scheint, sind Pierres Beweggründe nicht. Geht es ihm wirklich nur um Jonas?
„Elève libre“ zeichnet ein feines, psychologisches Bild einer ungewöhnlichen Beziehung. In ruhigem Erzählstil startet der Film komödiantisch, lässt einen amüsiert schmunzeln, wenn sich Jonas’ erwachsene Freunde, ungeniert beim Abendessen plaudernd, mit seiner erwachenden Sexualität auseinandersetzen. „Wie lange brauchst du denn so bis zum Orgasmus?“ „Ist deine Freundin eher vaginal oder eher klitoral?“ Mit der Zeit geht Jonas immer neugieriger auf das Spiel ein. Belustigt und verunsichert zugleich lässt er unter den Blicken seiner Mitbewohner sogar praktische Demonstrationen gängiger Sexualpraktiken über sich ergehen. Doch was locker, spielerisch und scheinbar harmlos beginnt, stellt sich mit der Zeit als ebenso gezieltes wie subtiles Ausnutzen von Jonas’ sexueller Unsicherheit und Unerfahrenheit heraus und überschreitet letztendlich seine Grenzen bei weitem.
Joachim Lafosse wurde 1975 in Brüssel geboren und absolvierte die IAD Filmschule (Institut des Arts de Diffusion Bruxelles). Seine Idee zum Film „Elève libre“ präsentierte er bereits 2005 beim „Cannes Film Festival Atelier“, einer Initiative zur Förderung junger Regietalente mit dem Ziel, Finanziers und Investoren für Nachwuchsprojekte zu finden. Sein erster Spielfilm „Folie Privée“ lief 2004 unter anderem im Wettbewerb beim Filmfestival in Locarno. 2006 gewann er mit „Ça rend heureux“ den Großen Jury-Preis beim Filmfest in Angers. Und mit seinem ebenfalls 2006 veröffentlichten und hoch gelobten, künstlerischen Familiendrama „Nue Propriété“ erreichte er bei Festivals in Nord- und Südamerika und Asien erstmals auch ein Publikum außerhalb Europas. „Elève libre“, der 2008 in Cannes vorgestellt wurde, lief bislang international nur auf einigen Filmfesten und hatte im Rahmen des „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ Deutschlandpremiere.
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Internet Movie Database
IMDb: Elève libre
Trailer
YouTube: Private Lessons – Trailer (1:35 Min, franz. mit engl. Untertiteln)
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
Offizielle Website zum Film (franz.)
Verzaubert Filmfest: Private Lessons – Filmbeschreibung
Variety.com: Filmkritik (engl.)
Filmfestival Rotterdam: Filmkritik (engl.)
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Belgien, Frankreich, 2008
Regisseur: Joachim Lafosse
Hauptdarsteller: Jonas Bloquet, Jonathan Zaccaï, Claire Bodson, Yannick Renier, Pauline Etienne
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Bewertung:
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(gut)
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Mit „Elève libre“ ist dem belgischen Regisseur Joachim Lafosse ein ebenso außergewöhnliches wie verstörendes Drama gelungen. Ein Drama über die naiv-neugierige Unbedarftheit eines Teenagers, über die Verunsicherung und Desorientierung in der Pubertät und über enttäuschtes und ausgenutztes Vertrauen. Ein Film, der letztendlich unangenehme Fragen aufwirft: Wann wird sexuelle Aufklärung peinlich und beschämend? Wie weit darf Vertrauen gehen? Wo liegt die Grenze zwischen Aufklärung und Verführung? Und wann wird aus Verführung Missbrauch?
Der 16-jährige Jonas lebt in Brüssel in einer WG zusammen mit zwei Mittdreißigern, Didier und Nathalie – Freunde seiner Mutter, die in einer anderen Stadt wohnt. Es ist keine leichte Zeit für Jonas, der nicht nur wegen zu schlechter Leistungen Gefahr läuft, die Schule verlassen zu müssen, sondern zudem erkennen muss, dass es auch für seine Traumkarriere als Tennisprofi nicht reichen wird. Ein weiterer Bekannter seiner Mutter, Pierre, der quasi auch schon zur WG gehört, bietet ihm an, mit ihm zu lernen. Doch Jonas’ schulische Leistungen sind nicht das einzige, um was sich seine Mitbewohner intensiv kümmern. Auch seine sexuelle Entfaltung liegt ihnen sehr am Herzen. Denn Pierre paukt mit Jonas weit mehr als nur Algebra, Chemie und Literatur. Doch so uneigennützig, wie es scheint, sind Pierres Beweggründe nicht. Geht es ihm wirklich nur um Jonas?
„Elève libre“ zeichnet ein feines, psychologisches Bild einer ungewöhnlichen Beziehung. In ruhigem Erzählstil startet der Film komödiantisch, lässt einen amüsiert schmunzeln, wenn sich Jonas’ erwachsene Freunde, ungeniert beim Abendessen plaudernd, mit seiner erwachenden Sexualität auseinandersetzen. „Wie lange brauchst du denn so bis zum Orgasmus?“ „Ist deine Freundin eher vaginal oder eher klitoral?“ Mit der Zeit geht Jonas immer neugieriger auf das Spiel ein. Belustigt und verunsichert zugleich lässt er unter den Blicken seiner Mitbewohner sogar praktische Demonstrationen gängiger Sexualpraktiken über sich ergehen. Doch was locker, spielerisch und scheinbar harmlos beginnt, stellt sich mit der Zeit als ebenso gezieltes wie subtiles Ausnutzen von Jonas’ sexueller Unsicherheit und Unerfahrenheit heraus und überschreitet letztendlich seine Grenzen bei weitem.
Joachim Lafosse wurde 1975 in Brüssel geboren und absolvierte die IAD Filmschule (Institut des Arts de Diffusion Bruxelles). Seine Idee zum Film „Elève libre“ präsentierte er bereits 2005 beim „Cannes Film Festival Atelier“, einer Initiative zur Förderung junger Regietalente mit dem Ziel, Finanziers und Investoren für Nachwuchsprojekte zu finden. Sein erster Spielfilm „Folie Privée“ lief 2004 unter anderem im Wettbewerb beim Filmfestival in Locarno. 2006 gewann er mit „Ça rend heureux“ den Großen Jury-Preis beim Filmfest in Angers. Und mit seinem ebenfalls 2006 veröffentlichten und hoch gelobten, künstlerischen Familiendrama „Nue Propriété“ erreichte er bei Festivals in Nord- und Südamerika und Asien erstmals auch ein Publikum außerhalb Europas. „Elève libre“, der 2008 in Cannes vorgestellt wurde, lief bislang international nur auf einigen Filmfesten und hatte im Rahmen des „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ Deutschlandpremiere.
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Internet Movie Database
IMDb: Elève libre
Trailer
YouTube: Private Lessons – Trailer (1:35 Min, franz. mit engl. Untertiteln)
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
Offizielle Website zum Film (franz.)
Verzaubert Filmfest: Private Lessons – Filmbeschreibung
Variety.com: Filmkritik (engl.)
Filmfestival Rotterdam: Filmkritik (engl.)
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Sonntag, 19. April 2009
Mommy Is at the Hairdresser's

Originaltitel: „Maman est chez le coiffeur“
Kanada, 2008
Regisseur: Léa Pool
Hauptdarsteller: Marianne Fortier, Élie Dupuis, Hugo St-Onge-Paquin, Laurent Lucas, Céline Bonnier, Gabriel Arcan, Benjamin Chouinard, Antoine Desrochers
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Bewertung:
*******
(herausragend)
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Nur wenige Filme präsentieren selbst die tragischsten Szenen mit einer solchen Leichtigkeit, dass sie dem von der Traurigkeit der Handlung zutiefst ergriffenen Zuschauer trotzdem ein Lachen ins Gesicht zaubern können. „Maman est chez le coiffeur“ meistert das mit Bravour. Das bewegende kanadische Drama besticht in jeglicher Hinsicht: mit einer liebevollen und detailgetreuen Szenerie, die das Québec der sechziger Jahre wieder aufleben lässt. Mit einer genial zusammengestellten Filmmusik – von Beethoven bis hin zu vielen bekannten französischen Chansons. Mit großartig ausgearbeiteten, zum Teil herrlich skurrilen Charakteren bis in die Nebenrollen hinein. Und nicht zuletzt mit grandiosen jungen Schauspielern, die sich mit ihrer offenherzigen Darstellung direkt in das Herz des Zuschauers spielen.
Französisch-Kanada im Sommer 1966: für die 15-jährige Élise und ihre beiden jüngeren Brüder beginnt das bisher idyllische Familienleben zu bröckeln, als herauskommt, dass ihr Vater eine Affäre mit einem seiner Golfpartner hat. Als ihre Mutter, die sich immer fürsorglich und liebevoll um ihre Kinder gekümmert hat, die Familie verlässt, ist der zurückgelassene Vater vollkommen überfordert. Und die drei Kinder gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um: während Benoît, das Nesthäkchen der Familie, seine Einsamkeit und Frustration in alarmierenden Verhaltensweisen zum Ausdruck bringt, bastelt sein Bruder Coco unbeirrbar in der Garage an seiner Seifenkiste weiter. Élise hingegen flüchtet sich nicht in ihre eigene Welt, sondern beginnt die Menschen um sich herum kritischer zu betrachten.
Die in Kanada lebende, schweizerische Regisseurin Léa Pool erzählt ihre bittersüße Coming-of-Age-Geschichte gänzlich aus der Sicht der Kinder: wie sie erkennen, dass es überall um sie herum Probleme gibt und die Welt nicht so glücklich ist, wie sie immer glaubten. Wie sie bei unschuldigen Teenagerspielen versuchen, den ersten Kuss zu erhaschen. Wie sie sich bei einem Freund im Schlafzimmerschrank verstecken, um einmal eine nackte Frau zu sehen. Wie sie auf neugierige Fragen der Nachbarn hin immer wieder antworten, dass Mama beim Friseur ist. Und wie sie durch die neuen Umstände, mit denen sie zurechtkommen müssen, ein Stück ihrer Kindheit verlieren. Insbesondere bei Élise sieht man, dass sie sich zunehmend für die Familie verantwortlich fühlt und langsam die Rolle der Mutter zu übernehmen scheint und sich dennoch in einem alten taubstummen Fliegenfischer, einem Vagabunden, eine neue Bezugsperson sucht.
„Maman est chez le coiffeur“ ist ein Film für Erwachsene, der auf nostalgische Weise die Kindheit und Jugend wieder aufleben lässt, ohne dabei sentimental zu werden. Er ruft wieder in Erinnerung, wie es ist, langsam die kindliche Unschuld zu verlieren und mit der Ernsthaftigkeit des Lebens konfrontiert zu werden. Der Film hat bislang in Deutschland leider noch keinen Verleih finden können. Aber vielleicht hilft es, dass er als Centerpiece beim „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ vom Publikum zu einem der drei besten Filme des Festivals gekürt wurde. Wollen wir hoffen, dass es noch ein paar mehr Leute geben wird, die sich von seiner Faszination mitreißen lassen können.
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Internet Movie Database
IMDb: Maman est chez le coiffeur
Trailer
YouTube: Maman est chez le coiffeur – Trailer (1:38 Min, franz. mit engl. Untertiteln)
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
YouTube: Filmausschnitt (0:54 min, franz.)
YouTube: Filmausschnitt (1:03 min)
YouTube: Musikvideo – Der 13-jährige Hauptdarsteller Élie Dupuis singt „Bang Bang“ (3:16 min)
OutNow.CH: Filmkritik
Rotterdam TwitchFilm.net: Filmkritik (engl.)
Kanada, 2008
Regisseur: Léa Pool
Hauptdarsteller: Marianne Fortier, Élie Dupuis, Hugo St-Onge-Paquin, Laurent Lucas, Céline Bonnier, Gabriel Arcan, Benjamin Chouinard, Antoine Desrochers
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Bewertung:
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(herausragend)
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Nur wenige Filme präsentieren selbst die tragischsten Szenen mit einer solchen Leichtigkeit, dass sie dem von der Traurigkeit der Handlung zutiefst ergriffenen Zuschauer trotzdem ein Lachen ins Gesicht zaubern können. „Maman est chez le coiffeur“ meistert das mit Bravour. Das bewegende kanadische Drama besticht in jeglicher Hinsicht: mit einer liebevollen und detailgetreuen Szenerie, die das Québec der sechziger Jahre wieder aufleben lässt. Mit einer genial zusammengestellten Filmmusik – von Beethoven bis hin zu vielen bekannten französischen Chansons. Mit großartig ausgearbeiteten, zum Teil herrlich skurrilen Charakteren bis in die Nebenrollen hinein. Und nicht zuletzt mit grandiosen jungen Schauspielern, die sich mit ihrer offenherzigen Darstellung direkt in das Herz des Zuschauers spielen.
Französisch-Kanada im Sommer 1966: für die 15-jährige Élise und ihre beiden jüngeren Brüder beginnt das bisher idyllische Familienleben zu bröckeln, als herauskommt, dass ihr Vater eine Affäre mit einem seiner Golfpartner hat. Als ihre Mutter, die sich immer fürsorglich und liebevoll um ihre Kinder gekümmert hat, die Familie verlässt, ist der zurückgelassene Vater vollkommen überfordert. Und die drei Kinder gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um: während Benoît, das Nesthäkchen der Familie, seine Einsamkeit und Frustration in alarmierenden Verhaltensweisen zum Ausdruck bringt, bastelt sein Bruder Coco unbeirrbar in der Garage an seiner Seifenkiste weiter. Élise hingegen flüchtet sich nicht in ihre eigene Welt, sondern beginnt die Menschen um sich herum kritischer zu betrachten.
Die in Kanada lebende, schweizerische Regisseurin Léa Pool erzählt ihre bittersüße Coming-of-Age-Geschichte gänzlich aus der Sicht der Kinder: wie sie erkennen, dass es überall um sie herum Probleme gibt und die Welt nicht so glücklich ist, wie sie immer glaubten. Wie sie bei unschuldigen Teenagerspielen versuchen, den ersten Kuss zu erhaschen. Wie sie sich bei einem Freund im Schlafzimmerschrank verstecken, um einmal eine nackte Frau zu sehen. Wie sie auf neugierige Fragen der Nachbarn hin immer wieder antworten, dass Mama beim Friseur ist. Und wie sie durch die neuen Umstände, mit denen sie zurechtkommen müssen, ein Stück ihrer Kindheit verlieren. Insbesondere bei Élise sieht man, dass sie sich zunehmend für die Familie verantwortlich fühlt und langsam die Rolle der Mutter zu übernehmen scheint und sich dennoch in einem alten taubstummen Fliegenfischer, einem Vagabunden, eine neue Bezugsperson sucht.
„Maman est chez le coiffeur“ ist ein Film für Erwachsene, der auf nostalgische Weise die Kindheit und Jugend wieder aufleben lässt, ohne dabei sentimental zu werden. Er ruft wieder in Erinnerung, wie es ist, langsam die kindliche Unschuld zu verlieren und mit der Ernsthaftigkeit des Lebens konfrontiert zu werden. Der Film hat bislang in Deutschland leider noch keinen Verleih finden können. Aber vielleicht hilft es, dass er als Centerpiece beim „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ vom Publikum zu einem der drei besten Filme des Festivals gekürt wurde. Wollen wir hoffen, dass es noch ein paar mehr Leute geben wird, die sich von seiner Faszination mitreißen lassen können.
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Internet Movie Database
IMDb: Maman est chez le coiffeur
Trailer
YouTube: Maman est chez le coiffeur – Trailer (1:38 Min, franz. mit engl. Untertiteln)
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
YouTube: Filmausschnitt (0:54 min, franz.)
YouTube: Filmausschnitt (1:03 min)
YouTube: Musikvideo – Der 13-jährige Hauptdarsteller Élie Dupuis singt „Bang Bang“ (3:16 min)
OutNow.CH: Filmkritik
Rotterdam TwitchFilm.net: Filmkritik (engl.)
Verzaubert Filmfest: Mommy is at the Hairdresser’s – Filmbeschreibung
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Sonntag, 12. April 2009
The Love of Siam

Originaltitel: รักแห่งสยาม („Rak Haeng Sayam“)
Thailand, 2007
Regisseur: Chukiat Sakveerakul
Hauptdarsteller: Mario Maurer, Witwisit Hiranyawongkul, Jirayu La-ongmanee, Artit Niyomkul, Laila Boonyasak, Sinjai Plengpanit
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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“Da ist eine Frage, die mich beschäftigt: Wenn wir jemanden wirklich lieben, wie sollen wir damit umgehen können, eines Tages von ihm getrennt zu sein? Und wenn Trennung eben zum Leben dazugehört, besteht dann irgendeine Möglichkeit jemanden zu lieben, ohne jemals Angst haben zu müssen, ihn zu verlieren?” – Diese Gedanken bewegen den Teenager Mew, einen sensiblen und kreativen Jugendlichen, der als Leadsänger und Komponist einer Schüler-Boygroup der Schwarm aller Mädchen ist. Doch im Inneren seines Herzens hängt Mew einer Beziehung nach, die schon seit vielen Jahren vorbei ist: der Kinderfreundschaft zu einem Nachbarsjungen, zu seinem einst besten Freund Tong. Tongs Familie war weggezogen, nachdem keine Hoffnung mehr bestand, dass Tongs ältere, im Dschungel vermisste Schwester jemals zurückkehren würde. Der Zufall will es, dass sich die Wege von Mew und Tong nach 10 Jahren am Siam Square, einem bekannten Treffpunkt in Bangkok, wieder kreuzen – und beide erkennen müssen, dass das, was sie füreinander empfinden, wohl schon immer weit mehr als bloße Freundschaft gewesen ist.
„The Love of Siam“ ist eine gefühlvolle Geschichte über die schüchterne Liebe zwischen zwei Jungen. Die Story ist in erster Linie auf ein Teenagerpublikum zugeschnitten und bedient sich so mancher Klischees, lässt aber erfreulicherweise schwule Stereotypen gänzlich außen vor. Der Film ist sehr sensibel umgesetzt, humorvoll, zutiefst romantisch, hält so manche Überraschung bereit und geht – nicht zuletzt wegen der einfühlsamen Filmmusik – einfach zu Herzen. Insbesondere auch die Geschichte um Tongs alkoholkranken Vater, der den Verlust seiner Tochter nie verwinden konnte, macht den Film mit aus. „The Love of Siam“ eroberte Thailand im Sturm und war in ganz Asien sehr erfolgreich. Die Hauptrollen spielen der Sänger „Pitch“ Witwisit als Mew, der durch den Film in Asien die Spitze der Hitparaden erreichen konnte, und Mario Maurer als Tong. Mario Maurer, geboren in Thailand mit deutschem Vater und chinesischer Mutter, hatte mit 16 Jahren bereits eine Modelkarriere begonnen und ist seit „The Love of Siam“ der Teenagerstar in Thailand schlechthin. Er wurde für seine Rolle für den Asian Film Award nominiert. Kein Wunder also, dass seine Fans ihn „Supermario“ getauft haben.
Der Film „The Love of Siam“ könnte eine ganz normale und leicht kitschige Teenager-Lovestory sein. Aber er ist mehr! Er ist ein kleines Familienepos, das zeigt, wie sehr der Verlust eines Kindes eine Familie zerrütten kann. Er ist ein tiefgründiges Drama über die Bedeutung von Freundschaft, Liebe und Verlust. Und er ist einer der schönsten schwulen Coming-of-Age-Filme, die je gedreht wurden. Dem Vergleich mit Coming-out-Klassikern wie „Beautiful Thing“ oder „Sebastian“ hält das thailändische Drama locker Stand. Dass hier aber eine Liebesbeziehung zwischen zwei Jungen in den Mittelpunkt eines Films gestellt wird, der ein Massenpublikum anspricht, ist schon außergewöhnlich. Bemerkenswert, dass gerade ein asiatischer Film demonstrieren muss, wie man ein Thema groß ins Kino bringt, das sich bei uns nur in Form der Quotenschwuchtel in drittklassigen TV-Soaps an ein breiteres Publikum wendet. Denn ernst zu nehmende Kinofilme, die ein schwules Thema fernab gängiger Homoklischees beinhalten, führen ja sonst ein Nischendasein. So war das „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ wohl auch eine der ganz wenigen Chancen, die der Film hatte, um in Europa überhaupt im Kino gezeigt zu werden. Schade!
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Internet Movie Database
IMDb: Rak haeng Siam
Trailer
YouTube: The Love of Siam – Trailer (3:33 Min, engl. Untertitel)
DVD
JSDVD Mall, Taiwan: The Love of Siam – Special Edition (3 DVDs, engl. subtitles)
Kosten: insgesamt ca. 25 bis 30 Euro für 3er DVD-Set und International Shipping (muss als eigener Posten in den Warenkorb gelegt werden) – schnelle und zuverlässige Lieferung
Thailand, 2007
Regisseur: Chukiat Sakveerakul
Hauptdarsteller: Mario Maurer, Witwisit Hiranyawongkul, Jirayu La-ongmanee, Artit Niyomkul, Laila Boonyasak, Sinjai Plengpanit
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Bewertung:
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(sehr gut)
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“Da ist eine Frage, die mich beschäftigt: Wenn wir jemanden wirklich lieben, wie sollen wir damit umgehen können, eines Tages von ihm getrennt zu sein? Und wenn Trennung eben zum Leben dazugehört, besteht dann irgendeine Möglichkeit jemanden zu lieben, ohne jemals Angst haben zu müssen, ihn zu verlieren?” – Diese Gedanken bewegen den Teenager Mew, einen sensiblen und kreativen Jugendlichen, der als Leadsänger und Komponist einer Schüler-Boygroup der Schwarm aller Mädchen ist. Doch im Inneren seines Herzens hängt Mew einer Beziehung nach, die schon seit vielen Jahren vorbei ist: der Kinderfreundschaft zu einem Nachbarsjungen, zu seinem einst besten Freund Tong. Tongs Familie war weggezogen, nachdem keine Hoffnung mehr bestand, dass Tongs ältere, im Dschungel vermisste Schwester jemals zurückkehren würde. Der Zufall will es, dass sich die Wege von Mew und Tong nach 10 Jahren am Siam Square, einem bekannten Treffpunkt in Bangkok, wieder kreuzen – und beide erkennen müssen, dass das, was sie füreinander empfinden, wohl schon immer weit mehr als bloße Freundschaft gewesen ist.
„The Love of Siam“ ist eine gefühlvolle Geschichte über die schüchterne Liebe zwischen zwei Jungen. Die Story ist in erster Linie auf ein Teenagerpublikum zugeschnitten und bedient sich so mancher Klischees, lässt aber erfreulicherweise schwule Stereotypen gänzlich außen vor. Der Film ist sehr sensibel umgesetzt, humorvoll, zutiefst romantisch, hält so manche Überraschung bereit und geht – nicht zuletzt wegen der einfühlsamen Filmmusik – einfach zu Herzen. Insbesondere auch die Geschichte um Tongs alkoholkranken Vater, der den Verlust seiner Tochter nie verwinden konnte, macht den Film mit aus. „The Love of Siam“ eroberte Thailand im Sturm und war in ganz Asien sehr erfolgreich. Die Hauptrollen spielen der Sänger „Pitch“ Witwisit als Mew, der durch den Film in Asien die Spitze der Hitparaden erreichen konnte, und Mario Maurer als Tong. Mario Maurer, geboren in Thailand mit deutschem Vater und chinesischer Mutter, hatte mit 16 Jahren bereits eine Modelkarriere begonnen und ist seit „The Love of Siam“ der Teenagerstar in Thailand schlechthin. Er wurde für seine Rolle für den Asian Film Award nominiert. Kein Wunder also, dass seine Fans ihn „Supermario“ getauft haben.
Der Film „The Love of Siam“ könnte eine ganz normale und leicht kitschige Teenager-Lovestory sein. Aber er ist mehr! Er ist ein kleines Familienepos, das zeigt, wie sehr der Verlust eines Kindes eine Familie zerrütten kann. Er ist ein tiefgründiges Drama über die Bedeutung von Freundschaft, Liebe und Verlust. Und er ist einer der schönsten schwulen Coming-of-Age-Filme, die je gedreht wurden. Dem Vergleich mit Coming-out-Klassikern wie „Beautiful Thing“ oder „Sebastian“ hält das thailändische Drama locker Stand. Dass hier aber eine Liebesbeziehung zwischen zwei Jungen in den Mittelpunkt eines Films gestellt wird, der ein Massenpublikum anspricht, ist schon außergewöhnlich. Bemerkenswert, dass gerade ein asiatischer Film demonstrieren muss, wie man ein Thema groß ins Kino bringt, das sich bei uns nur in Form der Quotenschwuchtel in drittklassigen TV-Soaps an ein breiteres Publikum wendet. Denn ernst zu nehmende Kinofilme, die ein schwules Thema fernab gängiger Homoklischees beinhalten, führen ja sonst ein Nischendasein. So war das „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ wohl auch eine der ganz wenigen Chancen, die der Film hatte, um in Europa überhaupt im Kino gezeigt zu werden. Schade!
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Internet Movie Database
IMDb: Rak haeng Siam
Trailer
YouTube: The Love of Siam – Trailer (3:33 Min, engl. Untertitel)
DVD
JSDVD Mall, Taiwan: The Love of Siam – Special Edition (3 DVDs, engl. subtitles)
Kosten: insgesamt ca. 25 bis 30 Euro für 3er DVD-Set und International Shipping (muss als eigener Posten in den Warenkorb gelegt werden) – schnelle und zuverlässige Lieferung
Links
Thailandinformation.de: Filmkritik
Offizielle Website zum Film (thailändisch)
Wikipedia.com: The Love of Siam (engl.)
Wikipedia.com: Mario Maurer (engl.)
Wikipedia.com: Witwisit Hiranyawongkul (engl.)
Verzaubert Filmfest: The Love of Siam – Filmbeschreibung
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Montag, 23. Februar 2009
Der Vorleser

Originaltitel: „The Reader“
USA, Deutschland, 2008
Regisseur: Stephen Daldry
Hauptdarsteller: Kate Winslet, David Kross, Ralph Fiennes, Bruno Ganz
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Bewertung:
*******
(herausragend)
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Eine Geschichte um das sexuelle Erwachen eines 15-Jährigen und seine erste Liebe zu einer deutlich älteren Frau. Eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Prozess gegen die Aufseherinnen in einem KZ. Und der innere, viele Jahre dauernde Kampf eines erwachsenen Mannes, das Trauma seiner ersten Liebe aufzuarbeiten. All das beinhaltet Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“, der 1995 erschienen ist. International fand Schlinks Werk nicht nur wegen des sprachgewaltigen und präzisen Erzählstils Beachtung, sondern auch wegen des provokativen Inhalts: dem Tabuthema Liebe zu einem Minderjährigen und dem ungewöhnlichen Blick auf die Täter des Holocaust.
Zentrale Figur in „Der Vorleser“ ist Michael Berg, aus dessen Blickwinkel der gesamte Roman geschrieben ist. Seine schüchterne Teenagerliebe zu der 36-jährigen Hanna Schmitz wird von Bernhard Schlink sehr poetisch und mit unglaublichem Einfühlungsvermögen in die pubertären Gefühlswirren in wunderschönen Worten geschildert. Über viele Monate hinweg dauert ihre Liebesbeziehung an, bei der Sex eine wesentliche Rolle spielt, und Hanna lässt sich von Michael – quasi als Vorspiel – immer aus Werken der Weltliteratur vorlesen. Doch eines Tages ist Hanna spurlos verschwunden.
Viele Jahre später studiert Michael Jura und belegt ein Seminar, das einen Prozess gegen ehemalige KZ-Aufseherinnen begleitet. Auf der Anklagebank findet er Hanna wieder und im Laufe des Prozesses stellt sich heraus, dass auch im KZ junge Mädchen regelmäßig für Hanna aus Büchern vorlesen mussten. Michael, der seine Liebe zu Hanna und ihr plötzliches Verschwinden nicht überwunden hatte, ist wie traumatisiert. Seine Zerrissenheit zwischen der Erinnerung der ersten Liebe und den Eindrücken aus dem Prozess bestimmen fortan sein ganzes Leben. Und erst sehr spät findet er Erlösung und innere Distanz.
Regisseur Stephen Daldry („Billy Elliot“) brachte den Weltbestseller auf die Kinoleinwand. Den Film, der am Donnerstag offiziell anläuft, konnte ich gestern in der Vorpremiere sehen. Und ich bin begeistert! Die Kritiken, die ich bislang zur Verfilmung gelesen habe, gehen sehr streng mit dem Werk ins Gericht und haben so manches daran auszusetzen. Dem kann ich nun so gar nicht zustimmen. Stephen Daldry hält sich – von ganz wenigen filmischen Freiheiten mal abgesehen – konsequent an Schlinks Vorlage. Die einfühlsame Umsetzung der Liebesbeziehung zwischen Michael und Hanna steht an Faszination und Ausdruckskraft dem Roman in nichts nach. Der Gerichtsprozess und die Jahre danach und auch die Darstellung von Michael Bergs Gefühlen erschüttern einen im Film ebenso wie im Buch.
„Der Vorleser“ ist bestimmt kein unbeschwertes Popcorn-Kino, aber ein großartiger Film. David Kross und Kate Winslet spielen grandios und zaubern im ersten Teil eine knisternde, erotische Spannung auf die Leinwand. Die außerordentlich freizügigen Liebesszenen überraschen für eine US-amerikanische Produktion. Die Amis scheinen sich daran nicht gestoßen zu haben, denn Kate Winslet bekam den Oscar für ihre Darstellung. Der Film war außerdem für 4 weitere Oscars nominiert, für Regie, Drehbuch, Kamera und als bester Film – und das hat er auch wirklich verdient. Umso mehr verwundert das kritische Pressefeedback in Deutschland. Kann es sein, dass sich deutsche Journalisten bemüßigt fühlen, an dem Film einfach etwas Negatives finden zu müssen, um sich bequem von Bernhard Schlinks kontroverser Auseinandersetzung mit der Schuldfrage zur Judenvernichtung distanzieren zu können?
USA, Deutschland, 2008
Regisseur: Stephen Daldry
Hauptdarsteller: Kate Winslet, David Kross, Ralph Fiennes, Bruno Ganz
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Bewertung:
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(herausragend)
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Eine Geschichte um das sexuelle Erwachen eines 15-Jährigen und seine erste Liebe zu einer deutlich älteren Frau. Eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Prozess gegen die Aufseherinnen in einem KZ. Und der innere, viele Jahre dauernde Kampf eines erwachsenen Mannes, das Trauma seiner ersten Liebe aufzuarbeiten. All das beinhaltet Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“, der 1995 erschienen ist. International fand Schlinks Werk nicht nur wegen des sprachgewaltigen und präzisen Erzählstils Beachtung, sondern auch wegen des provokativen Inhalts: dem Tabuthema Liebe zu einem Minderjährigen und dem ungewöhnlichen Blick auf die Täter des Holocaust.
Zentrale Figur in „Der Vorleser“ ist Michael Berg, aus dessen Blickwinkel der gesamte Roman geschrieben ist. Seine schüchterne Teenagerliebe zu der 36-jährigen Hanna Schmitz wird von Bernhard Schlink sehr poetisch und mit unglaublichem Einfühlungsvermögen in die pubertären Gefühlswirren in wunderschönen Worten geschildert. Über viele Monate hinweg dauert ihre Liebesbeziehung an, bei der Sex eine wesentliche Rolle spielt, und Hanna lässt sich von Michael – quasi als Vorspiel – immer aus Werken der Weltliteratur vorlesen. Doch eines Tages ist Hanna spurlos verschwunden.
Viele Jahre später studiert Michael Jura und belegt ein Seminar, das einen Prozess gegen ehemalige KZ-Aufseherinnen begleitet. Auf der Anklagebank findet er Hanna wieder und im Laufe des Prozesses stellt sich heraus, dass auch im KZ junge Mädchen regelmäßig für Hanna aus Büchern vorlesen mussten. Michael, der seine Liebe zu Hanna und ihr plötzliches Verschwinden nicht überwunden hatte, ist wie traumatisiert. Seine Zerrissenheit zwischen der Erinnerung der ersten Liebe und den Eindrücken aus dem Prozess bestimmen fortan sein ganzes Leben. Und erst sehr spät findet er Erlösung und innere Distanz.
Regisseur Stephen Daldry („Billy Elliot“) brachte den Weltbestseller auf die Kinoleinwand. Den Film, der am Donnerstag offiziell anläuft, konnte ich gestern in der Vorpremiere sehen. Und ich bin begeistert! Die Kritiken, die ich bislang zur Verfilmung gelesen habe, gehen sehr streng mit dem Werk ins Gericht und haben so manches daran auszusetzen. Dem kann ich nun so gar nicht zustimmen. Stephen Daldry hält sich – von ganz wenigen filmischen Freiheiten mal abgesehen – konsequent an Schlinks Vorlage. Die einfühlsame Umsetzung der Liebesbeziehung zwischen Michael und Hanna steht an Faszination und Ausdruckskraft dem Roman in nichts nach. Der Gerichtsprozess und die Jahre danach und auch die Darstellung von Michael Bergs Gefühlen erschüttern einen im Film ebenso wie im Buch.
„Der Vorleser“ ist bestimmt kein unbeschwertes Popcorn-Kino, aber ein großartiger Film. David Kross und Kate Winslet spielen grandios und zaubern im ersten Teil eine knisternde, erotische Spannung auf die Leinwand. Die außerordentlich freizügigen Liebesszenen überraschen für eine US-amerikanische Produktion. Die Amis scheinen sich daran nicht gestoßen zu haben, denn Kate Winslet bekam den Oscar für ihre Darstellung. Der Film war außerdem für 4 weitere Oscars nominiert, für Regie, Drehbuch, Kamera und als bester Film – und das hat er auch wirklich verdient. Umso mehr verwundert das kritische Pressefeedback in Deutschland. Kann es sein, dass sich deutsche Journalisten bemüßigt fühlen, an dem Film einfach etwas Negatives finden zu müssen, um sich bequem von Bernhard Schlinks kontroverser Auseinandersetzung mit der Schuldfrage zur Judenvernichtung distanzieren zu können?
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Internet Movie Database
IMDb: Der Vorleser
DVD
Amazon.co.uk: The Reader (Erscheinungsdatum: 25. Mai 2009)
Amazon.de: Der Vorleser (Erscheinungsdatum noch nicht bekannt)
Internet Movie Database
IMDb: Der Vorleser
DVD
Amazon.co.uk: The Reader (Erscheinungsdatum: 25. Mai 2009)
Amazon.de: Der Vorleser (Erscheinungsdatum noch nicht bekannt)
YouTube: Interview mit Stephen Daldry und David Kross (3:29 Min, engl.)
Welt.de: Kritik zu „Der Vorleser“
Filmstarts.de: Kritik zu „Der Vorleser“
Welt.de: Kritik zu „Der Vorleser“
Filmstarts.de: Kritik zu „Der Vorleser“
Wikipedia.de: Der Vorleser (Film)
Wikipedia.de: Der Vorleser (Roman)
Amazon.de: Der Vorleser (Roman)
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Wikipedia.de: Der Vorleser (Roman)
Amazon.de: Der Vorleser (Roman)
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David Kross

Deutscher Schauspieler
Geboren: 4. Juli 1990 in Bargteheide, Schleswig Holstein
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Drei Jahre, drei Kinofilme, drei Hauptrollen, drei Volltreffer. Der Jungstar David Kross schaffte es, sich nach seinem Kinodebüt in kürzester Zeit vom No-Name zum Weltstar zu katapultieren. David Kross war 11 Jahre, als er sein Interesse für die Schauspielerei fand. Ein paar Auftritte auf einer Kindertheaterbühne und einige wenige TV-Nebenrollen hatte er schon hinter sich, als er 2005 von Detlev Buck entdeckt wurde. Dabei war das Glück und Zufall zugleich, denn Detlev Buck hatte nach vielen Castings zu seinem Drama „Knallhart“ immer noch nicht die passende Besetzung für die Hauptrolle gefunden, bis seine Tochter und seine Frau ihn auf David Kross aufmerksam machten – so erzählt David selbst in einem Interview. David Kross’ Darstellung des 15-jährigen Michael, der den sozialen Brennpunkt Neukölln von seiner härtesten Seite kennen lernt, hat ihm seinen ersten Besuch bei der Berlinale beschert – als vielfach gelobtes und gefeiertes Nachwuchstalent.
Dabei wirkt der aus Bargteheide, einem kleinen Ort bei Hamburg, stammende David gar nicht wie der geborene Star. Eher ruhig, schüchtern und zurückhaltend traut man ihm sein großes Talent auf den ersten Blick gar nicht zu. Doch seine Wandlungsfähigkeit ist beachtlich, was er auch in seiner nächsten Hauptrolle unter Beweis stellen konnte: der Titelrolle in Marco Kreuzpaintners Romanverfilmung „Krabat“, in der er die Figur des Krabat vom 14- bis hin zum 20-Jährigen verkörpert. Seine große schauspielerische Begabung scheint ihm in die Wiege gelegt zu sein. Schauspielunterricht hatte er noch nie, über die Darstellung in seinen Rollen macht er sich gar nicht so viel Gedanken. Er folgt seiner Intuition und meint lapidar: „Ich spiele einfach gerne“. So beendete David Kross auch die Schule vorzeitig und widmet sich nun voll und ganz der Schauspielerei.
Mit seiner dritten Rolle versetzte er dann aber noch einmal alle in Erstaunen. Er spielt den jungen Michael Berg in der Romanverfilmung „Der Vorleser“, eine Hollywoodproduktion mit „Titanic“-Star Kate Winslet in der Hauptrolle. Das Pikante: in diesem Film gibt es auch einige Sexszenen, die erst ganz zum Ende der Filmarbeiten gedreht werden konnten. Denn es musste Davids achtzehnter Geburtstag abgewartet werden. Für diesen Film musste sich David Kross auch zum ersten Mal intensiv vorbereiten und auch erst richtig Englisch lernen. Und die Vorstellung mit Kate Winslet zu drehen habe in schon sehr nervös gemacht, gab er zu, aber Kate sei ganz unkompliziert gewesen und habe ihm sehr geholfen. Auch Kate Winslet war voll des Lobes über David: „Es wird immer viel über sein Alter gesprochen. Er ist 18. Er ist ein junger Mann und sehr professionell. Ich denke, er spielt seine Rolle brillant.“
Kate Winslet bekam den Oscar für Ihre Rolle in dem vielfach nominierten Film und für David ist „Der Vorleser“ mit Sicherheit der internationale Durchbruch, wurde er doch von Kate bei der Verleihung des Academy Award sogar namentlich erwähnt. Zuletzt drehte David Kross – wieder mit seinem Entdecker Detlev Buck – in Kambodscha das Liebesdrama „Same Same But Different“. Und bei der Berlinale 2009 wurde er dann auch zusammen mit neun weiteren europäischen Nachwuchstalenten mit dem Shootingstar-Award ausgezeichnet. Mal sehen, was uns David noch so alles bieten wird, die Filmwelt steht ihm ja nun offen. Und als heimliche deutsche Oscar-Hoffnung wird er bereits gehandelt.
Kurzer Nachtrag: Bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2009 erhielt David Kross außerdem – als erster deutscher Schauspieler – die „Trophée Chopard“.
Geboren: 4. Juli 1990 in Bargteheide, Schleswig Holstein
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Drei Jahre, drei Kinofilme, drei Hauptrollen, drei Volltreffer. Der Jungstar David Kross schaffte es, sich nach seinem Kinodebüt in kürzester Zeit vom No-Name zum Weltstar zu katapultieren. David Kross war 11 Jahre, als er sein Interesse für die Schauspielerei fand. Ein paar Auftritte auf einer Kindertheaterbühne und einige wenige TV-Nebenrollen hatte er schon hinter sich, als er 2005 von Detlev Buck entdeckt wurde. Dabei war das Glück und Zufall zugleich, denn Detlev Buck hatte nach vielen Castings zu seinem Drama „Knallhart“ immer noch nicht die passende Besetzung für die Hauptrolle gefunden, bis seine Tochter und seine Frau ihn auf David Kross aufmerksam machten – so erzählt David selbst in einem Interview. David Kross’ Darstellung des 15-jährigen Michael, der den sozialen Brennpunkt Neukölln von seiner härtesten Seite kennen lernt, hat ihm seinen ersten Besuch bei der Berlinale beschert – als vielfach gelobtes und gefeiertes Nachwuchstalent.
Dabei wirkt der aus Bargteheide, einem kleinen Ort bei Hamburg, stammende David gar nicht wie der geborene Star. Eher ruhig, schüchtern und zurückhaltend traut man ihm sein großes Talent auf den ersten Blick gar nicht zu. Doch seine Wandlungsfähigkeit ist beachtlich, was er auch in seiner nächsten Hauptrolle unter Beweis stellen konnte: der Titelrolle in Marco Kreuzpaintners Romanverfilmung „Krabat“, in der er die Figur des Krabat vom 14- bis hin zum 20-Jährigen verkörpert. Seine große schauspielerische Begabung scheint ihm in die Wiege gelegt zu sein. Schauspielunterricht hatte er noch nie, über die Darstellung in seinen Rollen macht er sich gar nicht so viel Gedanken. Er folgt seiner Intuition und meint lapidar: „Ich spiele einfach gerne“. So beendete David Kross auch die Schule vorzeitig und widmet sich nun voll und ganz der Schauspielerei.
Mit seiner dritten Rolle versetzte er dann aber noch einmal alle in Erstaunen. Er spielt den jungen Michael Berg in der Romanverfilmung „Der Vorleser“, eine Hollywoodproduktion mit „Titanic“-Star Kate Winslet in der Hauptrolle. Das Pikante: in diesem Film gibt es auch einige Sexszenen, die erst ganz zum Ende der Filmarbeiten gedreht werden konnten. Denn es musste Davids achtzehnter Geburtstag abgewartet werden. Für diesen Film musste sich David Kross auch zum ersten Mal intensiv vorbereiten und auch erst richtig Englisch lernen. Und die Vorstellung mit Kate Winslet zu drehen habe in schon sehr nervös gemacht, gab er zu, aber Kate sei ganz unkompliziert gewesen und habe ihm sehr geholfen. Auch Kate Winslet war voll des Lobes über David: „Es wird immer viel über sein Alter gesprochen. Er ist 18. Er ist ein junger Mann und sehr professionell. Ich denke, er spielt seine Rolle brillant.“
Kate Winslet bekam den Oscar für Ihre Rolle in dem vielfach nominierten Film und für David ist „Der Vorleser“ mit Sicherheit der internationale Durchbruch, wurde er doch von Kate bei der Verleihung des Academy Award sogar namentlich erwähnt. Zuletzt drehte David Kross – wieder mit seinem Entdecker Detlev Buck – in Kambodscha das Liebesdrama „Same Same But Different“. Und bei der Berlinale 2009 wurde er dann auch zusammen mit neun weiteren europäischen Nachwuchstalenten mit dem Shootingstar-Award ausgezeichnet. Mal sehen, was uns David noch so alles bieten wird, die Filmwelt steht ihm ja nun offen. Und als heimliche deutsche Oscar-Hoffnung wird er bereits gehandelt.
Kurzer Nachtrag: Bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2009 erhielt David Kross außerdem – als erster deutscher Schauspieler – die „Trophée Chopard“.
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Internet Movie Database
IMDb: David Kross
Links
YouTube: TV-Beitrag zu David Kross auf der Berlinale 2009 (3:40 Min)
Wikipedia.de: David Kross
Süddeutsche.de: Porträt zu David Kross
Stern.de: Porträt zu David Kross
YouTube: 10 Fragen an David Kross – das etwas andere Interview (2:33 Min)
YouTube: weitere TV-Beiträge zu David Kross auf der Berlinale (7:29 Min)
YouTube: Interview mit David Kross zur US-Premiere von „The Reader“ (1:39 Min, engl.)
YouTube: Interview mit David Kross zu „Krabat“ (3:26 Min)
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YouTube: weitere TV-Beiträge zu David Kross auf der Berlinale (7:29 Min)
YouTube: Interview mit David Kross zur US-Premiere von „The Reader“ (1:39 Min, engl.)
YouTube: Interview mit David Kross zu „Krabat“ (3:26 Min)
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Knallhart

Originaltitel: „Knallhart“
Deutschland, 2006
Regisseur: Detlev Buck
Hauptdarsteller: David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Oktay Özdemir, Arnel Taci, Kai Michael Müller
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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Filme über den braven Jungen von nebenan, der in die Kriminalität abrutscht, gibt es viele. Doch Detlev Bucks Neukölln-Drama „Knallhart“ setzte hier neue Maßstäbe. Basierend auf dem gleichnamigen Jugendroman von Gregor Tessnow schuf Buck, der bis dahin nur durch seine skurrilen Komödien bekannt war, einen drastischen Streifen, der unter die Haut geht. In blassen, klaren Bildern und harten, oft dokumentarisch wirkenden Szenen vermittelt „Knallhart“ eine ganz eigene Atmosphäre von Ausweglosigkeit und Gewalt. Auch Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky war voll des Lobes über Bucks ehrlichen Blick auf die Jugendgewalt und die unteren Gesellschaftsschichten in Berlins sozialem Brennpunkt. Gewürdigt wurde das Werk unter anderem mit drei „Lolas“ beim deutschen Filmpreis.
Der 15-jährige Michael Polischka muss von einem Tag auf den anderen dem schönen Leben in einer Villa in Zehlendorf Adieu sagen, als er mit seiner Mutter von deren reichem Freund vor die Türe gesetzt wird. Ihr neues Zuhause ist eine heruntergekommene Wohnung in Neukölln. In der Schule wird der schüchterne Jugendliche mit dem weichen Gesicht sofort zum Lieblingsopfer einer türkischen Schlägergang. Deren Anführer Erol schlägt ihn gleich am ersten Tag brutal zusammen und fordert regelmäßig 50 Euro Schutzgeld. Die einzigen, die Michael zur Seite stehen, sind seine Klassenkameraden Crille und Matze. Mit ihnen zusammen versucht er, das benötigte Geld zu organisieren. Dabei lernt Michael den Großdealer Hamal kennen, der dem Jungen mit dem unschuldigen Blick Schutz anbietet – und einen Job als Drogenkurier. Auch wenn die neue Aufgabe Michael Mut und Selbstbewusstsein gibt, ist sie der Beginn einer dramatischen Entwicklung.
„Knallhart“ überzeugt vor allem durch seine unglaubliche Authentizität. Detlev Buck und seine Crew haben gerade darauf sehr viel Wert gelegt. Die meisten Schauspieler, wie Erhan Emre und Oktay Özdemir, sind selbst in Neukölln oder Kreuzberg aufgewachsen. Nebenrollen sind mit Laiendarstellern aus dem Viertel besetzt, Komparsen wurden vor Ort von der Straße genommen. Und selbst in der Crew finden sich Neuköllner. Genau das verleiht dem Film seine hohe Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Berlin. So ist „Knallhart“ auch eine Milieustudie, die einen guten Einblick in den multikulturellen Schmelztiegel Berlins gibt und die sehr genau beobachtet ohne zu werten.
Der gesamte Film ist aus der Perspektive der Hauptfigur Michael gedreht. Der Zuschauer erlebt den Weg vom naiven Neuankömmling zu einem, der das Gesetz der Straße schnell gelernt hat, hautnah mit. David Kross gestaltet diese Entwicklung seiner Figur souverän und überzeugend. Das liegt sicher auch daran, dass David bei den Dreharbeiten zum Film diese Entwicklung vom unbedarften Jungen zum selbstbewussten Darsteller tatsächlich selbst durchgemacht hat. David war bei Drehbeginn 14 Jahre alt und durfte an seinem fünfzehnten Geburtstag die Szene drehen, in der er brutal zusammengeschlagen wird. Bei der Premiere des Films bei der Berlinale 2006 gab sich David Kross noch schüchtern und meinte, nach seiner Rolle des Michael wolle er später „gerne Schauspieler werden, aber erst mal das Abi machen.“ Na, das mit der Schauspielerei hat er ja wirklich gut hingekriegt…
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Internet Movie Database
IMDb: Knallhart
DVD
Amazon.de: Knallhart
Links
YouTube: Knallhart – Trailer (1:52 Min)
Wikipedia.de: Knallhart
Cinema.de: Kritik zu Knallhart
Filmstarts.de: Kritik zu Knallhart
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Deutschland, 2006
Regisseur: Detlev Buck
Hauptdarsteller: David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Oktay Özdemir, Arnel Taci, Kai Michael Müller
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Bewertung:
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(sehr gut)
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Filme über den braven Jungen von nebenan, der in die Kriminalität abrutscht, gibt es viele. Doch Detlev Bucks Neukölln-Drama „Knallhart“ setzte hier neue Maßstäbe. Basierend auf dem gleichnamigen Jugendroman von Gregor Tessnow schuf Buck, der bis dahin nur durch seine skurrilen Komödien bekannt war, einen drastischen Streifen, der unter die Haut geht. In blassen, klaren Bildern und harten, oft dokumentarisch wirkenden Szenen vermittelt „Knallhart“ eine ganz eigene Atmosphäre von Ausweglosigkeit und Gewalt. Auch Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky war voll des Lobes über Bucks ehrlichen Blick auf die Jugendgewalt und die unteren Gesellschaftsschichten in Berlins sozialem Brennpunkt. Gewürdigt wurde das Werk unter anderem mit drei „Lolas“ beim deutschen Filmpreis.
Der 15-jährige Michael Polischka muss von einem Tag auf den anderen dem schönen Leben in einer Villa in Zehlendorf Adieu sagen, als er mit seiner Mutter von deren reichem Freund vor die Türe gesetzt wird. Ihr neues Zuhause ist eine heruntergekommene Wohnung in Neukölln. In der Schule wird der schüchterne Jugendliche mit dem weichen Gesicht sofort zum Lieblingsopfer einer türkischen Schlägergang. Deren Anführer Erol schlägt ihn gleich am ersten Tag brutal zusammen und fordert regelmäßig 50 Euro Schutzgeld. Die einzigen, die Michael zur Seite stehen, sind seine Klassenkameraden Crille und Matze. Mit ihnen zusammen versucht er, das benötigte Geld zu organisieren. Dabei lernt Michael den Großdealer Hamal kennen, der dem Jungen mit dem unschuldigen Blick Schutz anbietet – und einen Job als Drogenkurier. Auch wenn die neue Aufgabe Michael Mut und Selbstbewusstsein gibt, ist sie der Beginn einer dramatischen Entwicklung.
„Knallhart“ überzeugt vor allem durch seine unglaubliche Authentizität. Detlev Buck und seine Crew haben gerade darauf sehr viel Wert gelegt. Die meisten Schauspieler, wie Erhan Emre und Oktay Özdemir, sind selbst in Neukölln oder Kreuzberg aufgewachsen. Nebenrollen sind mit Laiendarstellern aus dem Viertel besetzt, Komparsen wurden vor Ort von der Straße genommen. Und selbst in der Crew finden sich Neuköllner. Genau das verleiht dem Film seine hohe Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Berlin. So ist „Knallhart“ auch eine Milieustudie, die einen guten Einblick in den multikulturellen Schmelztiegel Berlins gibt und die sehr genau beobachtet ohne zu werten.
Der gesamte Film ist aus der Perspektive der Hauptfigur Michael gedreht. Der Zuschauer erlebt den Weg vom naiven Neuankömmling zu einem, der das Gesetz der Straße schnell gelernt hat, hautnah mit. David Kross gestaltet diese Entwicklung seiner Figur souverän und überzeugend. Das liegt sicher auch daran, dass David bei den Dreharbeiten zum Film diese Entwicklung vom unbedarften Jungen zum selbstbewussten Darsteller tatsächlich selbst durchgemacht hat. David war bei Drehbeginn 14 Jahre alt und durfte an seinem fünfzehnten Geburtstag die Szene drehen, in der er brutal zusammengeschlagen wird. Bei der Premiere des Films bei der Berlinale 2006 gab sich David Kross noch schüchtern und meinte, nach seiner Rolle des Michael wolle er später „gerne Schauspieler werden, aber erst mal das Abi machen.“ Na, das mit der Schauspielerei hat er ja wirklich gut hingekriegt…
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Internet Movie Database
IMDb: Knallhart
DVD
Amazon.de: Knallhart
Links
YouTube: Knallhart – Trailer (1:52 Min)
Wikipedia.de: Knallhart
Cinema.de: Kritik zu Knallhart
Filmstarts.de: Kritik zu Knallhart
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Freitag, 6. Februar 2009
So finster die Nacht

Originaltitel: „Låt den rätte komma in“
Schweden, 2008
Regisseur: Tomas Alfredson
Drehbuchautor: John Ajvide Lindqvist
Hauptdarsteller: Kåre Hedebrant, Lina Leandersson
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Bewertung:
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(gut)
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Das skandinavische Kino ist doch immer wieder für Überraschungen und wirklich außergewöhnliche Filme gut. So ist auch mit der Verfilmung des Bestsellers von John Ajvide Lindqvist „Låt den rätte komma in“ wieder ein faszinierender Streifen entstanden. Der schwedische Roman aus dem Jahre 2004 wurde in mehrere Sprachen übersetzt und ist in 12 Ländern erschienen. Und der Autor zeichnet auch höchstpersönlich für das Drehbuch verantwortlich. „So finster die Nacht“ war das Centerpiece des Fantasy Filmfests 2008 und reihte sich damit in eine Folge von bemerkenswerten Filmen ein, zu denen zum Beispiel auch „Die fabelhafte Welt der Amelie“ gehört. Der Film wurde auf zahlreichen Festivals unter anderem in Berlin, Göteborg, Rotterdam, Kopenhagen, Seattle und New York ausgezeichnet.
Tiefster Winter in Schweden. In dem Stockholmer Vorort Blackeberg lebt der 12-jährige Oskar mit seiner Mutter in einer tristen Hochhaussiedlung. Der in sich gekehrte Junge ist ein Außenseiter, der in der Schule von einigen seiner Mitschüler ständig eingeschüchtert und schikaniert wird. Meist hängt Oskar abends, wenn es schon dunkel ist, auf dem Spielplatz vor seinem Haus in der Siedlung ab und schmiedet in seiner Fantasie Rachepläne. Eines Tages taucht ein Mädchen auf – Eli, die mit ihrem Vater in die Nachbarwohnung von Oskar und seiner Mutter eingezogen ist. Sie freundet sich mit Oskar an, doch Eli ist ein ungewöhnliches Mädchen: sie ist blass, kommt nur aus der Wohnung, wenn es dunkel ist, riecht seltsam, scheint gegen die Kälte völlig unempfindlich zu sein, und in ihrer Wohnung sind ständig die Fenster verhangen. Außerdem passieren in der langweiligen Vorortsiedlung plötzlich seltsame Dinge. Ein Junge wird im Wald regelrecht abgeschlachtet, ein Mann verschwindet spurlos und eine Frau verändert sich in ihrem Wesen auf dramatische Weise, nachdem sie nachts angefallen wurde.
Oskar findet in der scheinbar gleichaltrigen, mysteriösen Eli endlich einen Menschen, der ihm zuhört und ihn versteht. Zwischen den beiden Teenagern entspannt sich eine zarte Liebesbeziehung. Doch mit der Zeit findet Oskar heraus, dass Eli ein Vampir ist, für immer gefangen im Körper einer 12-Jährigen, und dass die Vorfälle mit ihrem Durst nach Blut in Verbindung stehen. Diese Erkenntnis hindert Oskar jedoch nicht daran, zu Eli zu halten und sie vor den Verfolgungen der Nachbarn zu schützen – und sie dankt es ihm, indem sie ihm hilft, mit seinen Mitschülern abzurechnen. Und sie ist auch für ihn da, als Oskar in ernsthafte Gefahr gerät.
Regisseur Tomas Alfredsons sensibler Film verbindet die Coming-of-Age-Thematik mit Horrorfilmelementen. Dennoch ist „So finster die Nacht“ alles andere als ein klassischer Horrorfilm, sondern eine sehr einfühlsame Geschichte um die Ängste zweier Teenager, die in ihrer Einsamkeit zueinander finden. Auf Actionszenen und typische Vampir-Klischees verzichtet der Film weitgehend und inszeniert in ruhigen Bildern die Gefühlswelt der beiden Protagonisten. Die kalte Winterlandschaft und die erdrückende Tristesse der Hochhaussiedlung schaffen die perfekte Atmosphäre für die fantastische Gruselstory. Und die beiden jungen Hauptdarsteller überzeugen in ihren Rollen auf ganzer Linie.
Ich habe „So finster die Nacht“ an Neujahr 2009 gesehen. Der Heimweg am Abend durch die verschneiten und gespenstisch stillen Straßen war von der Stimmung her wie eine Fortsetzung des Films. Und am Schwabinger See, über dem eisige Nebelschwaden schwebten, kam es mir vor, als würde Eli hinter mir stehen… Zur Zeit läuft „So finster die Nacht“ in München noch im „Neuen Arena“ und im „Werkstattkino“, zwei unscheinbare Kultkinos im Gärtnerplatz-/Glockenbachviertel. Klein und schmuddelig, aber mit bemerkenswerter Filmauswahl, beleben beide schon seit Jahrzehnten die Münchner Kinolandschaft. Schön, dass es auch solche Kinos noch gibt.
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Internet Movie Database
IMDb: So finster die Nacht
DVD
Amazon.de: So finster die Nacht
Links
YouTube: So finster die Nacht – Trailer (1:13 Min)
Wikipedia.de: So finster die Nacht
Website zum Film (englisch)
Cinema.de: Filmkritik
Amazon.de: So finster die Nacht (Roman)
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Donnerstag, 15. Januar 2009
Brad Renfro

Amerikanischer Schauspieler
Geboren: 25. Juli 1982 in Knoxville, Tennessee
Gestorben: 15. Januar 2008 in Los Angeles, Kalifornien
Gebürtiger Name: Bradley Barron Renfro
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Sein Leben selbst hört sich an wie ein Coming-of-Age-Drama – ein ständiger Kampf um das Erwachsenwerden mit letztendlich tragischem Ausgang. Im Januar 2008 starb der einst gefeierte Jungstar Brad Renfro an einer Überdosis Heroin. Er war nur 25 Jahre alt. Dabei begann seine Karriere mehr als viel versprechend. Entdeckt wurde er als 10-Jähriger für die Verfilmung des John Grisham-Romans „Der Klient“ (1994). Regisseur Joel Schuhmacher war sofort begeistert von Brads außergewöhnlicher schauspielerischer Begabung, seinem offenen und selbstbewussten Auftreten und seiner natürlichen und – auch wegen seines starken Südstaatenakzents – ganz eigenen Ausstrahlung. An der Seite von Tommy Lee Jones und Susan Sarandon legte der Schauspielneuling dann auch eine grandiose Performance hin, für die er mit dem „Young Artist Award“ belohnt wurde.
Viel versprechend waren auch seine folgenden Filmprojekte: Für „The Cure“ (1995, deutscher Titel: Mississippi – Fluss der Hoffnung) gewann er noch einmal den Young Artist Award sowie den YoungStar Award, für seine Rolle des Huckleberry Finn in Walt Disney's „Tom und Huck“ (1995) und für die Verkörperung des jugendlichen Brad Pitt in „Sleepers“ (1996) wurde er zwei weitere Male für den YoungStar Award nominiert. Beachtung fand auch sein vierter Film „Telling Lies in America“ (1997), in dem Kevin Bacon und Maximilian Schell seine Filmpartner waren. Internationale Auszeichnungen erhielt er außerdem für die Stephen King-Verfilmung „Apt Pupil“ (1998, deutscher Titel: Der Musterschüler), bei der er zusammen mit Sir Ian McKellen vor der Kamera stand.
Doch nach diesen anfänglichen Erfolgen, die ihm schon das Image eines neuen Stars in Hollywood gaben, erfuhr seine Karriere schwere Einbrüche. Zunehmend kam er wegen Drogenmissbrauchs mit dem Gesetz in Konflikt – unter anderem, weil er versucht hatte, in Florida eine Yacht zu stehlen. Mit dem Teenagerdrama „Bully“ von Larry Clark (2000) schien Brad Renfro wieder langsam Fuß zu fassen, doch die Dreharbeiten wurden stark durch seine Sucht belastet. Anschließend kamen nur noch kleine Rollen, in denen er aber immer herausragende Leistungen zeigte. Nachdem Brad Renfro 2002 erfolglos eine Entziehungskur hinter sich gebracht hatte, zierte 2005 ein Bild die Titelseite der Los Angeles Times, das seine erneute Verhaftung wegen Heroinbesitzes zeigte. 2006 verbrachte er schließlich wegen Autofahrens unter Drogeneinfluss zehn Tage im Gefängnis.
Am 15. Januar 2008 wurde Brad Renfro tot in seinem Los Angeleser Appartement aufgefunden. Überschattet vom Selbstmord Heath Ledgers wenige Tage später wurde sein tragisches Ende international allerdings kaum beachtet. Aber zumindest bei der Oscarverleihung 2008 sollte sein Andenken angemessen gewürdigt werden. Doch auch hier kam es zu einem Eklat, denn die Erwähnung seines Namens wurde in letzter Minute „aus dem Drehbuch gestrichen“. Hollywood will eben nur den Glamour sehen, junge Schauspieler, die an der Starmaschinerie kaputtgehen, passen einfach nicht ins Bild. Kollegen, die Brad Renfro persönlich kannten, zeigten sich von seinem Tod betroffen. Und sein Entdecker Joel Schuhmacher meinte, Brad Renfro sei sich wohl nie wirklich darüber im Klaren gewesen, wie außergewöhnlich gut er als Schauspieler tatsächlich war.
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Internet Movie Database
IMDb: Brad Renro
Links
YouTube: Meldung zu Brad Renfros Tod von Associated Press (0:44 Min, engl.)
YouTube: Letzes Interview mit Brad Renfro 2007 (1:24 Min, engl.)
Wikipedia.de: Brad Renfro
Stern.de: Meldung zu Brad Renfros Tod
Los Angeles Times: Artikel über Brad Renfro (engl.)
Knoxnews.com: Artikel über Brad Renfro (engl.)
außerdem:
www.BradRenfro.org (sehr gute Fansite aus Australien, die leider im Moment offline ist)
YouTube: Sammlung von Brad Renfro-Videos (vom Betreiber von www.BradRenfro.org)
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www.BradRenfro.org (sehr gute Fansite aus Australien, die leider im Moment offline ist)
YouTube: Sammlung von Brad Renfro-Videos (vom Betreiber von www.BradRenfro.org)
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Bully – Diese Kids schockten Amerika

Originaltitel: „Bully“
USA, 2001
Regisseur: Larry Clark
Hauptdarsteller: Brad Renfro, Nick Stahl, Leo Fitzpatrick, Bijou Phillips, Rachel Miner, Michael Pitt, Kelli Garner
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Bewertung:
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(gut)
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Ein grausamer Mord unter Teenagern in Florida erschütterte 1993 die amerikanische Gesellschaft und füllte wochenlang die Schlagzeilen der US-Presse. Dieser Mord an Bobby Kent wurde zum Symbol einer verlorenen Jugend ohne Perspektiven. Kein Wunder also, dass sich gerade Larry Clark an die Verfilmung des tragischen Ereignisses heranwagte. Der viel diskutierte Fotograf und Filmemacher greift in seinen Werken mit Vorliebe den Alltag und die Probleme von amerikanischen Jugendlichen auf – und stellt sie mit schonungslosem Realismus dar. Seine explizite Darstellung von Gewalt und Sex hat nicht nur Larry Clarks Ruf als ehrlichen und kompromisslosen Künstler begründet, sondern war konservativen Kreisen schon mehrfach ein Dorn im Auge. Und nicht selten sind seine tabulosen Werke in Amerika den Zensurbehörden zum Opfer gefallen. Das hinderte Larry Clark bislang jedoch nicht daran, an seinen Prinzipien festzuhalten: „Wenn man einen Film macht, weiß man, dass man ein sehr großes Publikum erreicht und sofort gibt es dann Regeln. Ich denke aber nicht daran, was man nicht darf, oder was man besser nicht tun sollte. Ich tue es einfach.“
Die zentrale Figur in „Bully“ ist der 16-jährige Marty. Der schüchterne und wenig selbstbewusste Jugendliche wird von seinem besten Freund Bobby, den er seit früher Kindheit kennt, ständig schikaniert, gedemütigt und misshandelt. Der despotische und sadistische Bobby, der im Gegensatz zu den anderen Freunden aus ihrer Clique aus wohlhabendenen Verhältnissen kommt, liebt es andere zu quälen und Marty ist sein Lieblingsopfer. Er lässt Marty in Bars strippen, zwingt ihn zu schwulem Telefonsex – und streicht die Bezahlung der „Kunden“ selbst ein. Er geht sogar soweit, Martys schwangere Freundin Lisa zu vergewaltigen. Angetrieben von Lisa sind sich in der Clique alle einig: Bobby muss weg. Im Drogenrausch planen sie, ihn umzubringen. Der erste Mordversuch misslingt, beim zweiten heuern die Jugendlichen einen Auftragskiller an, der kaum älter ist als sie selbst. Am Ende lässt sich Marty so weit bringen, Bobby mit einem Messer regelrecht abzuschlachten. Das völlig aus den Fugen geratene Mordkomplott fliegt schnell auf, die Freunde kommen vor Gericht. Marty wird zum Tode verurteilt, die anderen erhalten zum Teil lebenslange Haftstrafen.
USA, 2001
Regisseur: Larry Clark
Hauptdarsteller: Brad Renfro, Nick Stahl, Leo Fitzpatrick, Bijou Phillips, Rachel Miner, Michael Pitt, Kelli Garner
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Bewertung:
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(gut)
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Ein grausamer Mord unter Teenagern in Florida erschütterte 1993 die amerikanische Gesellschaft und füllte wochenlang die Schlagzeilen der US-Presse. Dieser Mord an Bobby Kent wurde zum Symbol einer verlorenen Jugend ohne Perspektiven. Kein Wunder also, dass sich gerade Larry Clark an die Verfilmung des tragischen Ereignisses heranwagte. Der viel diskutierte Fotograf und Filmemacher greift in seinen Werken mit Vorliebe den Alltag und die Probleme von amerikanischen Jugendlichen auf – und stellt sie mit schonungslosem Realismus dar. Seine explizite Darstellung von Gewalt und Sex hat nicht nur Larry Clarks Ruf als ehrlichen und kompromisslosen Künstler begründet, sondern war konservativen Kreisen schon mehrfach ein Dorn im Auge. Und nicht selten sind seine tabulosen Werke in Amerika den Zensurbehörden zum Opfer gefallen. Das hinderte Larry Clark bislang jedoch nicht daran, an seinen Prinzipien festzuhalten: „Wenn man einen Film macht, weiß man, dass man ein sehr großes Publikum erreicht und sofort gibt es dann Regeln. Ich denke aber nicht daran, was man nicht darf, oder was man besser nicht tun sollte. Ich tue es einfach.“
Die zentrale Figur in „Bully“ ist der 16-jährige Marty. Der schüchterne und wenig selbstbewusste Jugendliche wird von seinem besten Freund Bobby, den er seit früher Kindheit kennt, ständig schikaniert, gedemütigt und misshandelt. Der despotische und sadistische Bobby, der im Gegensatz zu den anderen Freunden aus ihrer Clique aus wohlhabendenen Verhältnissen kommt, liebt es andere zu quälen und Marty ist sein Lieblingsopfer. Er lässt Marty in Bars strippen, zwingt ihn zu schwulem Telefonsex – und streicht die Bezahlung der „Kunden“ selbst ein. Er geht sogar soweit, Martys schwangere Freundin Lisa zu vergewaltigen. Angetrieben von Lisa sind sich in der Clique alle einig: Bobby muss weg. Im Drogenrausch planen sie, ihn umzubringen. Der erste Mordversuch misslingt, beim zweiten heuern die Jugendlichen einen Auftragskiller an, der kaum älter ist als sie selbst. Am Ende lässt sich Marty so weit bringen, Bobby mit einem Messer regelrecht abzuschlachten. Das völlig aus den Fugen geratene Mordkomplott fliegt schnell auf, die Freunde kommen vor Gericht. Marty wird zum Tode verurteilt, die anderen erhalten zum Teil lebenslange Haftstrafen.
Für „Bully“ arbeitete Larry Clark nicht – wie in seinen beiden vorangegangenen Filmen – ausschließlich mit Laiendarstellern, sondern engagierte junge, größtenteils aber eher weniger bekannte Schauspieler. Bijou Phillips und Leo Fitzpatrick (sein Debüt hatte er in Larry Clarks „Kids“) konnten erst wenig Erfahrung vorweisen. Michael Pitt, Rachel Miner und Kelly Garner kannte man schon aus der einen oder anderen TV-Serie (Dawson's Creek, Sex and the City, Buffy). Einzig die beiden Hauptdarsteller Brad Renfro und Nick Stahl waren schon bekannte Größen im Filmgeschäft, die es exzellent verstehen, die psychologische Wechselbeziehung der beiden Protagonisten sensibel und glaubhaft zu verkörpern. Überschattet wurden die Dreharbeiten allerdings immer wieder von den Suchteskapaden des damals 18-jährigen Brad Renfro, die Larry Clark zeitweise mehr beschäftigten, als der Film selbst – zumal Brad Renfro als Co-Produzent auch für die Finanzierung des Films verantwortlich war. „Bully“ konnte letztendlich doch noch zu Ende gebracht werden und fand hohe Beachtung, wenngleich er nicht ganz an den Erfolg seiner beiden Vorgänger „Kids“ und „Ken Park“ anknüpfen konnte. 2001 wurde er im Wettbewerb des Filmfests Venedig gezeigt.
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Internet Movie Database
IMDb: Bully
DVD
Amazon.de: Bully – Diese Kids schockten Amerika
Links
YouTube: Bully – Trailer (1:56 Min, engl.)
Wikipedia.de: Bully – Diese Kids schockten Amerika
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Sonntag, 23. November 2008
Der Neue (Kurzfilm)
Originaltitel: „Der Neue“
Deutschland, 2007
Kurzfilm (25 Min)
Regisseur: Tobias Bentlage
Hauptdarsteller: Max Wrobel, Christiane Ostermayer, Daniel Axt, Vanessa Brunzel, Roman Vogel
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Bewertung:
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(nicht schlecht)
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Der 12-jährige Markus lebt bei seiner Mutter und ist neu in die Kleinstadt Garbsen bei Hannover gezogen. Sein erster Schultag verläuft alles andere als gut, er wird von seinen Klassenkameraden von Anfang an gemobbt und wegen seiner billigen Klamotten aufgezogen. Er rastet aus und weiß sich nur noch durch einen Schlag ins Gesicht seines Widersachers zu helfen. So darf er den ersten Tag auch gleich mit einem Termin beim Schuldirektor abschließen. Auf dem Heimweg wird er außerdem von einer jugendlichen Schlägergang abgefangen, mit einem Messer bedroht und zusammengeschlagen. Sie wollen ihn abziehen, fordern wöchentlich 50,00 Euro, die erste „Rate“ soll er eine Woche später beibringen.
Markus ist verzweifelt, aber traut sich nicht mit jemandem über seine Probleme zu reden. Auch nicht mit Max aus seiner Klasse, mit dem sich schnell eine Freundschaft entwickelt hat. Als der Zahltag naht, bestiehlt Markus seine Schulkameraden und raubt einer älteren Frau im Einkaufszentrum die Handtasche – und kann den Abziehern letztendlich das Geld geben. In der Schule läuft es inzwischen besser, Markus findet langsam Akzeptanz, was er nicht zuletzt seinem Freund Max zu verdanken hat. Und es erscheint auch ein Mädchen auf der Bildfläche, Alina, die sich sehr für Markus interessiert. Als sich aber herausstellt, dass Alina mit dem Anführer der Jugendbande geht, kommt es erneut zu Konflikten.
„Der Neue“ ist eine kleine Privatproduktion, die nur mit Hilfe von Sponsorengeldern und – so scheint es – dem Engagement der halben Stadt Garbsen umgesetzt werden konnte. Trotzdem ist es ein durchaus professionell produzierter Film, der in allem – Regie, Kamera, Story, Musik, Schnitt und Schauspielern – überzeugt. Klar, es gibt noch so manche Kleinigkeit, die den Film nicht perfekt macht: von Regentropfen auf der Kameralinse, über verbesserungsfähiges Make-up bis hin zu dem einen oder anderen nicht ganz so überzeugenden Dialog. Aber darüber kann man bei dem rundum positiven Gesamteindruck des Films wirklich hinweg sehen.
Die Idee zum Film stammte von Tobias Bentlage, einem jungem Regietalent, der das Drehbuch geschrieben hat, für die Produktion verantwortlich zeichnete und Regie führte. Er konnte einige bekanntere Schauspieler für seinen Film verpflichten und realisierte das Projekt zusammen mit Daniel Axt als Produktionsleiter – und die beiden Youngsters haben einen richtig guten Job gemacht. Daniel Axt, bekannt aus einigen Folgen der KiKa-Serie „Krimi.de“, war auch im TV-Remake des Klassikers „Die Brücke“ in einer sehr beachtlichen Rolle zu sehen. Er spielt in „Der Neue“ den Anführer der Jugendgang. Und in der Hauptrolle des Films legt Max Wrobel als Markus – bislang nur im ebenfalls in Garbsen gedrehten Kurzfilm „Felix“ zu sehen – eine wirklich ordentliche Performance hin.
Alles in allem ist „Der Neue“ ein sehr gelungenes Erstlingswerk. Der Film hatte am 2. November 2008 in Garbsen Premiere. Die Botschaft, die der Film vermitteln will, ist eindeutig: nicht wegsehen bei Gewalt und Abzieherei, sondern etwas dagegen tun. Nicht umsonst unterlegte Tobias Bentlage sein Werk mit einem Zitat von Erich Kästner: „An allem Unfug, der geschieht, sind nicht nur jene Schuld, die ihn begehen, sondern auch jene, die ihn nicht verhindern.“
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Internet Movie Database
noch kein IMDb-Eintrag vorhanden
DVD
Bestellung des Films direkt bei Tobias Bentlage (10,00 Euro zzgl. 1,45 Euro Versandkosten), nähere Infos unter TobiBentlage@aol.com
Links
Agentur-Task.de: Kurzportrait zu Tobias Bentlage
Website von Daniel Axt
Echo Langenhagen: Bericht zu den Dreharbeiten
Lokaler Zeitungsartikel zu „Der Neue“
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Lokaler Zeitungsartikel zu „Der Neue“
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Sonntag, 9. November 2008
Zweier ohne

Originaltitel: „Zweier ohne“
Deutschland, 2008
Regisseur: Jobst Christian Oetzmann
Hauptdarsteller: Tino Mewes, Jacob Matschenz, Sophie Rogall
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Bewertung:
*******
(nicht schlecht)
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Die beiden 17-jährigen Gymnasiasten Johann und Ludwig verbindet eine ganz außergewöhnliche Freundschaft. Sie sind nicht nur ein perfekt eingespieltes Ruderteam in der Bootsklasse Zweier ohne Steuermann, sondern auch von dem Wunsch besessen absolut gleich zu werden: gleich auszusehen, gleich zu handeln und letztendlich auch gleich zu denken – quasi wie Zwillinge zu werden. Sie rasieren sich die Köpfe, ziehen die gleichen Klamotten an und „teilen“ sich sogar das gleiche Mädchen. Bis Johann sich in Ludwigs jüngere Schwester Vera verliebt, eine Beziehung, die er so lange als möglich vor seinem Freund geheim zu halten versucht.
Die Geschichte wird aus der Sicht des eher zurückhaltenden Johann erzählt, der sich – fasziniert vom impulsiven und draufgängerischen Ludwig – anfangs bedingungslos der intensiven Freundschaft hingibt. Doch es fällt ihm zunehmend schwerer, mit dem aggressiven und eigenwilligen Verhalten seines Freundes umzugehen. Insbesondere Ludwigs schwelende Todessehnsucht – im Film immer wieder symbolisiert durch die Autobahnbrücke, von der sich seine Mutter gestürzt hatte – lassen bei Johann Zweifel entstehen. Schließlich gipfeln Ludwigs innere Konflikte in einer verhängnisvollen Motorrad-Spritztour der beiden Freunde, die eine Fahrt auf Leben und Tod wird.
Die Vorlage für „Zweier ohne“ bildet die gleichnamige Novelle von Dirk Kurbjuweit. Während der Roman jedoch die Freundschaft der beiden Protagonisten über viele Jahre hinweg begleitet und in leisen Tönen einfühlsam vom Erwachsenwerden der beiden Freunde erzählt, versucht der Film die ganze Geschichte in wenigen Monaten abzuhandeln. Jobst Christian Oetzmann versteht es leider nicht, das zu transportieren, was die literarische Vorlage ausmacht: die sensible Auseinandersetzung mit den Gefühlen und Ängsten der beiden Jugendlichen. Vom kunstvollen Erzählstil Kurbjuweits ist nichts mehr zu spüren, die Dialoge sind platt, der Off-Kommentar wiederholt sich ständig. Der Einsatz von symbolisch-metaphorischen Elementen wirkt oft zu plakativ, Raum zu eigener Interpretation bleibt dem Zuschauer nicht. Die filmisch solide Umsetzung kann diese Defizite auch nicht mehr ausgleichen.
Dass ich dem Film dennoch ein „nicht schlecht“ gegeben habe, ist den drei Hauptdarstellern zu verdanken. Denn sie haben alles gegeben, um dem Drehbuch Leben einzuhauchen. Jacob Matschenz kann in der Rolle des Ludwig durchaus überzeugen. Tino Mewes verkörpert den zwischen Zweifel und Faszination hin- und hergerissenen Johann glaubwürdig und trägt als Erzähler der Geschichte den gesamten Film entscheidend mit. Doch zur Höchstform konnten in diesem Streifen weder Max Ophüls-Preisträger Matschenz auflaufen, noch das eingespielte Duo Tino Mewes und Sophie Rogall, das bereits 2001 in dem vielfach ausgezeichneten Teenagerdrama „Fickende Fische“ gemeinsam vor der Kamera stand. Schade eigentlich, dass hier die Chance auf einen wirklich guten Film vergeben wurde, denn die Geschichte hätte deutlich mehr Potenzial gehabt.
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Internet Movie Database
IMDb: Zweier ohne
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Kinostart: 16. Oktober 2008
Links
YouTube: Zweier ohne – Trailer (1:30 Min)
Kino-Zeit.de: Filmkritik
Filmstarts.de: Filmkritik
Blog von Tino Mewes zu den Dreharbeiten des Films
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Deutschland, 2008
Regisseur: Jobst Christian Oetzmann
Hauptdarsteller: Tino Mewes, Jacob Matschenz, Sophie Rogall
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Bewertung:
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(nicht schlecht)
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Die beiden 17-jährigen Gymnasiasten Johann und Ludwig verbindet eine ganz außergewöhnliche Freundschaft. Sie sind nicht nur ein perfekt eingespieltes Ruderteam in der Bootsklasse Zweier ohne Steuermann, sondern auch von dem Wunsch besessen absolut gleich zu werden: gleich auszusehen, gleich zu handeln und letztendlich auch gleich zu denken – quasi wie Zwillinge zu werden. Sie rasieren sich die Köpfe, ziehen die gleichen Klamotten an und „teilen“ sich sogar das gleiche Mädchen. Bis Johann sich in Ludwigs jüngere Schwester Vera verliebt, eine Beziehung, die er so lange als möglich vor seinem Freund geheim zu halten versucht.
Die Geschichte wird aus der Sicht des eher zurückhaltenden Johann erzählt, der sich – fasziniert vom impulsiven und draufgängerischen Ludwig – anfangs bedingungslos der intensiven Freundschaft hingibt. Doch es fällt ihm zunehmend schwerer, mit dem aggressiven und eigenwilligen Verhalten seines Freundes umzugehen. Insbesondere Ludwigs schwelende Todessehnsucht – im Film immer wieder symbolisiert durch die Autobahnbrücke, von der sich seine Mutter gestürzt hatte – lassen bei Johann Zweifel entstehen. Schließlich gipfeln Ludwigs innere Konflikte in einer verhängnisvollen Motorrad-Spritztour der beiden Freunde, die eine Fahrt auf Leben und Tod wird.
Die Vorlage für „Zweier ohne“ bildet die gleichnamige Novelle von Dirk Kurbjuweit. Während der Roman jedoch die Freundschaft der beiden Protagonisten über viele Jahre hinweg begleitet und in leisen Tönen einfühlsam vom Erwachsenwerden der beiden Freunde erzählt, versucht der Film die ganze Geschichte in wenigen Monaten abzuhandeln. Jobst Christian Oetzmann versteht es leider nicht, das zu transportieren, was die literarische Vorlage ausmacht: die sensible Auseinandersetzung mit den Gefühlen und Ängsten der beiden Jugendlichen. Vom kunstvollen Erzählstil Kurbjuweits ist nichts mehr zu spüren, die Dialoge sind platt, der Off-Kommentar wiederholt sich ständig. Der Einsatz von symbolisch-metaphorischen Elementen wirkt oft zu plakativ, Raum zu eigener Interpretation bleibt dem Zuschauer nicht. Die filmisch solide Umsetzung kann diese Defizite auch nicht mehr ausgleichen.
Dass ich dem Film dennoch ein „nicht schlecht“ gegeben habe, ist den drei Hauptdarstellern zu verdanken. Denn sie haben alles gegeben, um dem Drehbuch Leben einzuhauchen. Jacob Matschenz kann in der Rolle des Ludwig durchaus überzeugen. Tino Mewes verkörpert den zwischen Zweifel und Faszination hin- und hergerissenen Johann glaubwürdig und trägt als Erzähler der Geschichte den gesamten Film entscheidend mit. Doch zur Höchstform konnten in diesem Streifen weder Max Ophüls-Preisträger Matschenz auflaufen, noch das eingespielte Duo Tino Mewes und Sophie Rogall, das bereits 2001 in dem vielfach ausgezeichneten Teenagerdrama „Fickende Fische“ gemeinsam vor der Kamera stand. Schade eigentlich, dass hier die Chance auf einen wirklich guten Film vergeben wurde, denn die Geschichte hätte deutlich mehr Potenzial gehabt.
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Internet Movie Database
IMDb: Zweier ohne
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Kinostart: 16. Oktober 2008
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YouTube: Zweier ohne – Trailer (1:30 Min)
Kino-Zeit.de: Filmkritik
Filmstarts.de: Filmkritik
Blog von Tino Mewes zu den Dreharbeiten des Films
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Freitag, 31. Oktober 2008
River Phoenix

Amerikanischer Schauspieler
Geboren: 23. August 1970 in Metolius, Oregon
Gestorben: 31. Oktober 1993 in Hollywood, Kalifornien
Gebürtiger Name: River Jude Bottom
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Es war heute vor 15 Jahren in den frühen Morgenstunden im angesagten Club „The Viper Room“ in Los Angeles, Treffpunkt der jungen Stars Hollywoods. Der 23-jährige Schauspieler River Phoenix bricht plötzlich zusammen, sein jüngerer Bruder Joaquin bringt ihn nach draußen und verständigt den Notarzt. Doch die Ärzte im Krankenhaus können nicht mehr helfen, sie können River nur noch für tot erklären. Wie sich bei der Autopsie herausstellte, war die Todesursache die Überdosis eines Cocktails aus verschiedenen Drogen und Beruhigungsmitteln.
Der Tod von River Phoenix hatte die Filmwelt erschüttert. Er galt als der Nachwuchsstar in Hollywood. Mit 17 Jahren wurde er für seine Rolle in dem Thriller „Running On Empty“ („Flucht ins Ungewisse“) als bester Nebendarsteller für den Oscar und für den Golden Globe nominiert. Sein Kinodebüt hatte er 1985 zusammen mit dem gleichaltrigen Ethan Hawke in dem Kinderabenteuer „Explorers“. Der Durchbruch gelang ihm ein Jahr später mit der Stephen King-Verfilmung „Stand By Me“. Zum Teenageridol avancierte er 1988 mit dem Film „A Night in the Life of Jimmy Reardon“. Auf Wunsch von Harrison Ford spielte er den jungen Indy in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Als seine mit Abstand beste Leistung gilt die Rolle des narkoleptischen Mike in Gus Van Sants Drama „My Private Idaho“ aus dem Jahre 1991, für die er unter anderem bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde.
Seine Kindheit verbrachte River Phoenix meist unterwegs. Seine Eltern, das Hippiepaar John und Heart Bottom (die sich später Phoenix nannten), gehörten der radikal-religiösen Sekte „Kinder Gottes“ an und zogen von New York nach Puerto Rico und Venezuela. Sie wohnten meist in Kommunen unter Gleichgesinnten. Ihre Kinder nannten sie in tiefer Naturverbundenheit River, Rain, Leaf (heute Joaquin), Liberty und Summer. Zuletzt lebte die Familie in Florida, bevor sie die Sekte verließ und 1979 nach Kalifornien weiter zog, weil dem Kinderduo River und Rain einige Auftritte in Musikshows in Aussicht standen. Doch River wusste schon als 11-Jähriger, dass er Schauspieler werden will, und konnte ab 1982 in einer Reihe von TV-Produktionen mitwirken, bevor seine Kinokarriere begann.
Gestorben: 31. Oktober 1993 in Hollywood, Kalifornien
Gebürtiger Name: River Jude Bottom
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Es war heute vor 15 Jahren in den frühen Morgenstunden im angesagten Club „The Viper Room“ in Los Angeles, Treffpunkt der jungen Stars Hollywoods. Der 23-jährige Schauspieler River Phoenix bricht plötzlich zusammen, sein jüngerer Bruder Joaquin bringt ihn nach draußen und verständigt den Notarzt. Doch die Ärzte im Krankenhaus können nicht mehr helfen, sie können River nur noch für tot erklären. Wie sich bei der Autopsie herausstellte, war die Todesursache die Überdosis eines Cocktails aus verschiedenen Drogen und Beruhigungsmitteln.
Der Tod von River Phoenix hatte die Filmwelt erschüttert. Er galt als der Nachwuchsstar in Hollywood. Mit 17 Jahren wurde er für seine Rolle in dem Thriller „Running On Empty“ („Flucht ins Ungewisse“) als bester Nebendarsteller für den Oscar und für den Golden Globe nominiert. Sein Kinodebüt hatte er 1985 zusammen mit dem gleichaltrigen Ethan Hawke in dem Kinderabenteuer „Explorers“. Der Durchbruch gelang ihm ein Jahr später mit der Stephen King-Verfilmung „Stand By Me“. Zum Teenageridol avancierte er 1988 mit dem Film „A Night in the Life of Jimmy Reardon“. Auf Wunsch von Harrison Ford spielte er den jungen Indy in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Als seine mit Abstand beste Leistung gilt die Rolle des narkoleptischen Mike in Gus Van Sants Drama „My Private Idaho“ aus dem Jahre 1991, für die er unter anderem bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde.
Seine Kindheit verbrachte River Phoenix meist unterwegs. Seine Eltern, das Hippiepaar John und Heart Bottom (die sich später Phoenix nannten), gehörten der radikal-religiösen Sekte „Kinder Gottes“ an und zogen von New York nach Puerto Rico und Venezuela. Sie wohnten meist in Kommunen unter Gleichgesinnten. Ihre Kinder nannten sie in tiefer Naturverbundenheit River, Rain, Leaf (heute Joaquin), Liberty und Summer. Zuletzt lebte die Familie in Florida, bevor sie die Sekte verließ und 1979 nach Kalifornien weiter zog, weil dem Kinderduo River und Rain einige Auftritte in Musikshows in Aussicht standen. Doch River wusste schon als 11-Jähriger, dass er Schauspieler werden will, und konnte ab 1982 in einer Reihe von TV-Produktionen mitwirken, bevor seine Kinokarriere begann.
River Phoenix engagierte sich persönlich sehr für den Umwelt- und Tierschutz und verkörperte wie kein anderer das Lebensgefühl der jungen „Generation X“ – jener in den späten 60er und frühen 70er Jahren Geborenen, die erstmals mit den negativen Folgen von Konsum und Wohlstandsgesellschaft aufwachsen mussten, mit Umweltverschmutzung und Atomkatastrophen. River war in vielen seiner Rollen der suchende Rebell: idealistisch, romantisch, traurig, ziellos. Er stand mit Harrison Ford, Robert Redford, Keanu Reeves, Sidney Poitier, Richard Harris, Dan Aykroyd, Kevin Kline und Sandra Bullock vor der Kamera und schaffte es, sich in den wenigen Jahren seiner Karriere ein Denkmal zu setzen. Sein früher Tod machte ihn zur Legende, ihm sind Songs von Künstlern wie den „Red Hot Chili Peppers“ oder „R.E.M.“ gewidmet. Er wird unvergessen bleiben!
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Internet Movie Database
IMDb: River Phoenix
Links
YouTube: Report zu River Phoenix’ Tod auf Entertainment Tonight (2:13 Min, engl.)
YouTube: Meldungen zu River Phoenix’ Tod in den News (2:03 Min, engl.)
YouTube: Interview mit River Phoenix 1990 (1:42 Min, engl.)
IMDb: River Phoenix
Links
YouTube: Report zu River Phoenix’ Tod auf Entertainment Tonight (2:13 Min, engl.)
YouTube: Meldungen zu River Phoenix’ Tod in den News (2:03 Min, engl.)
YouTube: Interview mit River Phoenix 1990 (1:42 Min, engl.)
YouTube: Ausschnitt aus der TV-Serie „Seven Bridges for Seven Brothers“ 1982 mit River Phoenix und Richard Dean Anderson (1:17 Min, engl.)
Wikipedia.de: River Phoenix
www.River-Phoenix.org
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Wikipedia.de: River Phoenix
www.River-Phoenix.org
Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers

Originaltitel: „Stand By Me“
USA, 1986
Regisseur: Rob Reiner
Hauptdarsteller: Will Wheaton, River Phoenix, Corey Feldman, Jerry O'Connell, Kiefer Sutherland
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Bewertung:
*******
(gut)
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„Einfühlsamer, perfekt inszenierter Blick in das wahre Herz der Jugend“, so urteilte die Los Angeles Times über „Stand By Me“. Der Filmklassiker aus dem Jahre 1986 basiert auf der Kurzgeschichte „The Body“ von Stephen King. Es ist das Jahr 1959: vier 12- bis 13-jährige Freunde – Gordie, Chris, Teddy und Vern – aus einem kleinen Provinznest im US-Bundesstaat Oregon ziehen los, um die Leiche eines vermissten gleichaltrigen Jungen zu finden. Sie träumen davon als Helden gefeiert zu werden. Entlang der Eisenbahnschienen führt sie ihr kleines Abenteuer in die unbewohnte Wildnis. Bis sie schließlich am Ziel ihrer zweitägigen Wanderung tatsächlich vor der Leiche des Jungen stehen. Doch auch Verns älterer Bruder und dessen Schlägergang treffen am Fundort ein, um die Entdeckung für sich zu beanspruchen.
Während ihrer abenteuerlichen Tour treten immer wieder Konflikte zwischen den vier Freunden zutage, von denen jeder seine eigene Geschichte hat. Gordie steht unbeachtet von seinen Eltern immer im Schatten seines verunglückten älteren Bruders. Chris’ Familie ist als asozial und kriminell verschrien, ein Image gegen das der Junge nicht ankommt. Teddys Vater hat im Zweiten Weltkrieg in der Normandie gekämpft und ist in psychiatrischer Behandlung, was auch an Teddy nicht spurlos vorüber gegangen ist. Und Vern ist immer der kleine, unbeholfene Dicke, den niemand richtig ernst nimmt. „Stand By Me“ behandelt sehr sensibel die Gefühle der Jungen an der Schwelle zur Pubertät. Und macht deutlich, dass sie – obwohl sie noch Kinder sind – ernst zu nehmende Probleme zu bewältigen haben.
Die Drehbuchautoren Raynold Gideon und Bruce A. Evans adaptierten Stephen Kings Novelle fürs Kino und mussten fast zwei Jahre warten, bis der Film mit Regisseur Rob Reiner unter wenig günstigen finanziellen Bedingungen umgesetzt werden konnte. Schließlich übernahm Columbia Pictures die Vertriebsrechte, brachte den Film aber erst einmal testweise in vier amerikanischen Städten ins Kino. Am Ende spielte „Stand By Me“ 50 Millionen Dollar ein und wurde für den Oscar in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ nominiert. Mit Ben E. Kings gleichnamigen Song aus dem Jahre 1961 fand der Film – neben vielen anderen bekannten 50er und 60er Jahre-Hits – die perfekte Titelmusik.
„Stand By Me“ ist ein Jugendabenteuer, das aber die Gratwanderung zum ernsthaften Drama hervorragend meistert – und das machte den Film zu einem der Klassiker des Coming-of-Age-Genres schlechthin. Die Charaktere sind sehr differenziert ausgearbeitet und werden von den vier jungen Darstellern in den Hauptrollen eindrucksvoll verkörpert. Will Wheaton und Jerry O'Connell standen zum ersten Mal vor der Kamera. River Phoenix und Corey Feldman hatten beide schon einige Erfahrungen in Film und Fernsehen sammeln können. Für alle vier war „Stand By Me“ das Sprungbrett zu einer beachtlichen Karriere. Jerry O'Connell, Will Wheaton und Corey Feldman sind bis heute in unzähligen TV- und Kinoproduktionen zu sehen. Doch allein River Phoenix hatte das Zeug zum absoluten Megastar – und das merkt man auch schon in „Stand By Me“…
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Internet Movie Database
IMDb: Stand By Me
DVD
Amazon.de: Stand By Me – Special Edition
Links
YouTube: Stand By Me – Trailer (2:17 Min, engl.)
USA, 1986
Regisseur: Rob Reiner
Hauptdarsteller: Will Wheaton, River Phoenix, Corey Feldman, Jerry O'Connell, Kiefer Sutherland
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Bewertung:
*******
(gut)
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„Einfühlsamer, perfekt inszenierter Blick in das wahre Herz der Jugend“, so urteilte die Los Angeles Times über „Stand By Me“. Der Filmklassiker aus dem Jahre 1986 basiert auf der Kurzgeschichte „The Body“ von Stephen King. Es ist das Jahr 1959: vier 12- bis 13-jährige Freunde – Gordie, Chris, Teddy und Vern – aus einem kleinen Provinznest im US-Bundesstaat Oregon ziehen los, um die Leiche eines vermissten gleichaltrigen Jungen zu finden. Sie träumen davon als Helden gefeiert zu werden. Entlang der Eisenbahnschienen führt sie ihr kleines Abenteuer in die unbewohnte Wildnis. Bis sie schließlich am Ziel ihrer zweitägigen Wanderung tatsächlich vor der Leiche des Jungen stehen. Doch auch Verns älterer Bruder und dessen Schlägergang treffen am Fundort ein, um die Entdeckung für sich zu beanspruchen.
Während ihrer abenteuerlichen Tour treten immer wieder Konflikte zwischen den vier Freunden zutage, von denen jeder seine eigene Geschichte hat. Gordie steht unbeachtet von seinen Eltern immer im Schatten seines verunglückten älteren Bruders. Chris’ Familie ist als asozial und kriminell verschrien, ein Image gegen das der Junge nicht ankommt. Teddys Vater hat im Zweiten Weltkrieg in der Normandie gekämpft und ist in psychiatrischer Behandlung, was auch an Teddy nicht spurlos vorüber gegangen ist. Und Vern ist immer der kleine, unbeholfene Dicke, den niemand richtig ernst nimmt. „Stand By Me“ behandelt sehr sensibel die Gefühle der Jungen an der Schwelle zur Pubertät. Und macht deutlich, dass sie – obwohl sie noch Kinder sind – ernst zu nehmende Probleme zu bewältigen haben.
Die Drehbuchautoren Raynold Gideon und Bruce A. Evans adaptierten Stephen Kings Novelle fürs Kino und mussten fast zwei Jahre warten, bis der Film mit Regisseur Rob Reiner unter wenig günstigen finanziellen Bedingungen umgesetzt werden konnte. Schließlich übernahm Columbia Pictures die Vertriebsrechte, brachte den Film aber erst einmal testweise in vier amerikanischen Städten ins Kino. Am Ende spielte „Stand By Me“ 50 Millionen Dollar ein und wurde für den Oscar in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ nominiert. Mit Ben E. Kings gleichnamigen Song aus dem Jahre 1961 fand der Film – neben vielen anderen bekannten 50er und 60er Jahre-Hits – die perfekte Titelmusik.
„Stand By Me“ ist ein Jugendabenteuer, das aber die Gratwanderung zum ernsthaften Drama hervorragend meistert – und das machte den Film zu einem der Klassiker des Coming-of-Age-Genres schlechthin. Die Charaktere sind sehr differenziert ausgearbeitet und werden von den vier jungen Darstellern in den Hauptrollen eindrucksvoll verkörpert. Will Wheaton und Jerry O'Connell standen zum ersten Mal vor der Kamera. River Phoenix und Corey Feldman hatten beide schon einige Erfahrungen in Film und Fernsehen sammeln können. Für alle vier war „Stand By Me“ das Sprungbrett zu einer beachtlichen Karriere. Jerry O'Connell, Will Wheaton und Corey Feldman sind bis heute in unzähligen TV- und Kinoproduktionen zu sehen. Doch allein River Phoenix hatte das Zeug zum absoluten Megastar – und das merkt man auch schon in „Stand By Me“…
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Internet Movie Database
IMDb: Stand By Me
DVD
Amazon.de: Stand By Me – Special Edition
Links
YouTube: Stand By Me – Trailer (2:17 Min, engl.)
YouTube: Filmausschnitt mit River Phoenix (5:20 Min, engl.)
YouTube: Musikvideo „Ben E. King – Stand By Me“ mit River Phoenix und Will Wheaton (2:59 Min)
Wikipedia.de: Stand By Me
YouTube: Musikvideo „Ben E. King – Stand By Me“ mit River Phoenix und Will Wheaton (2:59 Min)
Wikipedia.de: Stand By Me
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My Private Idaho – Das Ende der Unschuld

Originaltitel: „My Own Private Idaho“
USA, 1991
Regisseur: Gus Van Sant
Hauptdarsteller: River Phoenix, Keanu Reeves, James Russo, William Richert, Chiara Caselli, Udo Kier
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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William Shakespeares Historiendrama „Heinrich IV.“ in die schwule Stricher- und Drogenszene von Portland transferiert – für eine amerikanische Filmproduktion Anfang der 90er Jahre ist das schon außergewöhnlich. So schieden sich an Gus Van Sants impressionistischem Werk „My Own Private Idaho“ auch die Geister. Das hinderte den Film nicht daran, in der Independentszene Kultstatus zu erlangen und zahlreiche Preise für sich zu verzeichnen. Gus Van Sant brachte neben einer Adaption der Falstaff-Figur noch zwei weitere seiner Filmideen ein: die Freundschaft zwischen zwei Straßenjungen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und ein einfühlsames Portrait über schwule Hustler. Die drei Handlungsstränge verschmelzen zu einer höchst eigenwilligen Mischung aus dichterischem Drama, Roadmovie und Sozialstudie. Zu einem radikal-tiefgründigen Kunstwerk.
Zentrale Figur in „My Private Idaho“ ist der Straßenjunge Mike Waters, der an Narkolepsie leidet, einer Krankheit, die unkontrollierte Ohnmachtsanfälle auslöst. Seine Träume drehen sich um Kindheitserinnerungen an mütterliche Geborgenheit. Sein bester Freund Scott Favor stammt als Bürgermeistersohn aus wohlhabenden Verhältnissen und entflieht durch sein Leben auf der Straße den sozialen Zwängen der bürgerlichen Gesellschaft. Die beiden gesellschaftlichen Außenseiter verdienen sie sich ihr Geld als schwule Stricher. Gemeinsam machen sich die ungleichen Freunde auf den Weg nach Idaho, um Mikes Mutter zu suchen. Als sie hören, dass die Mutter in Italien leben soll, lassen sie sich von einem exzentrischen Freier die Reise nach Europa finanzieren. Dort beginnt die Freundschaft der jungen Männer zu zerbrechen. Scott verliebt sich in die Italienerin Carmella und die Wege der beiden Freunde trennen sich.
Gus Van Sant inszenierte seinen Film in Teilen wie ein Theaterstück und übernahm auch ganze Dialogpassagen aus Shakespeares Drama. Die Figur des Scott, des Sohnes aus reichem Hause, der sich von „Falstaff“ in Form des Strichervaters Bob verführen lässt, wird von Keanu Reeves exzellent dargestellt. Am Ende tritt der Sohn – wie in „Heinrich IV.“ – das Erbe seines Vaters an und kehrt in die bürgerliche Welt zurück. Der narkoleptische Mike aber ist die eigentliche tragische Figur des Films, die Suche nach seiner Mutter bleibt erfolglos, seine Sehnsucht nach Geborgenheit und seine Liebe zu Scott unerfüllt. River Phoenix spielt die Rolle des Mike mit erschütternder Intensität – unterstützt von Gus Van Sants poetischen Momentaufnahmen und Stimmungsbildern. Die weite Landschaft Idahos, die dramatische Wolkenstimmung und die endlose, bis zum Horizont reichende Straße werden zum zentralen Symbol des Films.
Zuerst verpflichtete Gus Van Sant Keanu Reeves für „My Own Private Idaho“, der 1990 schon ein anerkannter Jungstar war. River Phoenix’ Agenten lehnten das Rollenangebot ab und erst über den persönlichen Kontakt zu Keanu Reeves übernahm er die Rolle – gegen den Willen seiner Manager. Eine Entscheidung, die sicherlich alles andere als verkehrt war. Durch Gus Van Sants offenen Regiestil, der den Schauspielern viel Raum zur Improvisation lässt, konnte er in seiner Rolle voll und ganz aufgehen und den Film entscheidend mit prägen. Eine schauspielerische Leistung, die bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem begehrten „Coppa Volpi“, dem Preis für den besten Darsteller, gewürdigt wurde. Die Figur des von Sehnsüchten zerfressenen Mike, der immer wieder die Realität verlässt, um in seine Traumwelt abzugleiten, ist mit Sicherheit River Phoenix’ großartigste Performance gewesen.
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Internet Movie Database
IMDb: My Own Private Idaho
USA, 1991
Regisseur: Gus Van Sant
Hauptdarsteller: River Phoenix, Keanu Reeves, James Russo, William Richert, Chiara Caselli, Udo Kier
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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William Shakespeares Historiendrama „Heinrich IV.“ in die schwule Stricher- und Drogenszene von Portland transferiert – für eine amerikanische Filmproduktion Anfang der 90er Jahre ist das schon außergewöhnlich. So schieden sich an Gus Van Sants impressionistischem Werk „My Own Private Idaho“ auch die Geister. Das hinderte den Film nicht daran, in der Independentszene Kultstatus zu erlangen und zahlreiche Preise für sich zu verzeichnen. Gus Van Sant brachte neben einer Adaption der Falstaff-Figur noch zwei weitere seiner Filmideen ein: die Freundschaft zwischen zwei Straßenjungen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und ein einfühlsames Portrait über schwule Hustler. Die drei Handlungsstränge verschmelzen zu einer höchst eigenwilligen Mischung aus dichterischem Drama, Roadmovie und Sozialstudie. Zu einem radikal-tiefgründigen Kunstwerk.
Zentrale Figur in „My Private Idaho“ ist der Straßenjunge Mike Waters, der an Narkolepsie leidet, einer Krankheit, die unkontrollierte Ohnmachtsanfälle auslöst. Seine Träume drehen sich um Kindheitserinnerungen an mütterliche Geborgenheit. Sein bester Freund Scott Favor stammt als Bürgermeistersohn aus wohlhabenden Verhältnissen und entflieht durch sein Leben auf der Straße den sozialen Zwängen der bürgerlichen Gesellschaft. Die beiden gesellschaftlichen Außenseiter verdienen sie sich ihr Geld als schwule Stricher. Gemeinsam machen sich die ungleichen Freunde auf den Weg nach Idaho, um Mikes Mutter zu suchen. Als sie hören, dass die Mutter in Italien leben soll, lassen sie sich von einem exzentrischen Freier die Reise nach Europa finanzieren. Dort beginnt die Freundschaft der jungen Männer zu zerbrechen. Scott verliebt sich in die Italienerin Carmella und die Wege der beiden Freunde trennen sich.
Gus Van Sant inszenierte seinen Film in Teilen wie ein Theaterstück und übernahm auch ganze Dialogpassagen aus Shakespeares Drama. Die Figur des Scott, des Sohnes aus reichem Hause, der sich von „Falstaff“ in Form des Strichervaters Bob verführen lässt, wird von Keanu Reeves exzellent dargestellt. Am Ende tritt der Sohn – wie in „Heinrich IV.“ – das Erbe seines Vaters an und kehrt in die bürgerliche Welt zurück. Der narkoleptische Mike aber ist die eigentliche tragische Figur des Films, die Suche nach seiner Mutter bleibt erfolglos, seine Sehnsucht nach Geborgenheit und seine Liebe zu Scott unerfüllt. River Phoenix spielt die Rolle des Mike mit erschütternder Intensität – unterstützt von Gus Van Sants poetischen Momentaufnahmen und Stimmungsbildern. Die weite Landschaft Idahos, die dramatische Wolkenstimmung und die endlose, bis zum Horizont reichende Straße werden zum zentralen Symbol des Films.
Zuerst verpflichtete Gus Van Sant Keanu Reeves für „My Own Private Idaho“, der 1990 schon ein anerkannter Jungstar war. River Phoenix’ Agenten lehnten das Rollenangebot ab und erst über den persönlichen Kontakt zu Keanu Reeves übernahm er die Rolle – gegen den Willen seiner Manager. Eine Entscheidung, die sicherlich alles andere als verkehrt war. Durch Gus Van Sants offenen Regiestil, der den Schauspielern viel Raum zur Improvisation lässt, konnte er in seiner Rolle voll und ganz aufgehen und den Film entscheidend mit prägen. Eine schauspielerische Leistung, die bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem begehrten „Coppa Volpi“, dem Preis für den besten Darsteller, gewürdigt wurde. Die Figur des von Sehnsüchten zerfressenen Mike, der immer wieder die Realität verlässt, um in seine Traumwelt abzugleiten, ist mit Sicherheit River Phoenix’ großartigste Performance gewesen.
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Internet Movie Database
IMDb: My Own Private Idaho
Links
YouTube: My Own Private Idaho – Trailer (2:14 Min, engl.)
YouTube: Filmausschnitt mit Falstaffszene (2:16 Min, engl.)
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Donnerstag, 9. Oktober 2008
Krabat

Originaltitel: „Krabat“
Deutschland, 2008
Regisseur: Marco Kreuzpaintner
Hauptdarsteller: David Kross, Daniel Brühl, Hanno Koffler, Robert Stadlober, Christian Redl, Paula Kalenberg, Moritz Grove, Charly Hübner, David Fischbach, Tom Wlaschiha, Tom Lass, Sven Hönig, Stefan Haschke, Daniel Fripan, Daniel Steiner, Anna Thalbach
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Bewertung:
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(sehr gut)
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„Krabat ist die Geschichte eines jungen Menschen, der sich mit finsteren Mächten einlässt, von denen er fasziniert ist, bis er erkennt, worauf er sich da eingelassen hat. Es ist zugleich die Geschichte aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken.“
Deutschland, 2008
Regisseur: Marco Kreuzpaintner
Hauptdarsteller: David Kross, Daniel Brühl, Hanno Koffler, Robert Stadlober, Christian Redl, Paula Kalenberg, Moritz Grove, Charly Hübner, David Fischbach, Tom Wlaschiha, Tom Lass, Sven Hönig, Stefan Haschke, Daniel Fripan, Daniel Steiner, Anna Thalbach
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Bewertung:
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(sehr gut)
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„Krabat ist die Geschichte eines jungen Menschen, der sich mit finsteren Mächten einlässt, von denen er fasziniert ist, bis er erkennt, worauf er sich da eingelassen hat. Es ist zugleich die Geschichte aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken.“
(Otfried Preußler)
Otfried Preußlers berühmter Roman „Krabat“ ist sicher eher eine Fantasy-Geschichte als eine Coming-of-Age-Story. Aber sie erzählt doch von einem naiven Jungen, der – als Müllerbursche in die Fänge eines Zauberers geraten – die dunklen Künste der schwarzen Magie erlernt. Und das für einen hohen Preis: Niemals frei zu sein. Niemals lieben zu dürfen. Dreimal so schnell zu altern und jedes Jahr den Tod durch den Meister fürchten zu müssen. Er erlebt, wie hart es sein kann, im Konkurrenzkampf seinen Weg im Leben gehen zu müssen. Er erfährt, was Schutz und Fürsorge durch einen anderen Menschen bedeuten. Er kommt in den Genuss der ersten Liebe. Und er lernt, was es heißt Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen... Naja, wohl doch eine Parabel über das Erwachsenwerden.
Otfried Preußlers berühmter Roman „Krabat“ ist sicher eher eine Fantasy-Geschichte als eine Coming-of-Age-Story. Aber sie erzählt doch von einem naiven Jungen, der – als Müllerbursche in die Fänge eines Zauberers geraten – die dunklen Künste der schwarzen Magie erlernt. Und das für einen hohen Preis: Niemals frei zu sein. Niemals lieben zu dürfen. Dreimal so schnell zu altern und jedes Jahr den Tod durch den Meister fürchten zu müssen. Er erlebt, wie hart es sein kann, im Konkurrenzkampf seinen Weg im Leben gehen zu müssen. Er erfährt, was Schutz und Fürsorge durch einen anderen Menschen bedeuten. Er kommt in den Genuss der ersten Liebe. Und er lernt, was es heißt Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen... Naja, wohl doch eine Parabel über das Erwachsenwerden.
Ebenso wie das Buch zieht einen auch der Film „Krabat“ von Anfang an in seinen Bann, man ist mittendrin in der Dunkelheit der Mühle, dem kargen Leben und der Kraft der dunklen Magie. Die filmischen Mittel sind meist souverän eingesetzt, die Musik fesselnd, die Szenerie gigantisch, die Schauspieler absolut überzeugend. Auch der vielfach kritisierte Erzählstil – mit der düster-tiefen Stimme von Otto Sander als Off-Sprecher – ist für mich nicht störend, sondern genau die Brücke, die der Film zur Romanvorlage schlägt, und die einem das Gefühl gibt, mitten in „Krabat“ gelandet zu sein. Der Film schafft es auch, dramaturgische Defizite des Romans – wie zum Beispiel das viel zu kurze Ende – geschickt auszugleichen. Auf ein paar neue Actionelemente, die in die filmische Adaption Einzug gefunden haben, hätte man allerdings durchaus auch verzichten können – zumal die Umsetzung mitunter etwas holprig wirkt.
Neben Christian Redl als dämonischen Meister schart Regisseur Marco Kreuzpaintner eine ganze Riege talentierter Schauspieler um sich, die allesamt ihr Bestes geben. Neben etablierten Jungstars wie Daniel Brühl und Robert Stadlober, bekannten Gesichtern wie Hanno Kofler und Tom Wlaschiha können auch bislang weniger bekannte Darsteller ihr Können beweisen. Allen voran David Kross als Titeldarsteller, der wirklich auf allen Ebenen – nicht nur in Aussehen und Darstellung, sondern selbst von der Stimme her – genau den Krabat verkörpert, den Otfried Preußler in seinem Roman beschreibt. David Kross ist bislang nur in Detlev Bucks Drama „Knallhart“ in Erscheinung getreten. Aber als quasi No-Name in zwei Filmen, jeweils in der Hauptrolle, eine so unglaubliche Performance zu zeigen, verdient schon eine besondere Erwähnung. Und wenn man sich seine laufenden Filmprojekte so anschaut, dürfen wir in Zukunft auf David Kross wohl wirklich sehr gespannt sein.
Eine Romanvorlage wie „Krabat“ ist schon eine Herausforderung für eine Verfilmung. Aber sie bietet nicht wirklich das Potenzial dafür, etwas ganz Neues zu schaffen. Denn in Bezug auf Fantasy-Filme scheint die Bandbreite der kineastischen Darstellung irgendwie schon ziemlich ausgeschöpft zu sein. Da mag „Krabat“ noch so sehr auf einer Jahrhunderte alten Sage basieren, die Geschichte hat doch etwas von „Herr der Ringe“ in Kombination mit „Harry Potter“. Und so finden sich auch in der Verfilmung – ob im Drehbuch, in der Szenerie, den Special Effects oder der Musik – viele Elemente wieder, von denen man weiß oder glaubt, dass man sie schon einmal gesehen oder gehört hat. Auch wenn dieser Déjà-vu-Effekt mich in der einen oder anderen Szene der Faszination des Films entrissen hat („…sah aus wie Lord Sidious in Episode III…“), soll das den Film nicht abwerten.
Als Fazit kann man „Krabat“ nur empfehlen. Aber man sollte sich frei machen, wenn man den Film sieht. Sich von Anfang an von der exzellent eingesetzten Filmmusik fesseln lassen und Gedanken an andere Filme am besten für 2 Stunden aus dem Gedächtnis verbannen. Sich nur der Faszination dieses Films öffnen und sich dem Rausch der düsteren Erzählung voll und ganz hingeben. Dann kann man wirklich eintauchen in die Zeit des 30-jährigen Krieges und die dunkle Welt der Magie.
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Internet Movie Database
IMDb: Krabat
DVD
Amazon.de: Krabat
Links
YouTube: Krabat – Trailer (2:25 Min)
Offizielle Website zum Film
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Sonntag, 14. September 2008
Elephant

Originaltitel: „Elephant“
USA, 2003
Regisseur: Gus Van Sant
Hauptdarsteller: John Robinson, Alex Frost, Eric Deulen, Elias McConnell, Jordan Taylor
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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Was bringt einen Teenager dazu, sich eine Schusswaffe zu besorgen, Amok zu laufen und andere Menschen wahllos und ziellos umzubringen? Schulmassaker wie in den USA in Columbine (1999) oder Blacksburg (2007) und auch die Amokläufe von Erfurt (2002) und Emsdetten (2006) stellen die Psychologen vor Rätsel. Ein Thema, das die Öffentlichkeit so sehr beschäftigt, spiegelt sich natürlich auch in Filmen wider. Michael Moores mit dem Oscar ausgezeichnete Dokumentation „Bowling for Columbine“ sucht die Ursache für das Massaker in der amerikanischen Gesellschaft. Einen ganz anderen Weg, die Ereignisse im Film zu thematisieren, ging Gus Van Sant mit „Elephant“ – und schuf ein Werk, das Kritiker wie Publikum gleichermaßen polarisierte und kontrovers diskutiert wurde.
„Elephant“ spielt an einer fiktiven High School in Portland im US-Bundesstaat Oregon. Der Film begleitet einen Teil der Schüler bei ihrem unspektakulären Schulalltag. Fast voyeuristisch folgt die Kamera den Protagonisten, verfolgt sie auf ihrem Weg durch lange Schulgänge und fängt belanglose Begegnungen und Dialoge ein. Immer wieder erkennt der Zuschauer die gleichen Szenen, die jeweils aus dem Blickwinkel eines anderen Schülers gezeigt werden. Schritt für Schritt zielt die Handlung auf das schreckliche Ereignis ab und spitzt sich immer weiter zu. Beethovens Klaviersonate „Für Elise“ zieht sich dabei wie ein roter Faden durch den gesamten Film – und schafft eine geradezu schaurige Atmosphäre. Man weiß, dass das Massaker kommt, dennoch trifft einen die Brutalität wie ein Hammerschlag. „Stunning!“ beurteilte der Chicago Tribune den Film – sicher nicht zu unrecht.
Gus Van Sants Film stieß aber nicht auf ungeteilte Begeisterung. Hauptkritik war, dass er nicht versucht, eine Erklärung für das Massaker zu geben. Ganz im Gegenteil spielt der Film mit scheinbar belanglos eingestreuten Motiven wie Computerspielen oder Neonazismus, die im selben Moment wieder ad absurdum geführt werden. Einige dieser Szenen wirken zwar etwas unausgegoren, fügen sich aber durchaus stimmig ins Gesamtbild des Films ein. Denn Gus Van Sant hat in „Elephant“ ausschließlich mit Laiendarstellern gearbeitet, der Großteil der Dialoge ist improvisiert – was alle Szenen wie selbstverständlich und sehr authentisch wirken lässt. Die Darsteller spielen quasi sich selbst und tragen auch ihre realen Vornamen. Einige konnten „Elephant“ als Sprungbrett für eine Schauspielerkarriere nutzen. So spielte John Robinson in „Lords of Dogtown“ zusammen mit Heath Legder und wirkte in Michael Bays „Transformers“ mit. Alex Frost war unter anderem in „Stop-Loss“ an der Seite von Ryan Phillippe, Channing Tatum und Joseph-Gordon Levitt zu sehen.
Der ungewöhnliche Titel des Films lehnt sich an einen BBC-Kurzfilm aus dem Jahr 1989 an („Elephant“ von Alan Clarke), der in Nordirland einen Killer auf seinem Weg begleitet, einen Menschen nach dem anderen umzubringen – ein Gemetzel, das man meines Erachtens nicht unbedingt gesehen haben muss. Ganz im Gegensatz zu Gus Van Sants Meisterwerk. Auf den Filmfestspielen in Cannes gewann es überraschenderweise die Goldene Palme. Ich konnte den Film – vor dem deutschen Kinostart – beim „Verzaubert-Filmfest 2003“ sehen. Fast noch beeindruckender als der Film selbst, war die Stimmung im Kinosaal. Am Ende des Films war es totenstill, der gesamte Abspann ist durchgelaufen, der Vorhang ist zugegangen, das Licht ist angegangen ... und erst dann haben die Zuschauer sich „getraut“, sich wieder zu bewegen, und sind ganz langsam aufgestanden und weitgehend schweigend aus dem Kino raus gegangen. Wow!
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Internet Movie Database
IMDb: Elephant
DVD
Amazon.de: Elephant
Links
YouTube: Elephant – Trailer (2:04 Min. engl.)
Offizielle Website zum Film (engl.)
Filmzentrale.com: Kritik von Diedrich Diederichsen, taz
AboutFilm.com: Interview mit Gus Van Sant und Produzent Diane Keaton (engl.)
Wikipedia.de: Schulmassaker von Littleton, Columbine
USA, 2003
Regisseur: Gus Van Sant
Hauptdarsteller: John Robinson, Alex Frost, Eric Deulen, Elias McConnell, Jordan Taylor
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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Was bringt einen Teenager dazu, sich eine Schusswaffe zu besorgen, Amok zu laufen und andere Menschen wahllos und ziellos umzubringen? Schulmassaker wie in den USA in Columbine (1999) oder Blacksburg (2007) und auch die Amokläufe von Erfurt (2002) und Emsdetten (2006) stellen die Psychologen vor Rätsel. Ein Thema, das die Öffentlichkeit so sehr beschäftigt, spiegelt sich natürlich auch in Filmen wider. Michael Moores mit dem Oscar ausgezeichnete Dokumentation „Bowling for Columbine“ sucht die Ursache für das Massaker in der amerikanischen Gesellschaft. Einen ganz anderen Weg, die Ereignisse im Film zu thematisieren, ging Gus Van Sant mit „Elephant“ – und schuf ein Werk, das Kritiker wie Publikum gleichermaßen polarisierte und kontrovers diskutiert wurde.
„Elephant“ spielt an einer fiktiven High School in Portland im US-Bundesstaat Oregon. Der Film begleitet einen Teil der Schüler bei ihrem unspektakulären Schulalltag. Fast voyeuristisch folgt die Kamera den Protagonisten, verfolgt sie auf ihrem Weg durch lange Schulgänge und fängt belanglose Begegnungen und Dialoge ein. Immer wieder erkennt der Zuschauer die gleichen Szenen, die jeweils aus dem Blickwinkel eines anderen Schülers gezeigt werden. Schritt für Schritt zielt die Handlung auf das schreckliche Ereignis ab und spitzt sich immer weiter zu. Beethovens Klaviersonate „Für Elise“ zieht sich dabei wie ein roter Faden durch den gesamten Film – und schafft eine geradezu schaurige Atmosphäre. Man weiß, dass das Massaker kommt, dennoch trifft einen die Brutalität wie ein Hammerschlag. „Stunning!“ beurteilte der Chicago Tribune den Film – sicher nicht zu unrecht.
Gus Van Sants Film stieß aber nicht auf ungeteilte Begeisterung. Hauptkritik war, dass er nicht versucht, eine Erklärung für das Massaker zu geben. Ganz im Gegenteil spielt der Film mit scheinbar belanglos eingestreuten Motiven wie Computerspielen oder Neonazismus, die im selben Moment wieder ad absurdum geführt werden. Einige dieser Szenen wirken zwar etwas unausgegoren, fügen sich aber durchaus stimmig ins Gesamtbild des Films ein. Denn Gus Van Sant hat in „Elephant“ ausschließlich mit Laiendarstellern gearbeitet, der Großteil der Dialoge ist improvisiert – was alle Szenen wie selbstverständlich und sehr authentisch wirken lässt. Die Darsteller spielen quasi sich selbst und tragen auch ihre realen Vornamen. Einige konnten „Elephant“ als Sprungbrett für eine Schauspielerkarriere nutzen. So spielte John Robinson in „Lords of Dogtown“ zusammen mit Heath Legder und wirkte in Michael Bays „Transformers“ mit. Alex Frost war unter anderem in „Stop-Loss“ an der Seite von Ryan Phillippe, Channing Tatum und Joseph-Gordon Levitt zu sehen.
Der ungewöhnliche Titel des Films lehnt sich an einen BBC-Kurzfilm aus dem Jahr 1989 an („Elephant“ von Alan Clarke), der in Nordirland einen Killer auf seinem Weg begleitet, einen Menschen nach dem anderen umzubringen – ein Gemetzel, das man meines Erachtens nicht unbedingt gesehen haben muss. Ganz im Gegensatz zu Gus Van Sants Meisterwerk. Auf den Filmfestspielen in Cannes gewann es überraschenderweise die Goldene Palme. Ich konnte den Film – vor dem deutschen Kinostart – beim „Verzaubert-Filmfest 2003“ sehen. Fast noch beeindruckender als der Film selbst, war die Stimmung im Kinosaal. Am Ende des Films war es totenstill, der gesamte Abspann ist durchgelaufen, der Vorhang ist zugegangen, das Licht ist angegangen ... und erst dann haben die Zuschauer sich „getraut“, sich wieder zu bewegen, und sind ganz langsam aufgestanden und weitgehend schweigend aus dem Kino raus gegangen. Wow!
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IMDb: Elephant
DVD
Amazon.de: Elephant
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YouTube: Elephant – Trailer (2:04 Min. engl.)
Offizielle Website zum Film (engl.)
Filmzentrale.com: Kritik von Diedrich Diederichsen, taz
AboutFilm.com: Interview mit Gus Van Sant und Produzent Diane Keaton (engl.)
Wikipedia.de: Schulmassaker von Littleton, Columbine
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Sonntag, 7. September 2008
Crazy

Originaltitel: „Crazy“
Deutschland, 2000
Regisseur: Hans-Christian Schmid
Hauptdarsteller: Robert Stadlober, Tom Schilling, Christoph Ortmann, Joseph Bolz, Willy Rachow, Can Taylanlar, Oona-Devi Liebich, Julia Hummer
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Bewertung:
*******
(gut)
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„Crazy“ ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Denn es ist schon bemerkenswert, wenn ein junger Autor im Alter von nur 16 Jahren einen Bestseller schreibt, der sofort als Pflichtlektüre in den Schullehrplan übernommen und zudem in 33 Sprachen übersetzt wird. Da verwundert es auch nicht, dass weniger als ein Jahr nach dem Erscheinen des Buches die Verfilmung folgt. Dass dieser Film allerdings in enger Zusammenarbeit mit dem Buchautor umgesetzt wird und es schafft, das Besondere der Romanvorlage voll und ganz zu erfassen, ist nicht unbedingt selbstverständlich.
Die Story ist schnell erzählt: der halbseitig gelähmte Benni kommt in das bayerische Internat Neuseelen. Er hat mit den üblichen Anfangsproblemen zu kämpfen, die durch seine Behinderung noch erschwert werden. Sein eigenwilliger Zimmergefährte Janosch ist da nicht wirklich eine Hilfe, obwohl sich zwischen den beiden Jungen eine gute Freundschaft entwickelt – die allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt hält, als sich beide in das gleiche Mädchen verlieben. Doch Benni findet Anschluss zu Janoschs Clique, in der sich das Leben um Musik und die ersten sexuellen Kontakte dreht. Zusammen büchsen die Jungs aus dem Internat aus, um ein Striplokal in der Stadt zu besuchen.
Das 1999 erschienene autobiographische Erstlingswerk „Crazy“ von Benjamin Lebert – der durch seinen Vater bereits Erfahrungen als Autor für das Jugendmagazin „jetzt“ der Süddeutschen Zeitung sammeln konnte – begeisterte Kritiker und Leser gleichermaßen. Für die filmische Umsetzung fand der Roman mit dem eingespielten Regie-/Drehbuch-Duo Hans-Christian Schmid und Michael Gutmann („Nach Fünf im Urwald“, „23 – Nichts ist so wie es scheint“) sowie Jakob Claussen und Thomas Wöbke als Produzenten („Jenseits der Stille“, „Sommersturm“) ein sehr erfahrenes Team – und das merkt man „Crazy“ in jeder Sequenz an.
Deutschland, 2000
Regisseur: Hans-Christian Schmid
Hauptdarsteller: Robert Stadlober, Tom Schilling, Christoph Ortmann, Joseph Bolz, Willy Rachow, Can Taylanlar, Oona-Devi Liebich, Julia Hummer
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Bewertung:
*******
(gut)
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„Crazy“ ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Denn es ist schon bemerkenswert, wenn ein junger Autor im Alter von nur 16 Jahren einen Bestseller schreibt, der sofort als Pflichtlektüre in den Schullehrplan übernommen und zudem in 33 Sprachen übersetzt wird. Da verwundert es auch nicht, dass weniger als ein Jahr nach dem Erscheinen des Buches die Verfilmung folgt. Dass dieser Film allerdings in enger Zusammenarbeit mit dem Buchautor umgesetzt wird und es schafft, das Besondere der Romanvorlage voll und ganz zu erfassen, ist nicht unbedingt selbstverständlich.
Die Story ist schnell erzählt: der halbseitig gelähmte Benni kommt in das bayerische Internat Neuseelen. Er hat mit den üblichen Anfangsproblemen zu kämpfen, die durch seine Behinderung noch erschwert werden. Sein eigenwilliger Zimmergefährte Janosch ist da nicht wirklich eine Hilfe, obwohl sich zwischen den beiden Jungen eine gute Freundschaft entwickelt – die allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt hält, als sich beide in das gleiche Mädchen verlieben. Doch Benni findet Anschluss zu Janoschs Clique, in der sich das Leben um Musik und die ersten sexuellen Kontakte dreht. Zusammen büchsen die Jungs aus dem Internat aus, um ein Striplokal in der Stadt zu besuchen.
Das 1999 erschienene autobiographische Erstlingswerk „Crazy“ von Benjamin Lebert – der durch seinen Vater bereits Erfahrungen als Autor für das Jugendmagazin „jetzt“ der Süddeutschen Zeitung sammeln konnte – begeisterte Kritiker und Leser gleichermaßen. Für die filmische Umsetzung fand der Roman mit dem eingespielten Regie-/Drehbuch-Duo Hans-Christian Schmid und Michael Gutmann („Nach Fünf im Urwald“, „23 – Nichts ist so wie es scheint“) sowie Jakob Claussen und Thomas Wöbke als Produzenten („Jenseits der Stille“, „Sommersturm“) ein sehr erfahrenes Team – und das merkt man „Crazy“ in jeder Sequenz an.
Beim Casting der Hauptdarsteller zeigte das Produktionsteam ebenfalls ein glückliches Händchen. Tom Schilling (Janosch) war zu diesem Zeitpunkt noch eher wenig bekannt, Robert Stadlober (Benni) hatte bereits eine Reihe von Produktionen hinter sich und konnte unter anderem in „Sonnenallee“ überzeugen. Beiden gelingt es hervorragend, den schwierigen Charakteren Ausdruck zu verleihen – insbesondere in der Figur des behinderten Benni erkennt sich sogar Benjamin Lebert selbst wieder. Gewürdigt wurde die Leistung der jungen Nachwuchsdarsteller mit dem Bayerischen Filmpreis. Der Film gewann außerdem den Deutschen Filmpreis in Silber.
Erwähnenswert ist auch die Auswahl der Musik. Der Titelsong des Films – eine Coverversion von Rio Reisers „Junimond“ – kommt von der Gruppe „Echt“, eine Schülerband aus Flensburg, die es Ende der 90er Jahre zu ungewöhnlichem Erfolg in Deutschland brachte. Die Schlusssequenz prägt sich durch eine Adaption von Hildegard Knefs Klassiker „Für mich soll's rote Rosen regnen“ aus dem Jahr 1968 tief ins Gedächtnis des Zuschauers ein. Und auch die Songs „White Girls“ und „Crazy“, die von Robert Stadlober und von Nebendarsteller Joseph Bolz geschrieben wurden, tragen viel zur Authentizität des Films bei. Kurzum, „Crazy“ ist ein gelungener Teenager-Coming of Age-Film, der auf allen Ebenen überzeugt.
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Internet Movie Database
IMDb: Crazy
Trailer
YouTube: „Echt – Junimond“ Livemitschnitt (4:23 Min)
Das Original-Musikvideo ist wegen des Gebührenstreits zwischen der GEMA und YouTube in Deutschland im Moment leider gesperrt.
Das Original-Musikvideo ist wegen des Gebührenstreits zwischen der GEMA und YouTube in Deutschland im Moment leider gesperrt.
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Samstag, 16. August 2008
Sweet Mud – Im Himmel gefangen

Originaltitel: „Adama Meshuga'at“
Israel, Deutschland, 2006
Regisseur: Dror Shaul
Hauptdarsteller: Tomer Steinhof, Ronit Yudkevitz
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Bewertung:
*******
(gut)
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Kibbuz – um diese israelischen, sozialistisch organisierten Agrarkollektive ranken sich viele Legenden. Mit den Kibbuzim begannen Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Landnahmen auf palästinensischem Gebiet – letztendlich die Grundsteinlegung für den Staat Israel nach dem Zweiten Weltkrieg. Selbst in einem Kibbuz aufgewachsen arbeitet Regisseur Dror Shaul mit „Sweet Mud – Im Himmel gefangen“ ein Stück seiner eigenen Kindheit auf und gibt dabei interessante Einblicke in das streng durchorganisierte Leben der ländlichen Gemeinschaften. Eine Abrechnung mit der Vergangenheit, die auch beim Zuschauer schmerzliche Betroffenheit hinterlässt.
„Sweet Mud“ spielt 1974 in Israel. Der 12-jährige Dvir wächst – wie alle Kinder im Kibbuz – in einem zentral geführten Kinderhaus auf. So sind die Eltern der Pflicht der Kindererziehung enthoben und können sich voll und ganz um die gemeinschaftlichen Aufgaben – allen voran die landwirtschaftliche Produktion – kümmern. Dvir ist Halbweise und ein Stück weit ein Außenseiter, weil seine depressive und suchtkranke Mutter nicht in der Form der Gemeinde dienen kann, wie es von allen erwartet wird. Sich auch noch um seine Mutter kümmern zu müssen, ist keine leichte Aufgabe für den Jungen, der kurz vor seiner Bar Mizvah steht und hofft, danach als gleichwertiges Mitglied in der jüdischen Gemeinschaft akzeptiert zu werden.
Doch das Blatt wendet sich auch nicht, als eine Kurliebe seiner Mutter, der Schweizer Stephan, den sie nach dem Tod von Dvirs Vater kennen gelernt hatte, in den Kibbuz zu Besuch kommt. Stephan ist eher wie der gute, alte Großvater und kann die Rolle des Vaters nicht erfüllen. Zudem kann er sich in die strenge Gemeinschaft des Kibbuz nicht einfügen. Als nach Stephans Abreise auch noch Dvirs älterer Bruder zum Militär eingezogen wird, sieht sich der Junge völlig auf sich alleine gestellt. Traumatisiert von den Erlebnissen im Kibbuz – und dabei war es noch das Harmloseste mit anzusehen, wie sich ein Nachbar von einem Kalb einen blasen lässt – beschließt er, der Gemeinschaft den Rücken zu kehren.
Tomer Steinhof, der für die Rolle des Dvir gecastet wurde und zum ersten Mal vor der Kamera stand, gibt eine grandiose Vorstellung. Die sensible Gratwanderung zwischen kindlichem Freiheitsdrang, erster Liebe, religiöser Verpflichtung gegenüber der Gemeinde, aufopfernder Fürsorge für seine Mutter und zunehmender Abscheu gegen die strenge und kinderfeindliche Gesellschaft, in der er aufwächst, meistert er mit Bravour. Kein Wunder, dass „Sweet Mud“ auf dem Sundance Filmfestival den Großen Jurypreis und auf der Berlinale den Preis für den besten Jugendfilm gewann. Ein Film, der mit feinen, leisen Tönen das Herz des Zuschauers gewinnt, wie man es sonst nur beim französischen Kino findet. Sehenswert!
Israel, Deutschland, 2006
Regisseur: Dror Shaul
Hauptdarsteller: Tomer Steinhof, Ronit Yudkevitz
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Bewertung:
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(gut)
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Kibbuz – um diese israelischen, sozialistisch organisierten Agrarkollektive ranken sich viele Legenden. Mit den Kibbuzim begannen Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Landnahmen auf palästinensischem Gebiet – letztendlich die Grundsteinlegung für den Staat Israel nach dem Zweiten Weltkrieg. Selbst in einem Kibbuz aufgewachsen arbeitet Regisseur Dror Shaul mit „Sweet Mud – Im Himmel gefangen“ ein Stück seiner eigenen Kindheit auf und gibt dabei interessante Einblicke in das streng durchorganisierte Leben der ländlichen Gemeinschaften. Eine Abrechnung mit der Vergangenheit, die auch beim Zuschauer schmerzliche Betroffenheit hinterlässt.
„Sweet Mud“ spielt 1974 in Israel. Der 12-jährige Dvir wächst – wie alle Kinder im Kibbuz – in einem zentral geführten Kinderhaus auf. So sind die Eltern der Pflicht der Kindererziehung enthoben und können sich voll und ganz um die gemeinschaftlichen Aufgaben – allen voran die landwirtschaftliche Produktion – kümmern. Dvir ist Halbweise und ein Stück weit ein Außenseiter, weil seine depressive und suchtkranke Mutter nicht in der Form der Gemeinde dienen kann, wie es von allen erwartet wird. Sich auch noch um seine Mutter kümmern zu müssen, ist keine leichte Aufgabe für den Jungen, der kurz vor seiner Bar Mizvah steht und hofft, danach als gleichwertiges Mitglied in der jüdischen Gemeinschaft akzeptiert zu werden.
Doch das Blatt wendet sich auch nicht, als eine Kurliebe seiner Mutter, der Schweizer Stephan, den sie nach dem Tod von Dvirs Vater kennen gelernt hatte, in den Kibbuz zu Besuch kommt. Stephan ist eher wie der gute, alte Großvater und kann die Rolle des Vaters nicht erfüllen. Zudem kann er sich in die strenge Gemeinschaft des Kibbuz nicht einfügen. Als nach Stephans Abreise auch noch Dvirs älterer Bruder zum Militär eingezogen wird, sieht sich der Junge völlig auf sich alleine gestellt. Traumatisiert von den Erlebnissen im Kibbuz – und dabei war es noch das Harmloseste mit anzusehen, wie sich ein Nachbar von einem Kalb einen blasen lässt – beschließt er, der Gemeinschaft den Rücken zu kehren.
Tomer Steinhof, der für die Rolle des Dvir gecastet wurde und zum ersten Mal vor der Kamera stand, gibt eine grandiose Vorstellung. Die sensible Gratwanderung zwischen kindlichem Freiheitsdrang, erster Liebe, religiöser Verpflichtung gegenüber der Gemeinde, aufopfernder Fürsorge für seine Mutter und zunehmender Abscheu gegen die strenge und kinderfeindliche Gesellschaft, in der er aufwächst, meistert er mit Bravour. Kein Wunder, dass „Sweet Mud“ auf dem Sundance Filmfestival den Großen Jurypreis und auf der Berlinale den Preis für den besten Jugendfilm gewann. Ein Film, der mit feinen, leisen Tönen das Herz des Zuschauers gewinnt, wie man es sonst nur beim französischen Kino findet. Sehenswert!
Und noch eine Anmerkung am Rande, um das Münchner Lokalkolorit aufrecht zu erhalten: Ich habe „Sweet Mud“ übrigens im „Neuen Gabriel“ gesehen, einem Münchner Kino, das nun gar nicht so neu ist. 1906 eröffnet zählt es zu den ältesten, durchgehend bespielten Kinos der Welt. Eine kleine Institution also im hart umkämpften Markt des Kinofilms.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0498846/
DVD
http://www.amazon.de/Sweet-Mud-Im-Himmel-gefangen/dp/3898481603/
Links
http://www.youtube.com/watch?v=kKELGIrI5bE
http://www.sweetmud.de/
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/kino-kino/sweet-mud-drama-shaul-ID1217574545265.xml
http://de.wikipedia.org/wiki/Kibbuz
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Sonntag, 3. August 2008
Auf Wiedersehen, Kinder

Originaltitel: „Au revoir les enfants“
Frankreich, Deutschland, 1987
Regisseur: Louis Malle
Hauptdarsteller: Gaspard Manesse, Raphael Fejtö
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Bewertung:
*******
(herausragend)
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Die tragischsten Filmstoffe liefert immer noch das Leben selbst. In dem autobiographischen Werk „Auf Wiedersehen, Kinder“ verarbeitet Regisseur Louis Malle, der auch selbst das Drehbuch geschrieben hat, seine Jugenderlebnisse aus seiner Zeit im Internat während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Und entstanden ist dabei ein absoluter Klassiker. Ein Film über ein zutiefst prägendes Ereignis, das wie eine harte Zäsur die Kindheit beendet, und über eine kurze und verlorene Freundschaft in einer schweren Zeit, die von Krieg und Rassismus bestimmt ist. Sensibel und in ruhigen, leisen Bildern erzählt Louis Malle wundervoll in Szene gesetzt von seiner schmerzvollen Vergangenheit.
„Auf Wiedersehen, Kinder“ spielt 1944 im besetzten Frankreich. Der 11-jährige Julien kehrt nach den Weihnachtsferien in das ländliche, katholische Jungeninternat zurück, in dem der Alltag von den Auswirkungen des Krieges bestimmt ist: Fliegeralarme, keine Heizung, zu wenig zu essen und ein reger Schwarzhandel mit Lebensmitteln. Vom Leiter des Internats, Pater Jean, bekommt er aufgetragen, sich um einen neuen Schüler, Jean Bonnet, zu kümmern. Der ruhige, verschlossene und intelligente Jean weckt Juliens Neugier. Mit der Zeit findet Julien heraus, dass Jean Jude ist und dass die Internatsleitung ihn und ein paar andere Jungen zum Schutz vor den deutschen Truppen unter falschem Namen versteckt hält. Nach anfänglichem Zögern entsteht zwischen den beiden Jungen eine tiefgründige Freundschaft.
Doch die Katastrophe ist vorprogrammiert, bereits nach wenigen Wochen werden die jüdischen Schüler verraten, die Gestapo durchsucht das Internat. Juliens Wissen um die wahre Identität seines Freundes wird Jean zum Verhängnis, er wird entdeckt, ebenso die anderen Jungen. Der Film endet damit, dass die versteckten Jungen und die Internatsleitung an einem kalten Januarmorgen verhaftet und abgeführt werden. Pater Jeans lapidare Abschiedsworte „Auf Wiedersehen, Kinder. Bis bald.“ bleiben einem als Zuschauer noch lange im Gedächtnis. Aus Juliens rückblickenden Worten erfährt man, dass die Jungen in Auschwitz und Pater Jean im KZ Mauthausen ums Leben gekommen sind.
Louis Malle (1932 bis 1995) kann eine beachtliche Filmographie aufweisen und zählt zu den großen Meisterregisseuren des 20. Jahrhunderts. Und „Au revoir les enfants“ gilt als eines seiner besten Werke. Unter anderem ausgezeichnet mit dem „Goldenen Löwen“, ganzen sieben „Césars“ und dem Award der Britischen Filmakademie, nominiert für den „Oscar“ und den „Golden Globe“ sorgte der Film für großes internationales Aufsehen. Besonders bemerkenswert an dem Film ist, dass er nicht in die Sentimentalität abgleitet. Geprägt vom großen Gefühlskino Hollywoods vermisst man spontan die dramatischen Szenen, aber genau auf die hat Louis Malle bewusst verzichtet und lässt die Handlung für sich sprechen. In Wirklichkeit müssen die Schüler ihren Pater mit stillem Applaus verabschiedet haben. Vielleicht ist es ganz gut, dass diese Szene so nicht im Film umgesetzt wurde, für den Zuschauer wäre sie wohl nur schwer zu ertragen gewesen.
Frankreich, Deutschland, 1987
Regisseur: Louis Malle
Hauptdarsteller: Gaspard Manesse, Raphael Fejtö
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Bewertung:
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(herausragend)
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Die tragischsten Filmstoffe liefert immer noch das Leben selbst. In dem autobiographischen Werk „Auf Wiedersehen, Kinder“ verarbeitet Regisseur Louis Malle, der auch selbst das Drehbuch geschrieben hat, seine Jugenderlebnisse aus seiner Zeit im Internat während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Und entstanden ist dabei ein absoluter Klassiker. Ein Film über ein zutiefst prägendes Ereignis, das wie eine harte Zäsur die Kindheit beendet, und über eine kurze und verlorene Freundschaft in einer schweren Zeit, die von Krieg und Rassismus bestimmt ist. Sensibel und in ruhigen, leisen Bildern erzählt Louis Malle wundervoll in Szene gesetzt von seiner schmerzvollen Vergangenheit.
„Auf Wiedersehen, Kinder“ spielt 1944 im besetzten Frankreich. Der 11-jährige Julien kehrt nach den Weihnachtsferien in das ländliche, katholische Jungeninternat zurück, in dem der Alltag von den Auswirkungen des Krieges bestimmt ist: Fliegeralarme, keine Heizung, zu wenig zu essen und ein reger Schwarzhandel mit Lebensmitteln. Vom Leiter des Internats, Pater Jean, bekommt er aufgetragen, sich um einen neuen Schüler, Jean Bonnet, zu kümmern. Der ruhige, verschlossene und intelligente Jean weckt Juliens Neugier. Mit der Zeit findet Julien heraus, dass Jean Jude ist und dass die Internatsleitung ihn und ein paar andere Jungen zum Schutz vor den deutschen Truppen unter falschem Namen versteckt hält. Nach anfänglichem Zögern entsteht zwischen den beiden Jungen eine tiefgründige Freundschaft.
Doch die Katastrophe ist vorprogrammiert, bereits nach wenigen Wochen werden die jüdischen Schüler verraten, die Gestapo durchsucht das Internat. Juliens Wissen um die wahre Identität seines Freundes wird Jean zum Verhängnis, er wird entdeckt, ebenso die anderen Jungen. Der Film endet damit, dass die versteckten Jungen und die Internatsleitung an einem kalten Januarmorgen verhaftet und abgeführt werden. Pater Jeans lapidare Abschiedsworte „Auf Wiedersehen, Kinder. Bis bald.“ bleiben einem als Zuschauer noch lange im Gedächtnis. Aus Juliens rückblickenden Worten erfährt man, dass die Jungen in Auschwitz und Pater Jean im KZ Mauthausen ums Leben gekommen sind.
Louis Malle (1932 bis 1995) kann eine beachtliche Filmographie aufweisen und zählt zu den großen Meisterregisseuren des 20. Jahrhunderts. Und „Au revoir les enfants“ gilt als eines seiner besten Werke. Unter anderem ausgezeichnet mit dem „Goldenen Löwen“, ganzen sieben „Césars“ und dem Award der Britischen Filmakademie, nominiert für den „Oscar“ und den „Golden Globe“ sorgte der Film für großes internationales Aufsehen. Besonders bemerkenswert an dem Film ist, dass er nicht in die Sentimentalität abgleitet. Geprägt vom großen Gefühlskino Hollywoods vermisst man spontan die dramatischen Szenen, aber genau auf die hat Louis Malle bewusst verzichtet und lässt die Handlung für sich sprechen. In Wirklichkeit müssen die Schüler ihren Pater mit stillem Applaus verabschiedet haben. Vielleicht ist es ganz gut, dass diese Szene so nicht im Film umgesetzt wurde, für den Zuschauer wäre sie wohl nur schwer zu ertragen gewesen.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0092593/
DVD
http://www.amazon.de/Auf-Wiedersehen-Kinder-Gaspard-Manesse/dp/B000M4R5Q6/
Links
http://www.youtube.com/watch?v=oJBZx5QNxpM
http://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Malle
http://de.wikipedia.org/wiki/Auf_Wiedersehen%2C_Kinder
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0092593/
DVD
http://www.amazon.de/Auf-Wiedersehen-Kinder-Gaspard-Manesse/dp/B000M4R5Q6/
Links
http://www.youtube.com/watch?v=oJBZx5QNxpM
http://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Malle
http://de.wikipedia.org/wiki/Auf_Wiedersehen%2C_Kinder
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Sonntag, 27. Juli 2008
Blöde Mütze!

Originaltitel: „Blöde Mütze!“
Deutschland, 2007
Regisseur: Johannes Schmid
Hauptdarsteller: Johann Hillmann, Konrad Baumann, Lea Eisleb
____________________
Bewertung:
*******
(gut)
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„Blöde Mütze!“ ist im Grunde genommen ein Kinderfilm, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Schmid, dem Bruder des Regisseurs, und passt vielleicht nicht so ganz in das Blog. Die guten Kritiken haben mich aber heute Nachmittag – als ich mit dem Rad beim „Studio Isabella“ vorbeikam – spontan dazu bewogen, für 1 ½ Stunden der Sommersonne zu entfliehen, mir den Film noch ein zweites Mal anzusehen und letztendlich doch eine Rezension dazu zu schreiben. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, denn „Blöde Mütze!“ genügt durchaus auch „erwachsenen“ Ansprüchen, gibt sich ganz unprätentiös und verzichtet auf kindlich-pubertären Klamauk. Humorvoll, sensibel und wie selbstverständlich erzählt der Film vom Ende der Kindheit, den Problemen mit den Eltern, von Freundschaft und von der ersten Liebe.
Martin, für sein Alter etwas zu klein, eher schüchtern und immer mit seiner Baseballmütze unterwegs, ist gerade umgezogen und muss sich neue Freunde suchen. Der erste, den er kennen lernt, ist Oliver, der in seine Klasse geht und mit dem er anfangs gar nicht zurechtkommt. Denn da ist schließlich auch noch Silke, Olivers Freundin, die in Martin ganz ungewohnte Gefühle weckt... Die Geschichte ist nicht neu, aber einfach aus dem Leben gegriffen. Genauso wie die erwachsenen Charaktere: Martins Eltern, die übertrieben fürsorglich sind und nicht verstehen, dass ihr Sohn langsam eigene Entscheidungen trifft. Olivers arbeitsloser und alkoholkranker Vater, der seiner Familie das Leben schwer macht. Und Silkes vor kurzem geschiedene Mutter, die sich selbst als „beste Freundin“ ihrer Tochter sieht.
Bei den zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen, die „Blöde Mütze!“ bisher erhalten hat, wird auch immer wieder die Leistung der Hauptdarsteller herausgestellt. Und das nicht zu Unrecht: Konrad Baumann kann hier eindrucksvoll beweisen, dass in ihm deutlich mehr steckt als ein „Wilder Kerl“ (was Jimi Blue Ochsenknecht in „Sommer“ ja nun nicht gerade gelungen ist). Johann Hillmann – der auch schon Erfahrungen mit Kino- und TV-Produktionen und als Synchronsprecher sammeln konnte – und Lea Eisleb – zu sehen in einigen Fernsehproduktionen – stehen dem älteren Konrad schauspielerisch in nichts nach. Ein perfektes Darsteller-Trio.
Kleine, anspruchsvolle Filmproduktionen ohne nennenswerte Marketingbudgets haben es ja grundsätzlich nicht leicht, sich gegen die Konkurrenz der großen Filmverleihfirmen durchzusetzen. Es ist bekannt, dass auch „Blöde Mütze!“ leider Refinanzierungsprobleme hat, aber immerhin läuft der Film nun schon seit 24. April 2008 über drei Monate ununterbrochen in München im Kino. Und das, obwohl Buena Vistas Sommermovie mit Jimi Blue als Zugpferd fast zeitgleich an den Start gegangen ist. Auch wenn dieser kleine Erfolg sicherlich nicht mit hohen Besucherzahlen gleichzusetzen ist, kann man da nur gratulieren. Denn es gab schon genügend vergleichbare Produktionen, die es in München gerade mal eine Woche oder überhaupt nicht ins Kino geschafft haben.
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Internet Movie Database
IMDb: Blöde Mütze!
Deutschland, 2007
Regisseur: Johannes Schmid
Hauptdarsteller: Johann Hillmann, Konrad Baumann, Lea Eisleb
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Bewertung:
*******
(gut)
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„Blöde Mütze!“ ist im Grunde genommen ein Kinderfilm, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Schmid, dem Bruder des Regisseurs, und passt vielleicht nicht so ganz in das Blog. Die guten Kritiken haben mich aber heute Nachmittag – als ich mit dem Rad beim „Studio Isabella“ vorbeikam – spontan dazu bewogen, für 1 ½ Stunden der Sommersonne zu entfliehen, mir den Film noch ein zweites Mal anzusehen und letztendlich doch eine Rezension dazu zu schreiben. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, denn „Blöde Mütze!“ genügt durchaus auch „erwachsenen“ Ansprüchen, gibt sich ganz unprätentiös und verzichtet auf kindlich-pubertären Klamauk. Humorvoll, sensibel und wie selbstverständlich erzählt der Film vom Ende der Kindheit, den Problemen mit den Eltern, von Freundschaft und von der ersten Liebe.
Martin, für sein Alter etwas zu klein, eher schüchtern und immer mit seiner Baseballmütze unterwegs, ist gerade umgezogen und muss sich neue Freunde suchen. Der erste, den er kennen lernt, ist Oliver, der in seine Klasse geht und mit dem er anfangs gar nicht zurechtkommt. Denn da ist schließlich auch noch Silke, Olivers Freundin, die in Martin ganz ungewohnte Gefühle weckt... Die Geschichte ist nicht neu, aber einfach aus dem Leben gegriffen. Genauso wie die erwachsenen Charaktere: Martins Eltern, die übertrieben fürsorglich sind und nicht verstehen, dass ihr Sohn langsam eigene Entscheidungen trifft. Olivers arbeitsloser und alkoholkranker Vater, der seiner Familie das Leben schwer macht. Und Silkes vor kurzem geschiedene Mutter, die sich selbst als „beste Freundin“ ihrer Tochter sieht.
Bei den zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen, die „Blöde Mütze!“ bisher erhalten hat, wird auch immer wieder die Leistung der Hauptdarsteller herausgestellt. Und das nicht zu Unrecht: Konrad Baumann kann hier eindrucksvoll beweisen, dass in ihm deutlich mehr steckt als ein „Wilder Kerl“ (was Jimi Blue Ochsenknecht in „Sommer“ ja nun nicht gerade gelungen ist). Johann Hillmann – der auch schon Erfahrungen mit Kino- und TV-Produktionen und als Synchronsprecher sammeln konnte – und Lea Eisleb – zu sehen in einigen Fernsehproduktionen – stehen dem älteren Konrad schauspielerisch in nichts nach. Ein perfektes Darsteller-Trio.
Kleine, anspruchsvolle Filmproduktionen ohne nennenswerte Marketingbudgets haben es ja grundsätzlich nicht leicht, sich gegen die Konkurrenz der großen Filmverleihfirmen durchzusetzen. Es ist bekannt, dass auch „Blöde Mütze!“ leider Refinanzierungsprobleme hat, aber immerhin läuft der Film nun schon seit 24. April 2008 über drei Monate ununterbrochen in München im Kino. Und das, obwohl Buena Vistas Sommermovie mit Jimi Blue als Zugpferd fast zeitgleich an den Start gegangen ist. Auch wenn dieser kleine Erfolg sicherlich nicht mit hohen Besucherzahlen gleichzusetzen ist, kann man da nur gratulieren. Denn es gab schon genügend vergleichbare Produktionen, die es in München gerade mal eine Woche oder überhaupt nicht ins Kino geschafft haben.
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Internet Movie Database
IMDb: Blöde Mütze!
Trailer
Links
Kinderfilm GmbH, Erfurt: Blöde Mütze!
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Sonntag, 20. Juli 2008
Ghettokids

Originaltitel: „Ghettokids“
Deutschland, Frankreich, 2002
Regisseur: Christian Wagner
Hauptdarsteller: Ioannis Tsialas, Urjeton (Toni) Osmani, Barbara Rudnik, Günther Maria Halmer
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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Als türkisch sprechende Griechen haben es die Brüder Christos und Maikis seit der Auswanderung ihrer Familie aus Griechenland besonders schwer. Zusammen mit ihrem älteren Bruder und ihrer Mutter leben sie in einer Einzimmerwohnung im Münchner Stadtteil Hasenbergl. Aber Ihre eigentliche neue Heimat ist der Hauptbahnhof, sie klauen, dealen mit Drogen und der 12-jährige Christos verkauft sich gelegentlich auch als Stricher.
Die engagierte Lehrerin Hanna Solinger übernimmt die Förderklasse, in der auch die beiden Brüder sind, und steht vor scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten. Unterstützung erhält sie vom Sozialarbeiter Xaver Friedmann, der ein Jugendzentrum führt und auch Christos und Maikis gut kennt. Als Maikis, der immer auch ein Auge auf seinen kleinen Bruder Christos hatte, in einen Raubüberfall verstrickt wird, landet er unschuldig im Jugendgefängnis. Und auf sich alleine gestellt wird die Lage für Christos immer problematischer.
Der Film beginnt mit Maikis’ Zeit im Gefängnis und erzählt – größtenteils in Rückblenden – die Geschichte der beiden Brüder. Die Story der TV-Produktion, die im Rahmen eines Projekts der gemeinnützigen Münchner Organisation „Ghettokids – Soziale Projekte e.V.“ entstanden ist, beruht in vielen Teilen auf wahren Begebenheiten und wurde an den Originalschauplätzen gedreht. Die Jugendlichen und Kinder werden von Laiendarstellern verkörpert, die zumeist aus dem Münchner Hasenbergl kommen und sich quasi selbst spielen. Und gerade das macht den Film so beklemmend und authentisch. Sehr zu empfehlen ist auch die auf der DVD als Bonusmaterial enthaltene, preisgekrönte Dokumentation „Planet Hasenbergl“, die sich unter anderem mit der Arbeit von Ghettokids e.V. beschäftigt.
München zelebriert 2008 sein 850-jähriges Bestehen und an diesem Wochenende wurde die halbe Stadt offiziell zur Partymeile erklärt. Der Film „Ghettokids“ stellt ein perfektes Kontrastprogramm dar. Denn nur allzu gern verschließen die Leute, die hier leben, ja die Augen davor, dass München mit genau den gleichen sozialen Problemen zu kämpfen hat wie jede andere Millionenstadt auch. Nachdem man „Ghettokids“ gesehen hat, sieht man auf jeden Fall nicht nur das berüchtigte Hasenbergl, sondern auch den Münchner Hauptbahnhof und das Stachus Untergeschoss mit anderen Augen.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0301343/
DVD
http://www.amazon.de/Ghettokids-Ioannis-Tsialas/dp/B00022GIOS/
Links
http://www.cineastentreff.de/content/view/2791/35/
http://www.wagnerfilm.de/de/projekte/ghettokids/background.htm
http://www.ghettokids.org/
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Deutschland, Frankreich, 2002
Regisseur: Christian Wagner
Hauptdarsteller: Ioannis Tsialas, Urjeton (Toni) Osmani, Barbara Rudnik, Günther Maria Halmer
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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Als türkisch sprechende Griechen haben es die Brüder Christos und Maikis seit der Auswanderung ihrer Familie aus Griechenland besonders schwer. Zusammen mit ihrem älteren Bruder und ihrer Mutter leben sie in einer Einzimmerwohnung im Münchner Stadtteil Hasenbergl. Aber Ihre eigentliche neue Heimat ist der Hauptbahnhof, sie klauen, dealen mit Drogen und der 12-jährige Christos verkauft sich gelegentlich auch als Stricher.
Die engagierte Lehrerin Hanna Solinger übernimmt die Förderklasse, in der auch die beiden Brüder sind, und steht vor scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten. Unterstützung erhält sie vom Sozialarbeiter Xaver Friedmann, der ein Jugendzentrum führt und auch Christos und Maikis gut kennt. Als Maikis, der immer auch ein Auge auf seinen kleinen Bruder Christos hatte, in einen Raubüberfall verstrickt wird, landet er unschuldig im Jugendgefängnis. Und auf sich alleine gestellt wird die Lage für Christos immer problematischer.
Der Film beginnt mit Maikis’ Zeit im Gefängnis und erzählt – größtenteils in Rückblenden – die Geschichte der beiden Brüder. Die Story der TV-Produktion, die im Rahmen eines Projekts der gemeinnützigen Münchner Organisation „Ghettokids – Soziale Projekte e.V.“ entstanden ist, beruht in vielen Teilen auf wahren Begebenheiten und wurde an den Originalschauplätzen gedreht. Die Jugendlichen und Kinder werden von Laiendarstellern verkörpert, die zumeist aus dem Münchner Hasenbergl kommen und sich quasi selbst spielen. Und gerade das macht den Film so beklemmend und authentisch. Sehr zu empfehlen ist auch die auf der DVD als Bonusmaterial enthaltene, preisgekrönte Dokumentation „Planet Hasenbergl“, die sich unter anderem mit der Arbeit von Ghettokids e.V. beschäftigt.
München zelebriert 2008 sein 850-jähriges Bestehen und an diesem Wochenende wurde die halbe Stadt offiziell zur Partymeile erklärt. Der Film „Ghettokids“ stellt ein perfektes Kontrastprogramm dar. Denn nur allzu gern verschließen die Leute, die hier leben, ja die Augen davor, dass München mit genau den gleichen sozialen Problemen zu kämpfen hat wie jede andere Millionenstadt auch. Nachdem man „Ghettokids“ gesehen hat, sieht man auf jeden Fall nicht nur das berüchtigte Hasenbergl, sondern auch den Münchner Hauptbahnhof und das Stachus Untergeschoss mit anderen Augen.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0301343/
DVD
http://www.amazon.de/Ghettokids-Ioannis-Tsialas/dp/B00022GIOS/
Links
http://www.cineastentreff.de/content/view/2791/35/
http://www.wagnerfilm.de/de/projekte/ghettokids/background.htm
http://www.ghettokids.org/
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Samstag, 12. Juli 2008
Glue

Originaltitel: „Glue“
Argentinien, UK, 2006
Regisseur: Alexis Dos Santos
Hauptdarsteller: Nahuel Pérez Biscayart, Nahuel Viale, Inés Efron
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Bewertung:
*******
(gut)
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„Diesen Sommer will ich endlich Sex haben. Ich halte es nicht mehr aus. Ich will nie wieder total klebrig aufwachen. – Wenn meine Eltern einen Monat früher Sex gehabt hätten, hätten sie dann mich gezeugt? Wäre dann ich auf die Welt gekommen? Oder ein anderer? Oder zwei Minuten später? Wovon hängt das ab?“
Ruhig und gemächlich begleitet „Glue“ einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben des 16-jährigen Lucas, beleuchtet seine Gedanken, die seine Unsicherheit und Orientierungssuche widerspiegeln und sich um Selbstfindung und Mädchen drehen. Lucas lebt in einer Kleinstadt in Patagonien, ist oft mit seinem Kumpel Nacho und der schüchternen Andrea zusammen, schreibt frech-pubertäre Songtexte und singt in einer Schüler-Punkband. Die meiste Zeit lässt er sich einfach nur treiben und hängt mit seinen Freunden ab.
Alexis Dos Santos’ Regiedebüt greift das Thema Erwachsenwerden mit sehr viel Sensibilität und Gespür fürs Detail auf. Auch Lucas’ Auseinandersetzung mit seinem eigenen Körper und seine Gefühle gegenüber Nacho, die zwischen normaler Freundschaft, Bewunderung und Verliebtsein schwanken, sind mit viel Fingerspitzengefühl in Szene gesetzt. Und die natürliche Ausstrahlung von Hauptdarsteller Nahuel Pérez Biscayart verleiht der Figur des Lucas eine unglaubliche Authentizität.
„Glue“ besticht durch wunderschöne Aufnahmen und eine ganz eigene Bildsprache. Manchmal scheint es so, als sei der ganze Film in der Abenddämmerung gedreht und die tief stehende Sonne tauche die gesamte Szenerie in ein goldgelbes Licht und werfe harte Schatten auf die Konturen der Gesichter und Körper der Darsteller. Trotz gelegentlicher Längen und Ungereimtheiten ein kleines Kunstwerk voll roher Poesie. Selten wurden die einfachen Nöte eines Teenagers so realitätsnah – und in so schönen Bildern – eingefangen.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0484039/
DVD
http://www.amazon.de/Glue-OmU-Nahuel-Perez-Biscayart/dp/B0017XBOMM/
Links
http://www.youtube.com/watch?v=hl1Ikv6O5Ig
http://www.youtube.com/watch?v=nm9QmIu8pwM
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Argentinien, UK, 2006
Regisseur: Alexis Dos Santos
Hauptdarsteller: Nahuel Pérez Biscayart, Nahuel Viale, Inés Efron
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Bewertung:
*******
(gut)
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„Diesen Sommer will ich endlich Sex haben. Ich halte es nicht mehr aus. Ich will nie wieder total klebrig aufwachen. – Wenn meine Eltern einen Monat früher Sex gehabt hätten, hätten sie dann mich gezeugt? Wäre dann ich auf die Welt gekommen? Oder ein anderer? Oder zwei Minuten später? Wovon hängt das ab?“
Ruhig und gemächlich begleitet „Glue“ einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben des 16-jährigen Lucas, beleuchtet seine Gedanken, die seine Unsicherheit und Orientierungssuche widerspiegeln und sich um Selbstfindung und Mädchen drehen. Lucas lebt in einer Kleinstadt in Patagonien, ist oft mit seinem Kumpel Nacho und der schüchternen Andrea zusammen, schreibt frech-pubertäre Songtexte und singt in einer Schüler-Punkband. Die meiste Zeit lässt er sich einfach nur treiben und hängt mit seinen Freunden ab.
Alexis Dos Santos’ Regiedebüt greift das Thema Erwachsenwerden mit sehr viel Sensibilität und Gespür fürs Detail auf. Auch Lucas’ Auseinandersetzung mit seinem eigenen Körper und seine Gefühle gegenüber Nacho, die zwischen normaler Freundschaft, Bewunderung und Verliebtsein schwanken, sind mit viel Fingerspitzengefühl in Szene gesetzt. Und die natürliche Ausstrahlung von Hauptdarsteller Nahuel Pérez Biscayart verleiht der Figur des Lucas eine unglaubliche Authentizität.
„Glue“ besticht durch wunderschöne Aufnahmen und eine ganz eigene Bildsprache. Manchmal scheint es so, als sei der ganze Film in der Abenddämmerung gedreht und die tief stehende Sonne tauche die gesamte Szenerie in ein goldgelbes Licht und werfe harte Schatten auf die Konturen der Gesichter und Körper der Darsteller. Trotz gelegentlicher Längen und Ungereimtheiten ein kleines Kunstwerk voll roher Poesie. Selten wurden die einfachen Nöte eines Teenagers so realitätsnah – und in so schönen Bildern – eingefangen.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0484039/
DVD
http://www.amazon.de/Glue-OmU-Nahuel-Perez-Biscayart/dp/B0017XBOMM/
Links
http://www.youtube.com/watch?v=hl1Ikv6O5Ig
http://www.youtube.com/watch?v=nm9QmIu8pwM
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Freitag, 4. Juli 2008
Сволочи – Svolochi (Bastards)

Originaltitel: „Сволочи“
Russland, 2006
Regisseur: Aleksandr Atanesyan
Hauptdarsteller: Aleksandr Golovin, Sergei Rychenkov, Andrei Panin, Andrei Krasko
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Bewertung:
*******
(herausragend)
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„Svolochi“ ist ein Geheimtipp, ein Film, der meiner Meinung nach die Bewertung „herausragend“ wirklich verdient hat. Das auf wahren Begebenheiten basierende Kriegsdrama, das 2007 den „MTV Russia Movie Award“ gewann, wurde in Russland sehr kontrovers diskutiert. Der Film greift ein Thema auf, das der deutsche Regisseur Bernhard Wicki bereits 1959 in der Verfilmung des autobiographischen Romans „Die Brücke“ von Gregor Dorfmeister verarbeitet hat: der rücksichtslose Einsatz von Jugendlichen als Kanonenfutter während des Zweiten Weltkriegs.
Im Jahr 1943 beginnt die Sowjetunion, Jugendliche aus Gefängnissen und Strafanstalten für den Kriegseinsatz zu rekrutieren. Darunter sind auch die beiden Freunde Cot und Tiapa, denen eine harte Ausbildung in einem abgelegenen Lager in den Bergen von Kasachstan bevorsteht, die weder auf körperliche Unversehrtheit, noch auf Menschenleben Rücksicht nimmt. Noch bevor die Ausbildung annähernd abgeschlossen ist, werden die Jungen für eine Todesaktion gegen deutsche Stellungen abkommandiert. Die Reaktionen von sowjetischen und deutschen Soldaten auf die neue „Elitetruppe“ sind identisch: „Das sind ja noch Kinder!“
Um „Svolochi“ entspannten sich in Russland einige Diskussionen und Eklats. Hauptstreitpunkt war, dass zum ohnehin schon mehr als negativen Bild der sowjetischen Kriegsmachenschaften noch ein weiteres, bislang kaum bekanntes schwarzes Kapitel hinzukommt. Kriegsveteranen und russischer Geheimdienst sahen das Andenken der „Roten Armee“ beschmutzt. Die Tageszeitung „Komsomolskaya Pravda“ ging sogar so weit, die historische Wahrheit des Films offen in Frage zu stellen. Und bei der Verleihung des MTV Movie Award weigerte sich der bekannte russische Regisseur und Schauspieler Vladimir Menshov schlichtweg den Siegerpreis zu überreichen. All das lässt vermuten, dass Russland in Sachen Vergangenheitsbewältigung noch einen weiten Weg vor sich haben dürfte.
Dem Erfolg des Films tat das alles keinen Abbruch, denn „Svolochi“ versteht es, von Anfang an zu fesseln. Die Melancholie in der russischen Mentalität sorgt zusätzlich dafür, dass einem beim Zuschauen ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Hart und kompromisslos ist „Svolochi“ ein Kriegsdrama, das unter die Haut geht. Einmal gesehen, lässt einen dieser Film nicht so schnell wieder los! Vermarktet mit einem Song des Moskauer Kultrappers „Ligalize“ entwickelte sich das Drama in Russland auch zu einem regelrechten Kassenschlager. Und dass der MTV-Zuschauerpreis gerade an diesen Film ging, hängt sicherlich nicht zuletzt auch mit Hauptdarsteller Aleksandr Golovin zusammen. Bekannt aus der russischen TV-Serie „Kadetstvo“ ist er ein gefeierter Teenager-Star.
Die DVD (PAL, Ländercode 5) ist komplett in kyrillisch, was die Navigation durch die Menüs nicht wirklich einfach macht. Aber über die Subtitle-Funktion kommt man tatsächlich auf englische Untertitel. Wenn man den Film zum ersten Mal sieht, muss man aber wegen der zum Teil etwas schnellen Abfolge der Untertitel in Kauf nehmen, dass man nicht alle Dialoge mitbekommt. Erwähnenswert ist auch das umfangreiche Bonusmaterial auf der DVD, das Making-of vermittelt einem auch ohne Sprachkenntnisse ein ganz gutes Bild der Produktionsarbeiten. Alles in allem also durchaus zu empfehlen.
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Internet Movie Database
IMDb: Svolochi
DVD
Amazon.com: Svolochi
Russland, 2006
Regisseur: Aleksandr Atanesyan
Hauptdarsteller: Aleksandr Golovin, Sergei Rychenkov, Andrei Panin, Andrei Krasko
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Bewertung:
*******
(herausragend)
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„Svolochi“ ist ein Geheimtipp, ein Film, der meiner Meinung nach die Bewertung „herausragend“ wirklich verdient hat. Das auf wahren Begebenheiten basierende Kriegsdrama, das 2007 den „MTV Russia Movie Award“ gewann, wurde in Russland sehr kontrovers diskutiert. Der Film greift ein Thema auf, das der deutsche Regisseur Bernhard Wicki bereits 1959 in der Verfilmung des autobiographischen Romans „Die Brücke“ von Gregor Dorfmeister verarbeitet hat: der rücksichtslose Einsatz von Jugendlichen als Kanonenfutter während des Zweiten Weltkriegs.
Im Jahr 1943 beginnt die Sowjetunion, Jugendliche aus Gefängnissen und Strafanstalten für den Kriegseinsatz zu rekrutieren. Darunter sind auch die beiden Freunde Cot und Tiapa, denen eine harte Ausbildung in einem abgelegenen Lager in den Bergen von Kasachstan bevorsteht, die weder auf körperliche Unversehrtheit, noch auf Menschenleben Rücksicht nimmt. Noch bevor die Ausbildung annähernd abgeschlossen ist, werden die Jungen für eine Todesaktion gegen deutsche Stellungen abkommandiert. Die Reaktionen von sowjetischen und deutschen Soldaten auf die neue „Elitetruppe“ sind identisch: „Das sind ja noch Kinder!“
Um „Svolochi“ entspannten sich in Russland einige Diskussionen und Eklats. Hauptstreitpunkt war, dass zum ohnehin schon mehr als negativen Bild der sowjetischen Kriegsmachenschaften noch ein weiteres, bislang kaum bekanntes schwarzes Kapitel hinzukommt. Kriegsveteranen und russischer Geheimdienst sahen das Andenken der „Roten Armee“ beschmutzt. Die Tageszeitung „Komsomolskaya Pravda“ ging sogar so weit, die historische Wahrheit des Films offen in Frage zu stellen. Und bei der Verleihung des MTV Movie Award weigerte sich der bekannte russische Regisseur und Schauspieler Vladimir Menshov schlichtweg den Siegerpreis zu überreichen. All das lässt vermuten, dass Russland in Sachen Vergangenheitsbewältigung noch einen weiten Weg vor sich haben dürfte.
Dem Erfolg des Films tat das alles keinen Abbruch, denn „Svolochi“ versteht es, von Anfang an zu fesseln. Die Melancholie in der russischen Mentalität sorgt zusätzlich dafür, dass einem beim Zuschauen ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Hart und kompromisslos ist „Svolochi“ ein Kriegsdrama, das unter die Haut geht. Einmal gesehen, lässt einen dieser Film nicht so schnell wieder los! Vermarktet mit einem Song des Moskauer Kultrappers „Ligalize“ entwickelte sich das Drama in Russland auch zu einem regelrechten Kassenschlager. Und dass der MTV-Zuschauerpreis gerade an diesen Film ging, hängt sicherlich nicht zuletzt auch mit Hauptdarsteller Aleksandr Golovin zusammen. Bekannt aus der russischen TV-Serie „Kadetstvo“ ist er ein gefeierter Teenager-Star.
Die DVD (PAL, Ländercode 5) ist komplett in kyrillisch, was die Navigation durch die Menüs nicht wirklich einfach macht. Aber über die Subtitle-Funktion kommt man tatsächlich auf englische Untertitel. Wenn man den Film zum ersten Mal sieht, muss man aber wegen der zum Teil etwas schnellen Abfolge der Untertitel in Kauf nehmen, dass man nicht alle Dialoge mitbekommt. Erwähnenswert ist auch das umfangreiche Bonusmaterial auf der DVD, das Making-of vermittelt einem auch ohne Sprachkenntnisse ein ganz gutes Bild der Produktionsarbeiten. Alles in allem also durchaus zu empfehlen.
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Internet Movie Database
IMDb: Svolochi
DVD
Amazon.com: Svolochi
Links
KinoKultura.com: ausführliche Filmkritik mit Bildern (engl.)
ABC News (AU): Skandal bei MTV Russia Movie Award (engl.)
YouTube: Svolochi – Musikvideo-Trailer von Ligalize (3:55 Min, russ.)
YouTube: Filmausschnitt (0:40 Min, russ.)
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Sonntag, 29. Juni 2008
Newcastle

Originaltitel: „Newcastle“
Australien, Japan, 2008
Regisseur: Dan Castle
Hauptdarsteller: Lachlan Buchanan, Xavier Samuel, Reshad Strik
____________________
Bewertung:
*******
(in Ordnung)
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Türkisfarbenes Meer, weiße Wellen, tiefblauer Himmel, sonnengebräunte Haut, trainierte Sixpacks, coole Sprüche und die Faszination des Surfens perfekt in Szene gesetzt. Das australische Surferdrama „Newcastle“ wirkt manchmal wie ein überlanger Werbespot, der in wunderschönen Bildern jeden spritzenden Wassertropfen einzufangen versucht.
Jesse und Fergus sind Zwillinge, beide 17 Jahre alt, und leben in Newcastle, das nicht nur das Surfparadies, sondern auch der „Ruhrpott“ von Australien ist. Spannungen gibt es immer wieder mit ihrem Bruder Victor, der nach einer gescheiterten Surferkarriere mit deren Vater im Stahlbau arbeitet. Während Jesse als begeisterter Surfer dem älteren Bruder nacheifert, grenzt sich Fergus schon optisch bewusst von der coolen Surferwelt ab. Bei einem Strandwochenende mit Jesses Surferclique dreht sich nicht alles nur ums Surfen und um die Mädels, auch Fergus’ homosexuelle Neigungen werden immer offensichtlicher. Als plötzlich Victor mit seinen Kumpanen in die Teenagerrunde platzt, eskalieren die Konflikte zwischen den drei Brüdern. Es kommt zur Katastrophe.
Trotz interessanter Ansätze bei Story und Charakteren paddelt „Newcastle“ seicht an der Wasseroberfläche dahin. Das Coming out von Fergus beispielsweise wird nur kurz angeschnitten, aber nicht weiter vertieft. Die Handlung des Films scheint sowieso eher nebensächlich zu sein – hier zählen Surfaufnahmen und perfekte Körper. Schön anzuschauen, wird der Film aber sicher keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Newcastle“ war für mich der Abschluss des „26. Filmfest München 2008“. Alles in allem ein ganz gelungenes Festival mit interessanten Filmen.
Achja, noch einmal zu „Newcastle“: Mein Englisch ist nicht das Schlechteste, aber der Aussie-Slang des Films ist mitunter sehr schwer zu verstehen. Was mich außerdem fasziniert hat, ist die Vielfältigkeit des Wortschatzes der Jungs. Ich hätte nach „Boogie Nights“ mit Mark Wahlberg eigentlich nicht erwartet, einmal einen Film zu sehen, in dem das Wörtchen „Fuck“ noch öfter vorkommt ;-)) Und Hauptdarsteller Lachlan Buchanan (Jesse) wird übrigens auch in der 3. Staffel der Teenager-TV-Serie „Blue Water High“ zu sehen sein.
Australien, Japan, 2008
Regisseur: Dan Castle
Hauptdarsteller: Lachlan Buchanan, Xavier Samuel, Reshad Strik
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Bewertung:
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(in Ordnung)
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Türkisfarbenes Meer, weiße Wellen, tiefblauer Himmel, sonnengebräunte Haut, trainierte Sixpacks, coole Sprüche und die Faszination des Surfens perfekt in Szene gesetzt. Das australische Surferdrama „Newcastle“ wirkt manchmal wie ein überlanger Werbespot, der in wunderschönen Bildern jeden spritzenden Wassertropfen einzufangen versucht.
Jesse und Fergus sind Zwillinge, beide 17 Jahre alt, und leben in Newcastle, das nicht nur das Surfparadies, sondern auch der „Ruhrpott“ von Australien ist. Spannungen gibt es immer wieder mit ihrem Bruder Victor, der nach einer gescheiterten Surferkarriere mit deren Vater im Stahlbau arbeitet. Während Jesse als begeisterter Surfer dem älteren Bruder nacheifert, grenzt sich Fergus schon optisch bewusst von der coolen Surferwelt ab. Bei einem Strandwochenende mit Jesses Surferclique dreht sich nicht alles nur ums Surfen und um die Mädels, auch Fergus’ homosexuelle Neigungen werden immer offensichtlicher. Als plötzlich Victor mit seinen Kumpanen in die Teenagerrunde platzt, eskalieren die Konflikte zwischen den drei Brüdern. Es kommt zur Katastrophe.
Trotz interessanter Ansätze bei Story und Charakteren paddelt „Newcastle“ seicht an der Wasseroberfläche dahin. Das Coming out von Fergus beispielsweise wird nur kurz angeschnitten, aber nicht weiter vertieft. Die Handlung des Films scheint sowieso eher nebensächlich zu sein – hier zählen Surfaufnahmen und perfekte Körper. Schön anzuschauen, wird der Film aber sicher keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Newcastle“ war für mich der Abschluss des „26. Filmfest München 2008“. Alles in allem ein ganz gelungenes Festival mit interessanten Filmen.
Achja, noch einmal zu „Newcastle“: Mein Englisch ist nicht das Schlechteste, aber der Aussie-Slang des Films ist mitunter sehr schwer zu verstehen. Was mich außerdem fasziniert hat, ist die Vielfältigkeit des Wortschatzes der Jungs. Ich hätte nach „Boogie Nights“ mit Mark Wahlberg eigentlich nicht erwartet, einmal einen Film zu sehen, in dem das Wörtchen „Fuck“ noch öfter vorkommt ;-)) Und Hauptdarsteller Lachlan Buchanan (Jesse) wird übrigens auch in der 3. Staffel der Teenager-TV-Serie „Blue Water High“ zu sehen sein.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt1043860/
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
http://www.newcastlemovie.com/
http://www.youtube.com/watch?v=ULv5-12a3E8
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt1043860/
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
http://www.newcastlemovie.com/
http://www.youtube.com/watch?v=ULv5-12a3E8
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Donnerstag, 26. Juni 2008
Ihr könnt Euch niemals sicher sein

Originaltitel: „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“
Deutschland, 2008
Regisseur: Nicole Weegmann
Hauptdarsteller: Ludwig Trepte, Jenny Schily, Jürgen Tonkel, Anneke Kim Sarnau, Fjodor Olev
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Bewertung:
*******
(gut)
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„Dass auch Erwachsene gleich Kindern auf diesem Erdboden herumtaumeln, und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen, das will niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit Händen greifen.“
Regisseur: Nicole Weegmann
Hauptdarsteller: Ludwig Trepte, Jenny Schily, Jürgen Tonkel, Anneke Kim Sarnau, Fjodor Olev
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Bewertung:
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(gut)
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„Dass auch Erwachsene gleich Kindern auf diesem Erdboden herumtaumeln, und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen, das will niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit Händen greifen.“
(Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther)
Der 17-jährige Oliver scheint der Einzige zu sein, der Goethes Werther wirklich verinnerlicht hat und adaptiert den Klassiker bei Klausuren in Hip Hop Lyrics. Seine Deutschlehrerin sieht das allerdings als Verunglimpfung der deutschen Sprache, Olivers Abitur ist gefährdet. Seine Aggressionen und Ängste reagiert der Teenager in Songtexten ab, die auch mal davon handeln, seine Lehrerin und seine Mitschüler einfach abzuschlachten. Als einer seiner Texte im Klassenzimmer gefunden wird, sieht sich die Schulleitung alarmiert. Aus Furcht vor einem Massaker wie in Erfurt schaltet sie die Polizei ein. Lehrer und Kriminalbeamte reagieren völlig übertrieben auf die Verbalattacken des sensiblen und intelligenten Jugendlichen. Oliver wird vorübergehend in die Psychiatrie eingewiesen. Als gefährlicher, potenzieller Amokläufer abgestempelt, findet er kaum mehr Menschen, die ihm wirklich vertrauen und manövriert sich selbst immer tiefer ins Abseits.
Das Beklemmende an „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“ ist das Unverständnis, das die „erwachsene“ Gesellschaft den Nöten und Problemen eines Teenagers entgegen bringt. Kaum jemand – ob Eltern oder Lehrer – ist auch nur ansatzweise bereit zu hinterfragen, wie es in Oliver wirklich aussieht, alle misstrauen ihm von vorneherein. Selbst das psychologische Gutachten, dass es sich bei dem Jugendlichen definitiv nicht um einen möglichen Gewalttäter handelt, kann daran nichts ändern. Das Lehrerkollegium will ihn abschieben, seine Deutschlehrerin bildet sich ein, Angst vor ihm haben zu müssen, der Vater seiner Freundin zeigt ihn grundlos an, seine Mutter gibt sich nicht die Mühe ihn zu verstehen und sein Vater meint, zusammen mal einen Trinken zu gehen, könnte die Konflikte lösen. Alle suchen das Problem bei Oliver, aber nicht bei sich selbst.
Der 17-jährige Oliver scheint der Einzige zu sein, der Goethes Werther wirklich verinnerlicht hat und adaptiert den Klassiker bei Klausuren in Hip Hop Lyrics. Seine Deutschlehrerin sieht das allerdings als Verunglimpfung der deutschen Sprache, Olivers Abitur ist gefährdet. Seine Aggressionen und Ängste reagiert der Teenager in Songtexten ab, die auch mal davon handeln, seine Lehrerin und seine Mitschüler einfach abzuschlachten. Als einer seiner Texte im Klassenzimmer gefunden wird, sieht sich die Schulleitung alarmiert. Aus Furcht vor einem Massaker wie in Erfurt schaltet sie die Polizei ein. Lehrer und Kriminalbeamte reagieren völlig übertrieben auf die Verbalattacken des sensiblen und intelligenten Jugendlichen. Oliver wird vorübergehend in die Psychiatrie eingewiesen. Als gefährlicher, potenzieller Amokläufer abgestempelt, findet er kaum mehr Menschen, die ihm wirklich vertrauen und manövriert sich selbst immer tiefer ins Abseits.
Das Beklemmende an „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“ ist das Unverständnis, das die „erwachsene“ Gesellschaft den Nöten und Problemen eines Teenagers entgegen bringt. Kaum jemand – ob Eltern oder Lehrer – ist auch nur ansatzweise bereit zu hinterfragen, wie es in Oliver wirklich aussieht, alle misstrauen ihm von vorneherein. Selbst das psychologische Gutachten, dass es sich bei dem Jugendlichen definitiv nicht um einen möglichen Gewalttäter handelt, kann daran nichts ändern. Das Lehrerkollegium will ihn abschieben, seine Deutschlehrerin bildet sich ein, Angst vor ihm haben zu müssen, der Vater seiner Freundin zeigt ihn grundlos an, seine Mutter gibt sich nicht die Mühe ihn zu verstehen und sein Vater meint, zusammen mal einen Trinken zu gehen, könnte die Konflikte lösen. Alle suchen das Problem bei Oliver, aber nicht bei sich selbst.
Ein wirklich guter Film, der leider ein paar Minuspunkte dafür bekommt, dass die meisten Charaktere zu wenig differenziert dargestellt sind. Die überforderten Eltern, die bornierte Deutschlehrerin wirken mitunter etwas klischeehaft und nicht so glaubwürdig. Olivers Figur ist dagegen sehr fein ausgearbeitet und überzeugt auf ganzer Linie, was auch in hohem Maße der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Ludwig Trepte zu verdanken ist. Der 19 Jahre alte Berliner ist ein Ausnahmetalent und auch kein unbeschriebenes Blatt: in den vergangenen Jahren konnte er bereits den Max Ophüls-Preis, den Adolf Grimme-Preis und die Goldene Kamera für sich verbuchen.
Die Aufführung von „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“ im Rahmen des „26. Filmfest München 2008“ am gestrigen Abend war die Premiere des Films. Regisseurin, Autoren, Filmcrew und Hauptdarsteller waren anwesend. Dass das Kino (MaxX 5 mit knapp 300 Plätzen) nicht einmal zu einem Drittel voll war, ist schade, aber bei der Konkurrenzveranstaltung (EM-Halbfinale Deutschland - Türkei) auch nicht verwunderlich. Der Filme hätte durchaus ein paar mehr Premierengäste verdient.
Kurzer Nachtrag: „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“ wurde außerdem mit dem 3sat-Zuschauerpreis 2008 ausgezeichnet. 12 deutsche TV-Produktionen standen zur Auswahl und Nicole Weegmanns Schülerdrama konnte die meisten Stimmen auf sich vereinigen.
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Internet Movie Database
DVD / TV
bislang nicht auf DVD erhältlich
Produktion des WDR – TV-Erstausstrahlung: 22. Oktober 2008 (ARD)
Links
Focus.de: Filmkritik
Presseportal.de: Meldung des WDR zum Drehbeginn
YouTube: Zusammenschnitt von Vor- und Abspann des Films (2:19 Min)
YouTube: Interview mit Ludwig Trepte bei der Verleihung der Goldenen Kamera 2008 (1:42 Min)
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Presseportal.de: Meldung des WDR zum Drehbeginn
YouTube: Zusammenschnitt von Vor- und Abspann des Films (2:19 Min)
YouTube: Interview mit Ludwig Trepte bei der Verleihung der Goldenen Kamera 2008 (1:42 Min)
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Dienstag, 24. Juni 2008
Son of Rambow

Originaltitel: „Son of Rambow“
UK, Frankreich, Deutschland, 2007
Regisseur: Garth Jennings
Hauptdarsteller: Bill Milner, Will Poulter
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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Tja, auf so einen Film hofft man insgeheim, wenn man sich eine Handvoll Karten für ein Festival kauft. Nach dem Reinfall von gestern Abend wirklich eine echte Entschädigung – und das nicht nur auf den voll klimatisierten MaxX 2-Kinosaal bezogen ;-)
Das Feel good-Movie „Son of Rambow“ hat im Kern eine an und für sich ernste Geschichte. Will, ein 12-jähriger Junge in den 80er Jahren in England, wächst streng gläubig in einfachsten Verhältnissen in der Religionsgemeinschaft der Plymouth-Brüder auf – kein Fernsehen, kein Radio, generell keine „moderne Technik“. Als er entdeckt, dass das Leben so viel mehr zu bieten hat als Ehrfurcht vor der Brüdergemeinschaft, strikte Abgrenzung gegen die Gesellschaft und bedingungslosen Glauben an Gott, beginnt er, mit kindlicher Naivität die Welt um sich herum zu erkunden und die Lebensauffassung seiner Familie in Frage zu stellen. Seine Mutter gerät dadurch innerhalb der Glaubensgemeinde in deutliche Bedrängnis.
Verpackt ist das Ganze in eine wundervoll skurrile Rahmenhandlung, die auch eine Hommage an die Unbeschwertheit der Kindheit ist. Will lernt in der Schule den Querkopf Lee kennen, für den seine Videokamera sein Ein und Alles ist. Inspiriert von „Rambo“ fangen die beiden Jungen an, zusammen einen eigenen Film zu drehen. Wills Kreativität, die sich bislang nur in selbst gezeichneten Bildergeschichten entfalten konnte, eröffnen sich durch das Medium Film völlig neue Dimensionen. Was sich da tut, bekommen auch die Mitschüler von Will und Lee mit und bald wollen alle bei dem Film mitmachen. Doch Will muss mit der Zeit lernen, wo wahre Freundschaft liegt.
Dass die nicht unproblematische Story so humorvoll und unbeschwert rüberkommt und doch im richtigen Moment wieder ernst wird, macht den Charme dieses Films aus. Der 80ies-Soundtrack mit The Cure, Duran Duran, Depeche Mode und Siouxsie and the Banshees verleiht dem Film ein nostalgische Note. Und der „British Accent“ trägt das Seine zum besonderen Flair bei. „Son of Rambow“ räume ich durchaus Chancen ein, den BR-Publikumspreis des „26. Filmfest München 2008“ zu gewinnen. Meine Stimme hat er jedenfalls bekommen.
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Internet Movie Data Base
www.imdb.com/title/tt0845046/
DVD / TV
http://www.amazon.de/Son-Rambow-Bill-Milner/dp/B001KR5IG8/
UK, Frankreich, Deutschland, 2007
Regisseur: Garth Jennings
Hauptdarsteller: Bill Milner, Will Poulter
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Bewertung:
*******
(sehr gut)
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Tja, auf so einen Film hofft man insgeheim, wenn man sich eine Handvoll Karten für ein Festival kauft. Nach dem Reinfall von gestern Abend wirklich eine echte Entschädigung – und das nicht nur auf den voll klimatisierten MaxX 2-Kinosaal bezogen ;-)
Das Feel good-Movie „Son of Rambow“ hat im Kern eine an und für sich ernste Geschichte. Will, ein 12-jähriger Junge in den 80er Jahren in England, wächst streng gläubig in einfachsten Verhältnissen in der Religionsgemeinschaft der Plymouth-Brüder auf – kein Fernsehen, kein Radio, generell keine „moderne Technik“. Als er entdeckt, dass das Leben so viel mehr zu bieten hat als Ehrfurcht vor der Brüdergemeinschaft, strikte Abgrenzung gegen die Gesellschaft und bedingungslosen Glauben an Gott, beginnt er, mit kindlicher Naivität die Welt um sich herum zu erkunden und die Lebensauffassung seiner Familie in Frage zu stellen. Seine Mutter gerät dadurch innerhalb der Glaubensgemeinde in deutliche Bedrängnis.
Verpackt ist das Ganze in eine wundervoll skurrile Rahmenhandlung, die auch eine Hommage an die Unbeschwertheit der Kindheit ist. Will lernt in der Schule den Querkopf Lee kennen, für den seine Videokamera sein Ein und Alles ist. Inspiriert von „Rambo“ fangen die beiden Jungen an, zusammen einen eigenen Film zu drehen. Wills Kreativität, die sich bislang nur in selbst gezeichneten Bildergeschichten entfalten konnte, eröffnen sich durch das Medium Film völlig neue Dimensionen. Was sich da tut, bekommen auch die Mitschüler von Will und Lee mit und bald wollen alle bei dem Film mitmachen. Doch Will muss mit der Zeit lernen, wo wahre Freundschaft liegt.
Dass die nicht unproblematische Story so humorvoll und unbeschwert rüberkommt und doch im richtigen Moment wieder ernst wird, macht den Charme dieses Films aus. Der 80ies-Soundtrack mit The Cure, Duran Duran, Depeche Mode und Siouxsie and the Banshees verleiht dem Film ein nostalgische Note. Und der „British Accent“ trägt das Seine zum besonderen Flair bei. „Son of Rambow“ räume ich durchaus Chancen ein, den BR-Publikumspreis des „26. Filmfest München 2008“ zu gewinnen. Meine Stimme hat er jedenfalls bekommen.
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Internet Movie Data Base
www.imdb.com/title/tt0845046/
DVD / TV
http://www.amazon.de/Son-Rambow-Bill-Milner/dp/B001KR5IG8/
koproduziert von ZDF und Arte – kommt also sicher auch im Fernsehen
Links
http://www.youtube.com/watch?v=em39YmVPTYs
Links
http://www.youtube.com/watch?v=em39YmVPTYs
The Speed of Life

Originaltitel: „The Speed of Life“
USA, 2007
Regisseur: Ed Radtke
Hauptdarsteller: Jeremy Allen White, Justin Soto, Robert Seymour, Peter Appel
____________________
Bewertung:
*******
(nicht besonders)
____________________
Filmfest München, die zweite – „The Speed of Life“, ausgezeichnet beim Venice Film Festival 2007, ist schlichtweg eine Enttäuschung: überfrachtet, verworren und langatmig. Von der Grundidee her nicht schlecht, hat der Streifen aber von allem zuviel: zu viele Handlungsstränge, die sich nicht auflösen, zu viele schräge Nebenrollen-Charaktere, die zur Story nichts beitragen, zu viele eingesetzte Stilmittel und Bildeffekte – einfach viel zu viel, als dass es der Zuschauer noch verarbeiten könnte.
Selbst die Zusammenfassung der Story bereitet Schwierigkeiten. Worum ging’s denn jetzt überhaupt? Auf jeden Fall ist Sammer ein Jugendlicher in New York, der bei seiner Pflegemutter lebt und zusammen mit seinem Freund Dukie Videokameras klaut. Am meisten faszinieren Sammer die Videoaufnahmen in den Kameras, die er sich immer wieder ansieht, sie bearbeitet und die ihn zum Träumen anregen. Sammers Welt ist nicht einfach, sein älterer Bruder sitzt im Knast, sein Vater lebt irgendwo in Alaska und seine Pflegemutter hat zunehmende gesundheitliche Probleme. Das wäre ja Stoff genug für einen soliden Film über die Probleme eines Teenagers.
Dann sind da aber noch der undurchsichtige Bewährungshelfer Frank, der sich sowohl um Sammer als auch um seinen älteren Bruder kümmert, und der leicht verrückte alte Stadtstreicher Jerry. Beide Figuren – wie so viele andere auch – tauchen immer wieder auf, ohne dass man sie wirklich mit einer Handlung in Zusammenhang bringen könnte. Aber bei Frank und Jerry laufen die Fäden – ganz krimimäßig – am Ende doch zusammen. Zusammengefasst also eine Coming of Age-Story über halbkriminelle Teenager, vermixt mit einer verworrenen Kriminalgeschichte und gespickt mit etwas „Reality TV“ über die Verrückten, die in New York leben. Naja, zuviel eben.
USA, 2007
Regisseur: Ed Radtke
Hauptdarsteller: Jeremy Allen White, Justin Soto, Robert Seymour, Peter Appel
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Bewertung:
*******
(nicht besonders)
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Filmfest München, die zweite – „The Speed of Life“, ausgezeichnet beim Venice Film Festival 2007, ist schlichtweg eine Enttäuschung: überfrachtet, verworren und langatmig. Von der Grundidee her nicht schlecht, hat der Streifen aber von allem zuviel: zu viele Handlungsstränge, die sich nicht auflösen, zu viele schräge Nebenrollen-Charaktere, die zur Story nichts beitragen, zu viele eingesetzte Stilmittel und Bildeffekte – einfach viel zu viel, als dass es der Zuschauer noch verarbeiten könnte.
Selbst die Zusammenfassung der Story bereitet Schwierigkeiten. Worum ging’s denn jetzt überhaupt? Auf jeden Fall ist Sammer ein Jugendlicher in New York, der bei seiner Pflegemutter lebt und zusammen mit seinem Freund Dukie Videokameras klaut. Am meisten faszinieren Sammer die Videoaufnahmen in den Kameras, die er sich immer wieder ansieht, sie bearbeitet und die ihn zum Träumen anregen. Sammers Welt ist nicht einfach, sein älterer Bruder sitzt im Knast, sein Vater lebt irgendwo in Alaska und seine Pflegemutter hat zunehmende gesundheitliche Probleme. Das wäre ja Stoff genug für einen soliden Film über die Probleme eines Teenagers.
Dann sind da aber noch der undurchsichtige Bewährungshelfer Frank, der sich sowohl um Sammer als auch um seinen älteren Bruder kümmert, und der leicht verrückte alte Stadtstreicher Jerry. Beide Figuren – wie so viele andere auch – tauchen immer wieder auf, ohne dass man sie wirklich mit einer Handlung in Zusammenhang bringen könnte. Aber bei Frank und Jerry laufen die Fäden – ganz krimimäßig – am Ende doch zusammen. Zusammengefasst also eine Coming of Age-Story über halbkriminelle Teenager, vermixt mit einer verworrenen Kriminalgeschichte und gespickt mit etwas „Reality TV“ über die Verrückten, die in New York leben. Naja, zuviel eben.
Zudem war das eher mickrige Kino – Forum 3 im Deutschen Museum – eine Sauna. Kühlung bei den Außentemperaturen: Fehlanzeige! Und dann noch dieser Film… Da kann man schon fast von Glück reden, dass Regisseur Ed Radtke in New York mit dem Flugzeug festsaß, denn eine Diskussion über den Streifen wäre an dem Abend echt nicht mehr gegangen.
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Internet Movie Data Base
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
www.youtube.com/watch?v=hd4WgZwN9rs
http://www.variety.com/review/VE1117934552.html?categoryid=31&cs=1
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Sonntag, 22. Juni 2008
Ping Pong Kingen – The King of Ping Pong

Originaltitel: „Ping Pong Kingen“
Schweden, 2008
Regisseur: Jens Jonsson
Hauptdarsteller: Jerry Johansson, Hampus Johansson, Georgi Staykov
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Bewertung:
*******
(nicht schlecht)
____________________
Mein erster Film beim „26. Filmfest München 2008“. Das schwedische Familiendrama erhielt beim diesjährigen Sundance Film Festival gleich zwei Auszeichnungen – für die Dramaturgie und für die Kameraführung. Trotz subtilen Humors und witziger Dialoge kann es meiner Meinung nach dennoch nicht voll und ganz überzeugen.
Im Mittelpunkt des Dramas steht der 16-jährige Rille. Der dicke und unbeholfene Teenager hat es nicht leicht akzeptiert zu werden. Ganz im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Erik, der smart und sportlich ist und bei allen gut ankommt. Auch der Vater der beiden, der auf einer Bohrinsel arbeitet, gibt bei seinen seltenen Besuchen Erik den Vorzug. Das einzige, bei dem auch Rille sich gegenüber seinem Bruder und den anderen Jungs beweisen kann, ist Tischtennis.
Rilles kleine Welt beginnt zu bröckeln. Er muss erkennen, dass der Vater alkoholabhängig ist und nicht wirklich dem Idealbild entspricht, das die beiden Brüder immer von ihm hatten. Und er fühlt sich zunehmend ausgegrenzt, weil sein Bruder auch noch anfängt, ihm die Mädchen auszuspannen. Als seine Mutter ihm schließlich eröffnet, dass sein Vater gar nicht sein wirklicher Vater ist, brennen bei Rille die Sicherungen durch. Er entwendet ein Auto und reißt aus. Als er dann auch noch ein Gewehr in die Hände bekommt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf.
Mit Jerry Johansson in der Rolle des Rille hat der Film einen sehr überzeugenden jungen Hauptdarsteller gefunden. Die tief verschneite schwedische Winterlandschaft bietet eine eindrucksvolle Kulisse, die von der Kamera souverän eingefangen wird. Obwohl solide gemacht, lässt das Movie aber leider stark an Tempo vermissen, Spannung kommt bei dem knapp zweistündigen Film erst zum Ende auf – für den Zuschauer zu spät. Etwas gestrafft in einer neu geschnittenen Fassung hätte er aber durchaus Potenzial.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt1110272/
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
http://www.pingpongkingen.se/
http://www.youtube.com/watch?v=h7GLoB2VyBA
http://www.youtube.com/watch?v=P9ta2o8xmIM
Schweden, 2008
Regisseur: Jens Jonsson
Hauptdarsteller: Jerry Johansson, Hampus Johansson, Georgi Staykov
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Bewertung:
*******
(nicht schlecht)
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Mein erster Film beim „26. Filmfest München 2008“. Das schwedische Familiendrama erhielt beim diesjährigen Sundance Film Festival gleich zwei Auszeichnungen – für die Dramaturgie und für die Kameraführung. Trotz subtilen Humors und witziger Dialoge kann es meiner Meinung nach dennoch nicht voll und ganz überzeugen.
Im Mittelpunkt des Dramas steht der 16-jährige Rille. Der dicke und unbeholfene Teenager hat es nicht leicht akzeptiert zu werden. Ganz im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Erik, der smart und sportlich ist und bei allen gut ankommt. Auch der Vater der beiden, der auf einer Bohrinsel arbeitet, gibt bei seinen seltenen Besuchen Erik den Vorzug. Das einzige, bei dem auch Rille sich gegenüber seinem Bruder und den anderen Jungs beweisen kann, ist Tischtennis.
Rilles kleine Welt beginnt zu bröckeln. Er muss erkennen, dass der Vater alkoholabhängig ist und nicht wirklich dem Idealbild entspricht, das die beiden Brüder immer von ihm hatten. Und er fühlt sich zunehmend ausgegrenzt, weil sein Bruder auch noch anfängt, ihm die Mädchen auszuspannen. Als seine Mutter ihm schließlich eröffnet, dass sein Vater gar nicht sein wirklicher Vater ist, brennen bei Rille die Sicherungen durch. Er entwendet ein Auto und reißt aus. Als er dann auch noch ein Gewehr in die Hände bekommt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf.
Mit Jerry Johansson in der Rolle des Rille hat der Film einen sehr überzeugenden jungen Hauptdarsteller gefunden. Die tief verschneite schwedische Winterlandschaft bietet eine eindrucksvolle Kulisse, die von der Kamera souverän eingefangen wird. Obwohl solide gemacht, lässt das Movie aber leider stark an Tempo vermissen, Spannung kommt bei dem knapp zweistündigen Film erst zum Ende auf – für den Zuschauer zu spät. Etwas gestrafft in einer neu geschnittenen Fassung hätte er aber durchaus Potenzial.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt1110272/
DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Links
http://www.pingpongkingen.se/
http://www.youtube.com/watch?v=h7GLoB2VyBA
http://www.youtube.com/watch?v=P9ta2o8xmIM
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Freitag, 20. Juni 2008
Wild Tigers I Have Known

Originaltitel: „Wild Tigers I Have Known“
USA, 2006
Regisseur: Cam Archer
Produzent: Gus van Sant
Hauptdarsteller: Malcolm Stumpf, Patrick White
____________________
Bewertung:
*******
(nicht schlecht)
____________________
Zur Eröffnung des Blogs gibt es gleich noch eine dritte Filmvorstellung. Nachdem ich „Wild Tigers I Have Known“ letztes Wochenende im Kino gesehen habe, möchte ich meine Kritik auch gleich loswerden ;-)
Logan ist ein Träumer. Ein androgyner, introvertierter Junge, dessen Leben von der Langeweile der Schule, seinen Tagträumen und … von Wichsen bestimmt ist. Die Gedankenwelt Logans – die Regisseur Cam Archer in wortlosen, bildstarken, spotlight-artigen Sequenzen einfängt – dreht sich um zwei Dinge: den älteren Mitschüler Rodeo, der wie Logan selbst ein Außenseiter ist. Und um die Berglöwen, die immer wieder ihren Weg in die Menschensiedlungen finden und in seiner Schule für skurrile Präventionsmaßnahmen sorgen.
Logan merkt, dass er einfach anders ist als seine Mitschüler. In dem wortkargen Einzelgänger Rodeo findet er einen Freund, der für ihn Vorbild, älterer Bruder und Objekt sexueller Begierde zugleich ist. Aus dem Gedankenbild seiner Selbstbefriedigungsphantasien soll Realität werden. Logan ruft Rodeo an, gibt sich als Frau aus, die mit ihm Sex haben möchte. In den Höhlen, die von den Stadtbewohnern wegen der Berglöwen gemieden werden, wollen sich die beiden treffen, um „zum ersten Mal zu ficken“.
„Wild Tigers I Have Known“ ist kein temporeicher Film, der Mainstream-Unterhaltung bietet. Die Dialoge sind sparsam. Die Handlung ergibt sich primär aus der Szenerie und der traumhaften Bildwelt, die fortlaufende Story wird immer wieder unterbrochen. Die „Wilden Tiger“ sind eine Bildergeschichte, die die Hingabe des Zuschauers erfordert: poetisch, erotisch, humorvoll und mit viel Spielraum für Interpretationen.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0430768/
DVD
http://www.amazon.de/Wild-Tigers-Have-Know-OmU/dp/B001CIEOF6/
Links
http://www.wildtigersfilm.com/
http://www.filmstarts.de/kritiken/98866-Wild-Tigers-I-Have-Known.html
http://www.youtube.com/watch?v=KikTHJ9fUlA
USA, 2006
Regisseur: Cam Archer
Produzent: Gus van Sant
Hauptdarsteller: Malcolm Stumpf, Patrick White
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Bewertung:
*******
(nicht schlecht)
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Zur Eröffnung des Blogs gibt es gleich noch eine dritte Filmvorstellung. Nachdem ich „Wild Tigers I Have Known“ letztes Wochenende im Kino gesehen habe, möchte ich meine Kritik auch gleich loswerden ;-)
Logan ist ein Träumer. Ein androgyner, introvertierter Junge, dessen Leben von der Langeweile der Schule, seinen Tagträumen und … von Wichsen bestimmt ist. Die Gedankenwelt Logans – die Regisseur Cam Archer in wortlosen, bildstarken, spotlight-artigen Sequenzen einfängt – dreht sich um zwei Dinge: den älteren Mitschüler Rodeo, der wie Logan selbst ein Außenseiter ist. Und um die Berglöwen, die immer wieder ihren Weg in die Menschensiedlungen finden und in seiner Schule für skurrile Präventionsmaßnahmen sorgen.
Logan merkt, dass er einfach anders ist als seine Mitschüler. In dem wortkargen Einzelgänger Rodeo findet er einen Freund, der für ihn Vorbild, älterer Bruder und Objekt sexueller Begierde zugleich ist. Aus dem Gedankenbild seiner Selbstbefriedigungsphantasien soll Realität werden. Logan ruft Rodeo an, gibt sich als Frau aus, die mit ihm Sex haben möchte. In den Höhlen, die von den Stadtbewohnern wegen der Berglöwen gemieden werden, wollen sich die beiden treffen, um „zum ersten Mal zu ficken“.
„Wild Tigers I Have Known“ ist kein temporeicher Film, der Mainstream-Unterhaltung bietet. Die Dialoge sind sparsam. Die Handlung ergibt sich primär aus der Szenerie und der traumhaften Bildwelt, die fortlaufende Story wird immer wieder unterbrochen. Die „Wilden Tiger“ sind eine Bildergeschichte, die die Hingabe des Zuschauers erfordert: poetisch, erotisch, humorvoll und mit viel Spielraum für Interpretationen.
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0430768/
DVD
http://www.amazon.de/Wild-Tigers-Have-Know-OmU/dp/B001CIEOF6/
Links
http://www.wildtigersfilm.com/
http://www.filmstarts.de/kritiken/98866-Wild-Tigers-I-Have-Known.html
http://www.youtube.com/watch?v=KikTHJ9fUlA
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Whole New Thing

Originaltitel: „Whole New Thing“
Canada, 2005
Regisseur: Amnon Buchbinder
Hauptdarsteller: Aaron Webber, Daniel MacIvor
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Bewertung:
*******
(herausragend)
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Emerson ist ein Schöngeist – ein Junge, der Bücher schreibt und am Rande einer kanadischen Stadt wohlbehütet aufwächst. In die Schule ist er nie gegangen, er wurde schon immer von seiner Mutter zuhause unterrichtet. Seine von der 68er-Bewegung geprägten Eltern erziehen in offen und alternativ – Sex und Kiffen sind absolut keine Tabus. Als Emerson dann mit 13 Jahren seinen „ersten Schultag“ in der Chezbrook County Middle School hat, trifft ihn das im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Schlag ins Gesicht. Die von den konservativen Ansichten der kleinbürgerlichen Gesellschaft geprägten Mitschüler reagieren auf den femininen, leicht arroganten Intellektuellen mit handfesten Aggressionen.
Nur bei seinem Englischlehrer Don Grant findet Emerson Verständnis. Zu viel Verständnis, denn der noch vor seinem Coming out stehende bisexuelle Junge verliebt sich bis über beide Ohren in den Lehrer und merkt es selbst noch nicht einmal – wie das eben oft so ist bei der ersten Liebe. Der schwule Don, der deutlich weiter davon entfernt ist, sein wahres Ich offen zu zeigen als der Teenager Emerson, fühlt sich bedrängt und ist durch die Situation völlig überfordert. Als Emerson herausfindet, dass Don schwul ist und auf welche Art und Weise er seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt, fängt das Drama erst richtig an.
„Whole New Thing“ ist sicherlich einer der besten schwulen Coming of Age-Filme, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen (umso bedauernswerter, dass er keinen deutschen Kinoverleih fand). Der Hauptdarsteller Aaron Webber spielt den sensibel-intellektuellen und doch sehr selbstbewussten Teenager mit grandioser Überzeugungskraft. Die Story hat Anspruch und Tiefgang und verzichtet dennoch nicht auf Humor und Wortwitz in den Dialogen. Und der Einsatz der Musik ist einmalig. Das Drehbuch nimmt zwar das eine oder andere mal Anleihen bei Filmen wie „The Ice Storm“ oder „Dead Poets Society“, but who cares. Der Film ist einfach ein Muss!
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0461613/
DVD
http://www.amazon.de/Whole-New-Thing-einfach-anders/dp/B000LXGOYC/
Canada, 2005
Regisseur: Amnon Buchbinder
Hauptdarsteller: Aaron Webber, Daniel MacIvor
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Bewertung:
*******
(herausragend)
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Emerson ist ein Schöngeist – ein Junge, der Bücher schreibt und am Rande einer kanadischen Stadt wohlbehütet aufwächst. In die Schule ist er nie gegangen, er wurde schon immer von seiner Mutter zuhause unterrichtet. Seine von der 68er-Bewegung geprägten Eltern erziehen in offen und alternativ – Sex und Kiffen sind absolut keine Tabus. Als Emerson dann mit 13 Jahren seinen „ersten Schultag“ in der Chezbrook County Middle School hat, trifft ihn das im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Schlag ins Gesicht. Die von den konservativen Ansichten der kleinbürgerlichen Gesellschaft geprägten Mitschüler reagieren auf den femininen, leicht arroganten Intellektuellen mit handfesten Aggressionen.
Nur bei seinem Englischlehrer Don Grant findet Emerson Verständnis. Zu viel Verständnis, denn der noch vor seinem Coming out stehende bisexuelle Junge verliebt sich bis über beide Ohren in den Lehrer und merkt es selbst noch nicht einmal – wie das eben oft so ist bei der ersten Liebe. Der schwule Don, der deutlich weiter davon entfernt ist, sein wahres Ich offen zu zeigen als der Teenager Emerson, fühlt sich bedrängt und ist durch die Situation völlig überfordert. Als Emerson herausfindet, dass Don schwul ist und auf welche Art und Weise er seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt, fängt das Drama erst richtig an.
„Whole New Thing“ ist sicherlich einer der besten schwulen Coming of Age-Filme, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen (umso bedauernswerter, dass er keinen deutschen Kinoverleih fand). Der Hauptdarsteller Aaron Webber spielt den sensibel-intellektuellen und doch sehr selbstbewussten Teenager mit grandioser Überzeugungskraft. Die Story hat Anspruch und Tiefgang und verzichtet dennoch nicht auf Humor und Wortwitz in den Dialogen. Und der Einsatz der Musik ist einmalig. Das Drehbuch nimmt zwar das eine oder andere mal Anleihen bei Filmen wie „The Ice Storm“ oder „Dead Poets Society“, but who cares. Der Film ist einfach ein Muss!
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Internet Movie Data Base
http://www.imdb.com/title/tt0461613/
DVD
http://www.amazon.de/Whole-New-Thing-einfach-anders/dp/B000LXGOYC/
Links
http://www.wholenewthing.com/
http://www.profun.de/wholenewthing/
http://www.youtube.com/watch?v=w4jldRJ4yss
http://de.wikipedia.org/wiki/Whole_New_Thing
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http://www.wholenewthing.com/
http://www.profun.de/wholenewthing/
http://www.youtube.com/watch?v=w4jldRJ4yss
http://de.wikipedia.org/wiki/Whole_New_Thing
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The Cure / Mississippi – Fluss der Hoffnung

Originaltitel: „The Cure“
USA, 1995
Regisseur: Peter Horton
Hauptdarsteller: Brad Renfro, Joseph Mazzello
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Bewertung:
*******
(herausragend)
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Einer der schönsten Filme über Freundschaft, der je gedreht wurde. Erik, ein Einzelgänger, die Eltern geschieden und die Mutter alkoholkrank, freundet sich mit dem Nachbarsjungen Dexter an. Dexter ist gerade erst in die Kleinstadt Stillwater, Minnesota, gezogen. Er wurde bei einer Bluttransfusion mit HIV infiziert und sein Ruf als der „AIDS-Junge“ hatte sich schnell in Nachbarschaft und Schule verbreitet. Zwischen den beiden Außenseitern entsteht eine tiefe Freundschaft. Als in einer Zeitung die Meldung erscheint, dass in New Orleans ein Arzt ein Heilmittel gegen AIDS entdeckt hat, beschließen die beiden Jungen mit einem Floß den Mississippi flussabwärts zu fahren, damit Dexter geheilt werden kann. Auf ihrem abenteuerlichen Weg verlieren beide ein Stück ihrer Kindheit und lernen es, dem Leben die Stirn zu bieten.
„The Cure“ wurde 1995 gedreht, zu einem Zeitpunkt als die medikamentöse Kombinationstherapie gegen HIV-Infektionen noch im Entwicklungsstadium war. Es war – noch vor „Philadelphia“ – eine der ersten, wenigen Hollywood-Produktionen, die überhaupt das Tabuthema AIDS aufgegriffen haben. Als der Film in Deutschland auf DVD herauskam, hat der Verleih für jede verkaufte DVD einen Teilbetrag an die Deutsche AIDS-Hilfe abgeführt. Dieser Film strotzt vor Lebensfreude und zeigt deutlich, dass Teenager durch ihre Unbekümmertheit mit den Problemen in ihrer Welt oft viel besser klar kommen als die Erwachsenen. Wer nah am Wasser gebaut hat, sollte sich aber für das Ende des Films eine große Packung Taschentücher bereit legen.
USA, 1995
Regisseur: Peter Horton
Hauptdarsteller: Brad Renfro, Joseph Mazzello
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Bewertung:
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(herausragend)
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Einer der schönsten Filme über Freundschaft, der je gedreht wurde. Erik, ein Einzelgänger, die Eltern geschieden und die Mutter alkoholkrank, freundet sich mit dem Nachbarsjungen Dexter an. Dexter ist gerade erst in die Kleinstadt Stillwater, Minnesota, gezogen. Er wurde bei einer Bluttransfusion mit HIV infiziert und sein Ruf als der „AIDS-Junge“ hatte sich schnell in Nachbarschaft und Schule verbreitet. Zwischen den beiden Außenseitern entsteht eine tiefe Freundschaft. Als in einer Zeitung die Meldung erscheint, dass in New Orleans ein Arzt ein Heilmittel gegen AIDS entdeckt hat, beschließen die beiden Jungen mit einem Floß den Mississippi flussabwärts zu fahren, damit Dexter geheilt werden kann. Auf ihrem abenteuerlichen Weg verlieren beide ein Stück ihrer Kindheit und lernen es, dem Leben die Stirn zu bieten.
„The Cure“ wurde 1995 gedreht, zu einem Zeitpunkt als die medikamentöse Kombinationstherapie gegen HIV-Infektionen noch im Entwicklungsstadium war. Es war – noch vor „Philadelphia“ – eine der ersten, wenigen Hollywood-Produktionen, die überhaupt das Tabuthema AIDS aufgegriffen haben. Als der Film in Deutschland auf DVD herauskam, hat der Verleih für jede verkaufte DVD einen Teilbetrag an die Deutsche AIDS-Hilfe abgeführt. Dieser Film strotzt vor Lebensfreude und zeigt deutlich, dass Teenager durch ihre Unbekümmertheit mit den Problemen in ihrer Welt oft viel besser klar kommen als die Erwachsenen. Wer nah am Wasser gebaut hat, sollte sich aber für das Ende des Films eine große Packung Taschentücher bereit legen.
Wahrscheinlich wegen der heiklen Thematik fand „The Cure“ nicht die Anerkennung, die der Film verdient hätte. Nichtsdestotrotz wurden die beiden jungen Hauptdarsteller für Ihre Leistung mit dem „Young Artist Award“ belohnt. Beide waren aber auch keine Unbekannten mehr, als „The Cure“ in die Kinos kam. Joseph Mazzello, der den kranken Dexter spielt, war durch seine Rolle in Stephen Spielbergs „Jurassic Park“ quasi über Nacht berühmt geworden. Ähnlich erging es Brad Renfro – er verkörpert Erik – mit seinem ersten Film, der John Grisham-Verfilmung „Der Klient“, einem Blockbuster mit Susan Sarandon und Tommy Lee Jones.
Dass ich mir gerade diesen Film als Eröffnung des Blogs ausgesucht habe, hat noch einen weiteren Grund: Brad Renfro ist am 15. Januar 2008 im Alter von 25 Jahren in Los Angeles an einer Überdosis Heroin gestorben. Er begann seine Karriere als 10-Jähriger, „The Cure“ ist sein zweiter Film gewesen. Hollywood hat seinen Tod ignoriert, seine Erwähnung bei der Oscarverleihung 2008 war zwar vorgesehen, wurde aber dann bewusst unterlassen. Wohl deshalb, weil ein an der Karrieremaschinerie zerbrochener und den Drogen verfallener Ex-Jungstar nicht in das saubere Bild der Glamourwelt passt. Brad Renfro möchte ich diese Kritik widmen.
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Internet Movie Data Base
DVD
Amazon.de: Mississippi – Fluss der Hoffnung
Amazon.co.uk: The Cure (NTSC)
Links
Kino.de: Filmkritik
YouTube: The Cure – Trailer (2:15 Min, engl.)
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